Alpenüberquerung auf dem L1 - Ausrüstung Must-haves

    Hey, mein Name ist Tom Oehl. Letzten Winter reifte die Idee, zu Fuß über die Alpen zu gehen. Am Anfang eher hypothetischer Natur, wurden die Planungen immer konkreter als ich einen Begleiter und Mitstreiter fand – meinen Freund Alex. Wir beide sind 20 Jahre alt, haben während der Schulzeit Leistungssport betrieben und schätzten uns entsprechend fit ein.

    Planungsschritt Route

    Der erste Planungsschritt war dann die Route: Unser Anspruch war es, dass die Alpenüberquerung  eine körperliche Herausforderung sein sollte und uns den schönsten Ecken der Hochalpen nahe bringt. Zudem sollte die Strecke möglichst wenig überlaufen sein. So schieden die bekanntesten Routen wie der Traumpfad von München nach Venedig (zu überlaufen) und der E5 von Oberstdorf nach Meran (zu kurz und zu überlaufen) schnell aus. 

    Nach einigen Recherchen sind wir dann auf einen als L1 benannten Weg gestoßen, der von Garmisch-Partenkirchen bis Brescia verläuft und in unserem Zeitrahmen (max. 4 Wochen) die anspruchsvollste Alternative darstellte. 

    Da wir auch nur zwei vollständige Reiseberichte fanden (beide mit denselben Kernaussagen: kaum bewandert, technisch und physisch anspruchsvoll), entschieden wir uns für diese Route. Dabei ließen wir es bei der Planung offen, ob wir bis Brescia durchlaufen oder nach Osten den L1 verlassen und stattdessen zum Gardasee laufen. Das wollten wir spontan vor Ort entscheiden, je nachdem wie schnell wir unterwegs waren.

    Jetzt, nachdem die Tour hinter uns liegt, gibt es klare Antworten auf manche gestellte und auch nicht gestellte Frage: das war ein ordentlicher Härtetest für uns und unsere Ausrüstung. 

    Wir sind insgesamt 412 Kilometer gelaufen, hatten dabei 24.487 Meter Aufstieg und 25.088 Meter Abstieg. 

    Aufgezeichnet habe ich dies mit der Suunto Spartan Ultra All Black. Wir haben insgesamt 21 Tage (18 Tage aktiv / 3 Tage Pause) benötigt. Zwei Gletscherüberquerungen (Atterkarjöchl, Fürkeleferner), eine hochalpine Bergbesteigung (Zufallspitze, 3757m), mehrere ausgesetzte Grate und unzählige seilversicherte Kletterpassagen bescherten uns ein unvergessliches Abenteuer.

    Im Folgenden möchte ich dabei natürlich auch auf meine Ausrüstung eingehen. 

    Rucksack - Ortovox Peak 45l

    Die Rucksackwahl gestaltete sich zunächst als schwierig, da bis zuletzt unklar war, ob wir mit Zelt, Isomatte und Schlafsack losziehen würden - oder uns komplett auf die Hütten-übernachtung verlassen wollten. Am Ende lief es auf die gesamte Outdoorausrüstung hinaus - dementsprechend musste ein größerer Rucksack her. 

    Die Wahl fiel auf einen Kletterrucksack - den Ortovox Peak mit 45l Fassungsvermögen - im Nachhinein die  goldrichtige Entscheidung. Der Rucksack lässt sich von oben und von vorne wie ein Koffer öffnen und dadurch leicht bepacken. 

    Besonders handlich daran war, dass sich der "Kofferdeckel" beidseitig öffnen ließ, ich also auch von unten an Sachen herankam, ohne alles auspacken zu müssen. So konnte ich Schlafsack, Isomatte und Zelt unten verstauen und auf den Hütten bequem meinen Schlafsack unten herausholen und vom oberen Rucksackdrittel „leben“. 

    Dadurch dass der Rucksack "hoch" geschnitten ist und kaum in die Tiefe geht im Vergleich zu den meisten Wanderrucksäcken, hatte ich gerade in steilen, seilversicherten Passagen einen super Tragekomfort und auch in kniffligeren Situationen kaum Probleme meine Balance zu halten. In den einfacheren Teilstücken war das Tragegefühl ebenfalls optimal.

