Wandertipp: 3-Tageswanderung im Gebiet der Drei Zinnen

Eine meiner schönsten Touren bisher war eine 3-Tageswanderung im Gebiet der Drei Zinnen in den Dolomiten. Die Natur dort ist einfach unbeschreiblich und trotz der zugegeben vielen Menschen im Gebiet, ein absolutes Hammer-Erlebnis. Wenn man die Tour wie beschrieben macht, sollte man schon gute Erfahrung im Bereich Klettersteig sowie Schwindelfreiheit und Trittsicherheit (kein Scherz!) mitbringen. Kondition ist ebenfalls gefragt, aber durchaus machbar, da die einzelnen Etappen nicht allzu lang sind.


Tag 1: Start im Fischleintal und Aufstieg zur Dreizinnenhütte
Man startet im Fischleintal bei Sexten und parkt das Auto irgendwo an der Straße (am besten eher früh am Morgen, da sonst die Hölle los ist) – alternativ fährt auch ein Bus das Fischleintal hinauf. Am Ende der Straße startet ein Weg und man ist noch inmitten von Familien mit Kinderwägen und anderen Ausflüglern. An der Talschlusshütte zweigt der einfache Weg nach rechts ab und führt das Altensteintal Richtung Drei Zinnen hoch. Kurz vorher stößt man auf die idyllischen Bödenseen, wo sich ein kleines Nickerchen in der Sonne anbietet bevor man sich dem Trubel der Dreizinnenhütte nähert (unbedingt vorher reservieren!). Da diese Etappe in etwa 4 Stunden gemütlich machbar ist, reicht es, wenn man um die Mittagszeit im Fischleintal aufbricht. Mit etwas Glück – das wir Gott sei Dank hatten – kann man den atemberaubenden Sonnenuntergang hinter den Drei Zinnen beobachten.


Tag 2: Paternkofel Klettersteig und hinunter zur Zsigmondy Hütte
Am nächsten Morgen kann man ausschlafen und den anderen Übernachtungsgästen den Vortritt bei Frühstück und Toilette geben, da die Tagesetappe zwar anspruchsvoll, aber in 5h machbar ist. Man startet mit dem berühmten Paternkofel-Klettersteig, der durch die Stollen des Ersten Weltkriegs führt (nehmt eine Stirnlampe ins Gepäck!). Oben angekommen, bietet sich einem ein Wahnsinnsblick auf die mächtigen Drei Zinnen.


Man folgt dem „Scharten-Klettersteig“ Richtung Osten, der auf der Flanke inklusive eindrucksvollen Tiefblicken verläuft, bis zur Büllelejochhütte – eine süße Hütte, auf der man eine Kuchenpause einlegen kann. Dann geht es weiter bergab auf einem entspannten Weg zur Zsigmondy-Hütte im Schatten des mächtigen Zwölferkofels (auch im Vorhinein reservieren!). Hier kann man sich nochmal mit Polenta, Würstel und einer Mütze Schlaf vor der letzten und längsten Etappe stärken.
Tag 3: Alpini Klettersteig und Abstieg zurück ins Fischleintal
Der Alpini Klettersteig ist ebenfalls ein sehr bekannter, aber ungewöhnlicher Klettersteig. Er verläuft auf fast horizontalen Bändern, immer am Rande des Abgrunds und diente als italienischer Kriegsweg im Ersten Weltkrieg. Um zum Startpunkt zu gelangen, muss man von der Zsigmondy Hütte aus den gut sichtbaren Weg über das Geröllfeld besteigen – eine schweißtreibende Angelegenheit, daher sei hier geraten schon früh zu starten, bevor die Sonne hinter dem Grat hervorkommt.


Der Alpinisteig ist nicht besonders anspruchsvoll, aber Schwindelfreiheit ist hier definitiv gefragt. Man durchquert diverse Scharten, Geröllfelder und Altschneefelder und sollte dabei gut darauf achten, wo man die Füße hinsetzt, da es oft keine Sicherung gibt… sonst macht es Holterdipolter hinunter ins Fischleintal. Durch die westliche Ausrichtung fehlt hier morgens die Sonne und das Ganze mutet schon etwas unheimlich aber faszinierend an.


An der Elferscharte ist dieser Abschnitt des Steiges zu Ende und man hat nun die Qual der Wahl: Entweder direkt in steilen Kehren hinunter Richtung Fischleintal oder man nimmt noch die Sentinellascharte mit, für die wir uns entschieden hatten. Man folgt dem Steig auf die unwirtliche Nordseite des Elferkofels und steigt dann mehr oder weniger senkrecht hinunter auf ein großes Geröll- und Schneefeld, das man im Folgenden dann hinunterrutscht, bis man wieder auf den Weg gelangt.



Die Sentinellascharte ist durchaus machbar, auch wenn teilweise noch im Sommer Altschnee in den Scharten hängt, einen Weg findet man immer. Als lieblich ist dieser Teil des Steigs jedoch wirklich nicht zu beschreiben und man ist froh, wenn man zum Schluss nach Schnee und Geröll endlich wieder die sonnenbeschienenen Almen und Wälder erreicht. Noch ca. 1,5 Stunden und man ist wieder unten am Parkplatz im Fischleintal angelangt.
Die 3 Etappen im Überblick:

Erster Tag:
1.000hm, 4 Stunden ohne Pause
Talort: Dolomitenhof im Fischleintal
Höchster Punkt: Dreizinnenhütte 2.405m
Anspruch: gering
Kondition: mittel
 
Zweiter Tag:
340m Aufstieg, 290m Abstieg, 4 Stunden ohne Pause
Höchster Punkt: Paternkofel 2.744m
Anspruch: mittel
Kondition: mittel
 
Dritter Tag:
Ca.400m Aufstieg, 1.200m Abstieg, 5 Stunden ohne Pause
Höchster Punkt: Elferscharte 2.620 m
Anspruch: mittel
Kondition: hoch
Bilder: Helen Vatter

Newsletter