WINTERWANDERUNG KRAMERSPITZE

Lässt der Schnee mal wieder auf sich warten, kann man die Berge als Wintersportler auch ohne Ski genießen! 

Zum Beispiel mit einer knackigen Rundwanderung über die 1985m hohe Kramerspitze oberhalb von Garmisch-Partenkirchen. Die Tour bietet wunderbare Ausblicke und mit etwas Glück sogar ein Rendezvous mit Gämsen. Und für die gesparte Liftkarte kann man später zünftig essen gehen.


Ausgangspunkt: Gasthof Almhütte auf der Maximilianhöhe in Garmisch-Partenkirchen

Länge: knapp 17 Kilometer

Höhenmeter: jeweils rund 1200hM in Auf- und Abstieg, gute Kondition erforderlich

Ausrüstung: warme Funktionskleidung, Wanderschuhe, optional Grödel/Steigeisen und Gamaschen, Wechselwäsche für den Gipfel

Beachten: bei hochwinterlichen Schneeverhältnissen nur für Erfahrene mit Schneeschuhen und Winterausrüstung.


Los geht es um acht Uhr vom Parkplatz des Restaurants Almhütte oberhalb von Garmisch. Noch ist die Sonne nicht hoch genug über die gegenüberliegenden Gipfel gestiegen, um bis ins Tal hinab zu dringen. Nur mein Ziel, die Kramerspitze, leuchtet schon golden und verspricht eine gesunde Neujahrsbräune. Aber zwischen der wärmenden Aussicht und mir liegen noch 1200 Höhenmeter Aufstieg. Also los!

Die Route führt zunächst recht unspektakulär als breiter Forstweg in den schattigen Wald hinein und eher gediegen bergauf. Hilft nix, da muss man jetzt schnell durch – immer noch besser als in einer Liftschlange auf der nächsten Kunstschneepiste zu anzustehen. 

Und schon bald wird der Winterwanderer belohnt: hinter der um diese Uhrzeit noch geschlossenen St.Martinshütte verjüngt sich der banale Forstweg zu einem schönen Trail, der Wald wird lichter und die langsam steigende Sonne garniert den Boden mit goldenen Sprenkeln. 

Bald öffnet sich der Blick auf das Tal und auf die gegenüberliegenden Bergketten. Aus Skifahrer-Perspektive eine eher trostlose Aussicht: die schmalen weißen Bänder im Alpsitz-Gebiet wirken eher wie eine verzweifelte Christo-Installation als wie Pisten. Aber das soll heute zum Glück nicht meine Sorge sein.  


Eine unerwartete Begegnung

Der Weg schlängelt sich voran. Plötzlich dumpfe Tritte und Rascheln nur wenige Meter vor mir im Wald! Meine Augen brauchen einige Momente, um die Konturen zweier Gämsen aus der Umgebung zu lösen. Sie sind bestens getarnt im braungrauen Dickicht des Schutzwaldes. Und solange  sich diese Geister der Berge nicht bewegen, sind sie wirklich kaum auszumachen. Ich bleibe bewegungslos stehen und mache meine Kamera bereit. Weil ich auf eine solche Begegnung heimlich gehofft hatte, schleppe ich ein schweres 400mm-Teleobjektiv mit. Zum Glück sind Gämsen recht neugierig. Nachdem sie ein kleines Stück geflüchtet sind, bleiben sie stehen und schauen sich interessiert um. Kurz darauf tauchen sogar drei weitere Tiere des kleinen Rudels auf. Ich habe genügend Zeit zum Fotografieren, bevor die Gämsen mich mit ihrem typischen Warnruf auspfeifen und endgültig im Steilhang verschwinden.

Nach dieser Begegnung geht es steil dem Gipfel entgegen und ich bekomme sogar den ersten Schnee unter die Sohlen – Obacht: leichte Rutschgefahr. Der Pfad führt durch einen dichten Latschenwald bis zum Grat. Schon von hier aus hat man in alle Richtungen beste Fernsicht und könnte ausgiebig Brotzeit machen, aber das Ziel bleibt die Kramerspitze, deren Gipfelkreuz in der Sonne gleißt.

Der Weg verlässt den schmalen Grat nach einigem Auf-und-Ab und führt dann nach kurzem Zwischenabstieg auf der Nordseite des Kramer-Vorgipfels entlang. Hier hat sich im ewigen Schatten etwas mehr Schnee gehalten, darum ist jetzt echte Trittsicherheit gefragt. Grödel würden nicht schaden, aber es geht auch gerade noch ohne.

Nach knapp drei Stunden erreiche ich das Gipfelkreuz der Kramerspitze auf 1985 Metern und habe die kleine Sitztbank samt grandioser Aussicht ganz für mich allein! 

Vom Wank über die Karwendelspitze, Alpspitze und Zugspitze schweift der Blick via Mieminger Kette bis zum Waxenstein und noch viel weiter. Schaut man nach unten, breiten sich die Häuschen von Garmisch-Partenkirchen wie verschüttete Legosteinchen im ganzen Tal aus. Und gegenüber sieht man kleine schwarze Punkte auf den Kunstschneebändern gen Tal eiern und denkt sich noch einmal: gut, dass ich heut wandern bin und auf die Kramerspitze keine Seilbahn geht!

Der Abstieg führt mich auf der anderen Seite des Gipfels wieder über den schmalen Grat bis zur  Stepbergalm, die heuer leider auch geschlossen ist. Von Mitte Mai bis Mitte Oktober bietet sie eine schöne Einkehrmöglichkeit – und Stärkung sei empfohlen, bevor es in steilen Kehren durch den Bergwald zurück zum Ausgangspunkt der Rundwanderung geht. Nach fast sechs Stunden erreiche ich wieder die Almhütte und bin sicher: im nächsten Sommer mache ich diese abwechslungsreiche Tour garantiert noch einmal!

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