WE ARE traveling: Noch 221 Mal schlafen ...

Noch nie war ich so lange Zeit von zu Hause weg. Und was genau „Zuhause“ bedeutet, wird mir erst jetzt wirklich klar. Langsam realisiere ich nun, dass wir nicht nur mal eben im Urlaub sind, sondern fast ein Jahr unterwegs sein werden. Und das ist schon eine lange Zeit, in der man die Familie und die vertraute Umgebung ziemlich vermisst. Zum Glück erleben wir eine ganze Menge und werden mit vielen tollen Eindrücken gespeist, so dass die Gedanken selten Zeit haben in die Heimat abzuschweifen. Und so findet man auch immer wieder Orte, an denen man sich nach gewisser Zeit zumindest „heimisch“ fühlt, was aber dennoch nicht das Gleiche ist. Das Gefühl immer weiter zu müssen und sich immer wieder neu zu orientieren ist ungewohnt und teilweise sehr anstrengend. Man weiß nie genau, wohin einen der Weg führt und auf welche Menschen man stoßen wird. Natürlich bringt diese Ungewissheit, wo man am Abend sein und Schlafen wird aber auch das gewünschte Gefühl von Abenteuer mit sich und es ist toll, wenn man dann schließlich wieder einen ganz besonderen Ort mit liebenswerten Menschen gefunden hat.

Man vermisst die Dinge, die den alltäglichen Ablauf zu Hause bestimmt haben. Dazu gehören viele Kleinigkeiten, wie Nachts mal eben auf die Toilette schlendern, sich bequem eine Pizza in den Ofen schieben, Radio und Nachrichten hören oder die Wäsche einfach in die Waschmaschine stopfen. Natürlich sehnt sich auch unser Magen, nach den vertrauten Dingen und der guten Küche unserer Mamas! Oft stehen wir orientierungslos in den Supermärkten und sind mit unseren Sprachkenntnissen oder unserer Kochkreativität am Ende.
Aber auch unsere Hobbies fehlen uns, da diese vor der Reise schließlich den größten Teil unserer Freizeit bestimmt haben. So vermisse ich mein Pferd, welches seit über zehn Jahren fester Bestandteil meines Lebens ist. Zwar sitze ich während der Reise mehr als genug im Sattel, doch irgendwie ist der Drahtesel im Gegensatz zu meinem Pony ziemlich Seelen- und Charakterlos. Und dennoch kommt das Rad fahren dem Reiten relativ nahe: man bewegt sich in einer ähnlichen Geschwindigkeit vorwärts, man muss den Weg gut im Auge behalten, um nicht in ein Schlagloch oder diverse Scherben zu geraten und das Fahrrad will wie das Pferd nach einem anstrengenden Tag gepflegt werden. Im Großen und Ganzen sind mein Fahrrad und ich inzwischen gute Freunde geworden und ich bin froh, dass es täglich brav und ohne sich zu Beschweren die knapp 40 kg Gepäck „trägt“.

Auch unser gemeinsames Hobby, das Klettern fehlt uns mehr als wir dachten. Denn hauptsächlich wird nun einmal unsere Beinmuskulatur beansprucht. Umso so begeisterter sind wir, die jungen Leute von der Bergwacht in den Karpaten zu treffen, welche uns die Möglichkeit geben die Felswand zu erklimmen. Ein herrliches Gefühl! Wir hoffen, dass das Heimweh weiterhin die Balance mit dem Fernweh hält! So sind wir neugierig auf Alles, was noch kommt und erwarten trotzdem freudig den Moment, wieder nach Hause zu kommen.
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