Vom Quereinsteiger zur Nationalspielerin

Hallo Sportsfreunde! Ich bin Ann-Kathrin Lindner, 24 Jahre alt und dabei, mein Hobby zum Beruf zu machen. Seit ich laufen kann, spiele ich am liebsten mit Bällen. Bis zu meinem 13. Lebensjahr habe ich intensiv Tennis gespielt und bis zu meinem 17. Lebensjahr auch Fußball.
Nach Tennis und Fußball kam Golf an der Reihe
Beides musste aber weichen, als ich vor neun Jahren das erste Mal Berührung mit einem Golfschläger aufgenommen habe. Sofort war ich von dieser Sportart so begeistert, dass ich Tag für Tag nach der Schule lieber zum Üben auf den Golfplatz gefahren bin, als Vokabeln zu pauken. Wer sportlich motiviert ist, entwickelt beim Golf einfach den gewissen Ehrgeiz, immer besser zu werden. Das dauert aber natürlich seine Zeit. Bis zu meinem Abitur habe ich immerhin nach nur 3,5 Jahren ein Handicap von 2 erreicht. Das Handicap drückt die Spielstärke des Golfers aus. Wenn man die Platzreife erlangt, fängt man mit 54 an und arbeitet sich dann Stück für Stück Richtung „Null“ runter.
Doch 19 Jahre und Handicap 2, das ist für ambitionierte Golfspieler in Deutschland nur Durchschnitt. Für die Teilnahme bei den Deutschen Meisterschaften reichte es, aber mehr war erst einmal nicht drin. Dennoch wollte ich dem Golfsport nach dem Abitur treu bleiben, denn ich hatte das Gefühl, dass ich da noch etwas rausholen kann. Immerhin spielte ich doch erst 3,5 Jahre.
2009: Das erste internationale Turnier
Ich hatte das Glück, dass der Golfclub aus meiner Heimat Burgdorf zu den sportlich ambitionierten Clubs zählt, die ihre Jugend und die Clubmannschaften zu fördern wissen. Um den Sport optimal mit einer Berufsausbildung zu verbinden, bekam ich die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau im Golfclub zu machen. Dieses System trug bald Früchte. Durch einen strukturierten Tagesablauf und Trainingsfleiß entwickelte sich mein Handicap weiter Richtung „Null“ und ich gewann reihenweise die Ranglistenturniere in Niedersachsen/Bremen. Anfang 2009 spielte ich dann in Düsseldorf zum ersten Mal ein internationales Turnier mit. Bei Turnieren dieser Art treffen nicht nur die Nationalspielerinnen mehrerer europäischer Nationen aufeinander, sondern auch diejenigen, die Lust darauf haben, sich auf hohem Niveau zu messen. Ganz unbedarft gelang mir am ersten Tag die beste Runde aller deutschen Spielerinnen. Am Ende belegte ich nach vier gespielten Runden Platz 24.

Nach dem Gewinn der nationalen Qualifikation für die Deutschen Damenmeisterschaften beschlossen mein Trainer, Christoph Herrmann und ich, mich zu einem weiteren internationalen Turnier anzumelden. Dazu nahm mein Trainer Kontakt zum Bundestrainer auf, denn der Nationalkader reist immer gemeinsam zu Turnieren und da ich nicht alleine reisen konnte, fragten wir mal höflich nach. Einen Monat vorher fanden aber noch die Deutschen Meisterschaften in Stuttgart statt. Dort konnte ich auf mich aufmerksam machen, da ich am dritten Tag im Leaderflight mit den beiden Top-Spielerinnen Caroline Masson und Lara Katzy spielte und somit unter genauer Beobachtung des Bundestrainers Marcus Neumann stand. Diese aufregende Situation meisterte ich so gut es ging und erfüllte letztendlich mit dem 5. Platz mein Ziel.
French International Ladies Championship
Im Oktober ging es schließlich mit dem Nationalkader zu den French International Ladies Championship nach Paris. Natürlich war ich super aufgeregt, denn im Grunde kannte ich ja keinen, nur vom Sehen und aus Zeitschriften. Und natürlich stellte sich die Frage, wie ich sportlich abschneiden würde. Ersteres entwickelte sich wie so häufig bei mir recht schnell. Alle Spielerinnen nahmen mich herzlich in Empfang und ich fühlte mich schnell wohl. Sportlich gelang mir eine Sensation. Bei meinem ersten Auftritt im Ausland und im Kreise der Nationalspielerinnen wurde ich internationale französische Vizemeisterin. Wohlgemerkt beste Deutsche, vor der damaligen Deutschen Meisterin Caroline Masson, die ihr letztes Turnier als Amateurin bestritt und den vierten Platz belegte. Nach dem Turnier, welches auch das letzte der Saison 2009 war, wechselte sie ins Profilager, ist nun erfolgreiche Proette auf der Ladies European Tour und verdient mit dem Golfspielen ihr Geld.
 

