Wandern non-stop: 24 Stunden von Bayern - Teil 1


Gerne folgten mein Arbeitskollege Rainer Schubert und ich aus der Wanderschuhabteilung der Einladung der Firma Hanwag, des Mit-Initiators und offiziellen Schuhpartners des Wanderkultevents 24 Stunden von Bayern und reisten Ende Juni ausgeruht, gut gelaunt und in freudiger Erwartung in unser südlichstes Bundesland nach Füssen.
Epic battle: GORE vs. Leder/ Leder
Ausgestattet mit dem Schuhmodell Hanwag Tatra in der breiten Leistenversion bevorzugte Schubby die GORE-TEX Variante mit wasserdichter Membran - ich hingegen zog den Schuh in der Lederfutterausstattung vor.
Wir wollten der Sache auf den Grund gehen; den Klassiker aller Kundenfragen erörtern - wir wollten diejenigen sein, die Licht in die ewig dunklen Hintergründe der Schuhindustrie bringen und wir wollten letztendlich die Ersten bei der Universalbeantwortung der alles entscheidenden Frage sein. Es ging für uns um alles: GORE-TEX® oder Lederfutter?
Der Start

Nach einer kurzen und erholsamen Nacht weckte mich der Startschuss aus meinen Träumen rund um das Thema „wasserdichte Membranen“ pünktlich um 8:00 Uhr. Es ging für die 444 Teilnehmer inklusive der zwei „Engelhörner“ nun endlich auf die erste Schleife und somit los. Ich hatte zwar bis dato diverse Marathonläufe, Triathlonveranstaltungen und auch ein 24 Stunden Team Radrennen Anfang des Monats erfolgreich absolviert, eine 24 Stunden Wanderung jedoch war sowohl für mich als auch meinen Mitstreiter Schubby absolutes Neuland.
In freudiger und gespannter Erwartung und auch mit der nötigen Portion Respekt ging es bei leider zunehmendem Nieselregen auf die ersten 28 Kilometer. Die Tagesstrecke hatte insgesamt 1528 Höhenmeter und führte über den Tegelberg rund um die Königsschlösser Hohenschwangau entlang der Sightseeing Ikone Schloss Neuschwanstein. Am Fuße des Tegelbergs gab es gegen 09:30 Uhr das erste kleine Bergsteigerfrühstück.
Der neue Reinhold Messner

Schubby schien sich ordentlich gestärkt zu haben. Nachdem er seine Schuhe neu geschnürt hatte, präsentierte er sich am nun folgenden Anstieg in einer topPerformance. Ich hatte ehrlich gesagt teilweise Schwierigkeiten, auf den folgenden rund 900 Höhenmetern auf den 1720 m hohen Tegelberg mit meinem Kollegen Schritt zu halten. Der dichter werdende Nebel und die enorme Luftfeuchtigkeit machten mir dann doch ein wenig mehr zu schaffen, als ich im Vorfeld erahnt hatte.
Diese erste Hürde meisterten wir schließlich dann doch recht souverän. Auf dem Tegelbergplateau angekommen, signierten wir erst das Gipfelbuch und stärkten uns daraufhin für die kommenden Aufgaben mit einer Portion Pasta und selbstverständlich alkoholfreiem Weißbier.
 
Neuschwanstein, Kuchen und Wadenmassage

Mit der Gondel ging es wieder bergab und zurück ins Tal. Über unzählige Treppenstufen und entlang diverser Wasserfälle passierten wir bald darauf Schloss Neuschwanstein und machten uns auf zum Abstieg zum Alpsee. Dort gab es an der nächsten Verpflegungsstelle einen derart gehaltvollen und wohlschmeckenden Kuchen, dass ich ein wenig Angst bekam, mich am Folgetag zu Hause  mit starkem Übergewicht meinem Sohn  präsentieren zu müssen. Nachdem Schubby an dieser Station auch eine Wadenmassage für sich in Anspruch genommen hatte, ging es über den Baumkronenweg schließlich weiter. Im sogenannten Tal der Sinne hatten die Teilnehmer nun je nach körperlicher Verfassung die Gelegenheit, die Tagesstrecke um die 13,5 km lange Fitnessstrecke oder die 7,9 km lange Vitalstrecke auszubauen.
 
Die „Vitalrunde“
Wir entschieden uns nach kurzer Überlegung gegen diese Varianten und zugunsten eines halbstündigen Päuschens in den zur Verfügung gestellten Liegestühlen. Die Sonne war inzwischen am Abendhimmel erschienen und so nahmen wir unsere persönliche Extrarunde in Form von vitaminhaltigen Getränken zu uns.
 
Sind wir nicht alle ein bisschen „Outdoor?“
Die nach der Pause letzten 3 km der Tagesrunde zum Schrannenplatz in Füssen nahmen wir nach unserer persönlichen „Vitalrunde“ daraufhin locker und entspannt in Angriff. Lediglich ein verrutschter Socken im rechten Schuh verhagelte mir kurzzeitig etwas die Laune. Sollten das etwa die ersten Vorboten einer zu befürchtenden Blasenbildung im Längsgewölbe gewesen sein?
Den Bootshafen in Füssen und zugleich den Beginn der Nachtstrecke mit 37,5 km und 604 Höhenmetern erreichten wir gegen 19:30 Uhr. Die einsetzende Abenddämmerung am Forggensee mit wärmenden Sonnenstrahlen und ihren im Wasser schimmernden Lichtreflexen schufen eine einzigartige Abendatmosphäre, welche von Ruhe und Friedlichkeit geprägt war. Für mich ein Ort der Besinnung - ich fühlte mich naturverbunden und integriert. Integriert in die große Familie der „Outdoorer“, von denen ich bis vor einigen Jahren noch dachte, es handele sich ausnahmslos um Flanellhemdenträger mit Messer am Gürtel und Kompass um den Hals...
Und überhaupt: Was kennzeichnet eigentlich den Begriff „Outdoor“? Was sind die Attribute, die Outdoor beinhaltet?
Philosophie beim Wandern
Für mich steht jedenfalls fest, dass „Outdoor“ längst salonfähig geworden ist. „Outdoor“ ist hip, modern und weltoffen. Ja, ich schreibe es an dieser Stelle: „Outdoor“ ist sexy! Endgültig vorbei die Zeiten der nach Schweiß riechenden Freaks und ewig gestrigen Eigenbrötler! Das Publikum um mich herum an diesem schönen Fleckchen Erde war sportlich und aufgeschlossen und hatte so rein gar nichts mit dem verstaubten Outdoor Image der 80er und 90er Jahre zu tun. Ich kann euch wirklich nur empfehlen: Geht raus in die Natur und wandert, Outdoor ist sexy!
Alles über den nächtlichen Part der 24 Stunden Wanderung erfahrt ihr morgen.
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