    45 Liter Volumen waren ausreichend, allerdings habe ich diese auch komplett ausgereizt. Die Verstellbarkeit des Deckels war dabei ein großer Pluspunkt, um das maximale Fassungsvermögen auch zu nutzen und ohne dass dabei der Tragekomfort Einbußen erlitt.

    Einen Nachteil hat der Rucksack: die fehlenden Flaschenhalterungen an den Seiten. Das war mir beim Kauf zwar bewusst, hatte dies jedoch unterschätzt. 

    Fazit:
    Nach vier Wochen Praxis würde ich mich wieder für den Ortovox Peak entscheiden. 

    Schuhe - La Sportiva Trango Tower GTX

    Der Stellenwert des richtigen Schuhwerks lässt sich bei einem solchen Vorhaben gar nicht hoch genug einschätzen. Da ich vorher noch nie einen richtigen Bergschuh besaß, hatte ich keinerlei Vergleichswerte. Bei der Planung hatten wir uns aus Gewichts- und Platzgründen gegen Steigeisen o.ä. entschieden. 

    Der Schuh sollte mir genügend Sicherheit geben, um schwierige Passagen und die beiden Gletscherüberquerungen möglichst gut und trittsicher passieren zu können. Auch in diesem Punkt muss ich die Beratung vom Sporthaus Engelhorn hervorheben - von alleine wäre ich nie auf andere Sohlen, Fersenkeile oder überhaupt die erweiterte Schuhauswahl gekommen. Letztendlich ist die Wahl dann auf den Trango Tower GTX von LaSportiva gefallen.

    Anfangs hatte ich Probleme mit Blasen an den Fersen. Dies lag jedoch daran, dass ich das Einlaufen unterschätzt und zu wenig betrieben habe. Das hatte nichts mit dem Schuh zu tun. Je länger wir unterwegs waren, desto besser kam ich mit ihm zurecht. 

    Die Trittsicherheit war überragend, vom Gefühl her war umknicken fast nicht möglich. Der Trango hat mir sehr viel Stabilität verliehen und war gerade in steilen Abstiegen oder in unwegsamen Gelände sehr zuverlässig. Die harte Sohle wusste ich in den seilversicherten Passagen zu schätzen. In Situationen, in denen ich mit Händen und Füßen am Fels war, gab mir der Schuh zusätzlich Sicherheit. Gerade im Vergleich zu Alex, der einen leichteren Halbschuh hatte, kam ich in schwierigen Passagen deutlich sicherer und schneller voran. Bei den Gletscherüberquerungen hatte ich auch ohne Steigeisen erstaunlich guten Halt.

    Ein unerfreulicher Aspekt ist allerdings die Abnutzung. Das über 400 km in knapp drei Wochen einen echten Härtetest darstellen, ist mir bewusst. Das sich beim rechten Schuh der Geröllschutz (Gummikappe vorne) komplett abnutzt, hätte ich allerdings nicht erwartet. 

    Zusammenfassend lässt sich sagen: die Funktionalität und Stabilität des Schuhs sind klasse, ich kann ihn nur weiterempfehlen. Einzig die Abnutzung war etwas zu stark.

    Stöcke - Leki Khumbu

    Auf Stöcke möchte ich bei zukünftigen Touren nicht mehr verzichten. Hätte mir das vorher jemand gesagt, ich hätte ihm nicht geglaubt. Aber gerade bei Auf- und Abstiegen haben sie die Beine und Füße sehr stark entlastet. Auch das ich mich für die schwerere Variante entschieden hatte, hat sich als Vorteil herausgestellt.  Den Verstellmechanismus fand ich sehr effektiv, Alex hatte Drehstöcke und hat jedes Mal deutlich länger gebraucht, um die richtige Einstellung zu fixieren. 

    Sonstiges

    Kleidung hatte ich sehr wenig mit, was aber im Nachhinein genau richtig war. Kurz vor Abreise habe ich mir noch einen Tight Fleece von Ortovox besorgt, welcher weniger beim Wandern, dafür aber umso mehr bei den Zelt- und Hüttenabenden zum Einsatz kam. Insgesamt hatten wir sehr viel Glück mit dem Wetter, dadurch kamen die wärmeren Kleidungsschichten und die Regenjacke gar nicht richtig zum Einsatz. Zum Schluss lässt sich sagen: eine rundum gelungene und unvergessliche Alpenüberquerung abseits der „Touristenpfade“ und das nicht zuletzt dank der guten Beratung bezüglich der richtigen Materialauswahl.  

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