 
2010: Berufung in den Nationalkader
Durch meinen sensationellen 2. Platz in Frankreich wurde ich vom Bundestrainer zu den künftigen Trainingslehrgängen eingeladen und bekam die Chance, mich für die Nachnominierung für den Nationalkader 2010 zu empfehlen. Ich habe immer daran geglaubt, es zu schaffen, doch wirklich für möglich habe ich es bedingt durch mein Alter nicht gehalten. Mit 22 Jahren gehörte ich schon zu der drittältesten im Nationalkader und hatte nur wenig Erfahrung im internationalen Bereich. Doch mit Fleiß, Motivation, der richtigen Einstellung sowie der nötigen Freude, habe ich mir meinen Traum erfüllt. Nach Lehrgängen in Buenos Aires im November, auf Mallorca im Dezember und Januar, in Florida im Februar sowie Turnieren in Portugal Ende Januar und Spanien Ende Februar, habe ich den Trainerstab überzeugt und wurde für 2010 nachträglich in den Nationalkader berufen.
2011: Wechsel zum Golf Club St. Leon-Rot
Da man auch als Nationalspielerin im Golf kein Geld verdient, arbeite ich seit dem Abschluss meiner Ausbildung weiterhin im Golfclub. Zur Saison 2011 habe ich meine Heimat Burgdorf verlassen und bin in den Golf Club St. Leon-Rot nahe Heidelberg gewechselt. Sportlich gibt es keinen besseren Club in Deutschland. Die Trainingsbedingungen und die Förderung der Leistungsspieler sind einmalig. Besonders durch das Athletiktraining mit Christian Marysko ist mein Spiel noch stabiler geworden und die gewisse Fitness zu besitzen ist immer hilfreich.
Mit der Damenmannschaft des Golf Club St. Leon-Rot bin ich 2011 Deutsche- und Europamannschaftsmeisterin geworden und auch die Einzelerfolge stellten sich in der zweiten Saisonhälfte ein.
Ich bin sehr dankbar, in St. Leon-Rot meinen Beruf weiterhin so optimal mit dem Sport verbinden zu können. Doch bald soll der Sport zu meinem Beruf werden und ich bin auf einem guten Weg, das auch zu schaffen. Nach vielen guten Platzierungen in der aktuellen Saison durfte ich im Mai mein erstes Profiturnier mitspielen. Von diesem erfahrungsreichen Ereignis werde ich aber noch einmal ausführlich berichten.
 
Nachdem ihr jetzt ein wenig über meinen Werdegang erfahren habt, werde ich euch in meinem nächsten Bericht von meinem Alltag sowie Trainingslehrgängen und Turnieren mit der Nationalmannschaft berichten.
 
Erfolge 2011/2012
 
1.   Platz Deutsche Mannschaftsmeisterschaft
1.   Platz European Club Cup Trophy, 2. Platz Individual
1.   Platz Baden-Württembergische Einzelmeisterschaft
1.   Platz Länderpokal mit Team Baden-Württemberg
2.   Platz Deutsche Meisterschaften Damen
2.   Platz European Nations Championship (Team Germany), 7. Platz Individual
3.   Platz Swiss Int. Ladies Championship
3.   Platz Internationale Amateurmeisterschaften von Deutschland
3.   Platz Deutsche Lochspielmeisterschaften
7.   Platz Zählspielqualifikation Spanish Int. Ladies Championship
8.   Platz French Int. Ladies Championship
8.   Platz Portuguese Int. Ladies
13.   Platz Italien Int. Ladies Championship
9.   Platz bei den Turkish Int. Ladies Championship
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