We are traveling: Burnout

Ich liege im Hochbett unseres Mehrbettzimmers im Caspian Hostel in Baku. Es ist bereits halb eins. Lorena sitzt noch im Innenhof und bereitet am Laptop den nächsten Bericht vor. Die Nacht ist schwül. Die Temperaturen sind etwas milder als tagsüber, doch ich schwitze noch immer, ohne mich zu bewegen.
So viel ist passiert. Zu viel, um genug Zeit zu finden, das Erlebte zu verarbeiten.
Die letzten Wochen von der Türkei über Georgien nach Aserbaidschan waren gigantisch. So viel ist passiert. Zu viel, um genug Zeit zu finden, das Erlebte zu verarbeiten. Überladen. Überfordert. Überwältigt. Damit der Kopf vor lauter Impressionen nicht platzt, sorgt das liebe Gehirn vorsorglich dafür, dass die Informationen einfach nicht mehr filterfrei durchgelassen werden: Man stumpft ab und es schleicht sich so etwas wie ein Sättigungs-Gefühl ein. Kaum noch etwas beeindruckt wirklich. Und so erwischen wir uns gähnend auf der mittelalterlichen Stadtmauer von Sighnaghi mit einem fantastischen Blick über ein weites Tal und den auch im Sommer schneebedeckten Großen Kaukasus.


Überladen. Überfordert. Überwältigt.
Wie kann man das am besten beschreiben? Stellt euch vor, ihr schlagt euch, kurz bevor ihr einen Großeinkauf bei Aldi macht, noch einmal so richtig den Bauch voll. Nun steht ihr in dem Paradies mit einer riesigen Auswahl. Und obwohl du weißt, dass dir die Nuss-Schokolade normalerweise richtig gut schmeckt, beachtest du sie nur mit einem kurzen Blick beim Vorbeigehen.
 Chaos in meinem Kopf
Mit jedem Wort, was ich hektisch und krakelig auf das Blatt kritzele, um nichts zu vergessen, verschwinden zehn weitere Wörter in dem Chaos meines Kopfes aus Gedanken und Erinnerungen. Ich starre auf den Putz an der Wand unseres Mehrbettzimmers, welcher an manchen Stellen aufgrund der Feuchtigkeit Blasen schlägt und aufgerissen ist. Ablenken. Ist das nun die Midlifecrisis unserer Reise? Über 6000 km und 140 Tage Erfahrungen. So erfahren wir von zwei Radreisenden, dass sie ihre Reise hier in Baku abgebrochen haben, da sie das Gefühl hatten, übersättigt zu sein. In diesem Moment nachvollziehbar, wäre da nicht das immer noch brennende Fernweh... Ich stecke mir die Kopfhörer in die Ohren genau wie in den letzten drei Tagen vor Baku, und lausche dem Hörbuch. Abschalten und neue Energie tanken!

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