Von Brettern mit acht Löchern...

Ich erinnere mich noch, als wäre es gerade gestern gewesen als ich mein erstes Skateboard sah.
 
Ich war damals sechs oder sieben Jahre alt und verbrachte die Nachmittage oft mit anderen Kids aus der Nachbarschaft. Meistens spielten wir auf der Straße in der Nähe unseres Hauses wovon aus mich meine Mum nicht aus den Augen verlieren konnte ;).
 
Eines Abends, es war kurz bevor ich nach Hause musste, sah ich einen Jungen mit seinem Skateboard durch unsere Straße rauschen und war völlig paralysiert. Ich war überwältigt von der Art der Fortbewegung, dem Geräusch der lauten Rollen und natürlich dem eleganten Anblick des Pushens. Der Junge musste in der Nähe gewohnt haben, denn ich habe ihn etliche Male auf seinem Brett mit Rollen gesehen und stand jedes Mal mit offenem Mund daneben.
 
Obwohl ich damals keinerlei Ahnung hatte, um was es sich bei dieser ominösen Gerätschaft eigentlich handelte, wusste ich, dass ich so ein Teil unbedingt haben musste, und zwar schnell. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich meinem Dad oder meiner Mum mehr in den Ohren lag... jedenfalls durfte ich schlussendlich mit meinem Dad losziehen und mir mein erstes Skateboard kaufen.
In den späten 80ern waren Spielwarengeschäfte noch keine Seltenheit und so war unsere Anlaufstelle ein kleiner Laden der außer Holzspielzeug und Teddys auch Skateboards verkaufte.
So ging alles los.....
 
Mittlerweile fahre ich seit 22 Jahren Skateboard und bin noch immer Feuer und Flamme, sobald ich einen Skatepark oder innerstädtische Architektur sehe. Man entwickelt einen Blick für Treppen, Geländer oder gar Parkbänke, den nur andere Skateboarder begreifen können. Das war für mich auch immer der Punkt, nicht aufzugeben. Man hat etwas für sich entdeckt, was keiner Norm entspricht, völlig frei von Regeln und Konventionen. Ein Outlaw, alleine oder mit anderen.
Man ist auf sich alleine gestellt und entscheidet über Erfolg und Misserfolg seines eigenen Fahrkönnens. Ein Aspekt, den ich heute als erwachsener Mann mehr als schätze, da es mich gelehrt hat mit Niederlagen zurecht zu kommen, kleine Erfolge wahrzunehmen und meinen Willen gestärkt hat, nicht aufzugeben, wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt.
 
Und das Wichtigste am Boarden: es findet überall und zu jeder Jahreszeit statt. Man findet immer Gleichgesinnte. Ich habe in meiner Laufbahn so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennen gelernt, deren Sprache ich nicht beherrscht habe. Dennoch hat sich alleine über das Boarden und die Sprache des Sports ein gemeinsamer Nenner gefunden. Das ist immer wieder faszinierend.
 
Durch die Faszination und Begeisterung dieses Sports kommt es auch, dass ich beruflich mit der Materie zu tun habe. Boardsport bedeutet Freiheit und Lebenseinstellung. Egal ob im urbanen Gelände unserer Großstädte oder in den Bergen in aller Ruhe. Man fühlt den Vibe und es gibt einem ein verdammt gutes Gefühl. Das auf andere zu übertragen, ist an meinem Job das Großartige. Begeistern und begeistert werden. Dabei ist der Austausch von Erfahrungswerten so wichtig, wie der Sport selbst. Man pusht sich gegenseitig, zieht mit seiner Crew durch die Gegend, lernt neue Leute kennen.
 
Übrigens habe ich nach Jahren als aktiver Skateboarder den jungen Skater aus meiner Straße kennen gelernt. Heute ist er 40 Jahre alt und noch immer einer meiner engsten Freunde mit denen ich durch die Skateparks ziehe...
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