Vallée Blanche / Mer du Glace Skiabfahrt: Tipps und Ausrüstung

Damit ihr auch optimal vorbereitet seid und wisst, was euch erwartet, hier ein paar detaillierte Infos zur Abfahrt.

Vorbereitung / Organisation

Zu Anfang sei gleich gesagt, dass die Abfahrt auf dem Vallée Blanche Gletscher nur bei guten Verhältnissen (kein Niederschlag, kein Nebel) möglich ist, und nur zwischen Januar und April, wenn genug Schnee liegt. Man sollte sie – es sei denn, man ist sehr erfahren mit Gletschertouren und geübt im Umgang mit Lawinen und Spaltenbergung – nur in Begleitung eines Guides unternehmen. Es besteht trotz der Menge Skifahrer auf der Abfahrt und der vielen Spuren eine reale Gefahr, in eine Gletscherspalte zu fallen! Entsprechende Angebote gibt es in Chamonix zum Beispiel bei www.chamonix-guides.com. Man kann sich entweder einen privaten Guide nehmen (Pauschalpreise ca. 350€) oder sich einer Gruppe anschließen (ca. 90 € pro Person). Gruppen sind meist getrennt nach Skifahrern und Snowboarden. Die Guides checken die Verhältnisse und sagen die Tour ab, falls das Wetter nicht optimal ist.

Hinauf kommt man mit der Aiguille du Midi Gondel (großer Parkplatz an der Umgehungsstraße in Chamonix), an der man in der Hauptsaison auch mal gerne 1,5h ansteht, aber man kann online bei der Companie Mont Blanc Tickets vorreservieren für 4€. Die Tickets kosten 60€ pro Person, man kauft sich einen „Mont Blanc Unlimited Pass“, mit dem man auch sonst alle Gondeln und Lifte im Tal nutzen kann. Wenn man schnell ist, kann man nach der Tour noch Skifahren gehen.

Guides sollte man im Voraus buchen. In der Nebensaison reichen ein paar Tage Vorlaufzeit, in der Hauptsaison sollte man sicher eine Woche im Voraus reservieren. Vor Ort für den nächsten Tag die Tour zu buchen ist kaum möglich. Man trifft sich zwischen 8 und 10 Uhr morgens an der Gondel, und ist je nach Level der Teilnehmer und Anzahl der Pausen zwischen 13 und 15 Uhr fertig. Später ist die Abfahrt nicht mehr zu empfehlen, da die Spalten mit zunehmender Wärme tagsüber immer größer werden.

Gurt und Steigeisen anlegen
Gurt und Steigeisen anlegen

Ausrüstung

Der Guide stellt jedem Teilnehmer einen Lawinen-Pieps, einen Hüftgurt und eine Schlinge mit Karabiner zur Verfügung. Er hat ein Seil dabei für etwaige Bergung aus Spalten und ggf. zur Sicherung für den Abstieg hinunter von der Bergstation. Zusätzliches Must-Have sind Stöcke, auch für Snowboarder, denn das Abschnallen bei flachem Gelände ist auf dem Gletscher strengstens untersagt – zu punktuelle Belastung erhöht die Gefahr einzubrechen, falls man auf Spaltengelände stehen sollte. Außerdem sinnvoll: ein Rucksack, an dem man Ski / Snowboard für den Abstieg befestigen kann und in dem man ein Getränk und kleines Vesper verstaut. Wer möchte, kann sich auch noch Steigeisen an die Skischuhe schnallen, um ganz bequem den Abstieg zum Anschnallplatz hinunter bewältigen zu können. In punkto Bekleidung reicht normale Pistenbekleidung, natürlich Helm, Skibrille und ganz wichtig Sonnencreme. Ganz oben ist es sehr kalt (-20°), aber durch die Anstrengung wird einem schnell warm.

Auch Snowboarder brauchen Stöcke
Auch Snowboarder brauchen Stöcke

Fahrkönnen und Schnee-Verhältnisse

Man fragt sich natürlich, wie es um das eigene Fahrkönnen bestellt sein muss, um diese Abfahrt gut machen zu können. Tatsache ist, dass es sehr auf die Schneeverhältnisse ankommt. Am tollsten ist die Abfahrt natürlich, wenn es kurz vorher geschneit hat und es Powder gibt. Dann sollte man definitiv öfters schon im Tiefschnee gefahren sein und entsprechende Ski haben. Ich würde behaupten, dass 90% der Skifahrer in Chamonix nur noch mit sehr breiten Freeride-Ski unterwegs sind. Carving Ski sieht man eher selten. Im Ort kann man sich natürlich alles ausleihen, aber man sollte nicht gerade mit ungewohnter Ausrüstung zu allererst die Vallée Blanche Abfahrt machen.

Als wir die Abfahrt fuhren, war der letzte Schneefall einige Tage her, und die komplette Abfahrt war so zerfahren, dass sie eigentlich einer schwarzen bzw. roten Buckelpiste im oberen Bereich glich. Wer damit keine Probleme hat, schafft die Abfahrt bei solchen Verhältnissen relativ locker. Der untere Bereich der Abfahrt ist dann sehr flach, dort fährt man sowieso nur noch Schuss. Meine Carving-Ski waren für diese Verhältnisse also perfekt.

Etwas Ausdauer sollte man allerdings schon mitbringen, denn man fährt schließlich fast 20km am Stück, mit nur einer Pause. Abschnallen und hinsetzen ist verboten, und die dünne Luft oben ist man auch nicht gerade gewohnt. 

Wenn einen die Kraft verlässt und man nur noch hinunterrutscht, macht das Ganze nicht mehr viel Spaß.

Verschiedene Routen hinunter

Man kann vorher mit dem Guide besprechen, welche Route man durch das Tal nimmt. Es gibt eine „Classic-Variante“, die zunächst in einem weiten Bogen durch das Vallée Blanche führt und dann die am wenigsten steilste Route durch den Gletscherbruch darstellt. Dann gibt es noch diverse direktere Varianten, die eher steileres Terrain hinabführen. Wenn man in einer Gruppe fährt, richtet man sich natürlich nach dem schwächsten Glied. Wer also ein bisschen mehr Abenteuer möchte, sollte sich überlegen, einen privaten Guide zu buchen. Die Guides kennen oft Geheimwege, wo man noch ein bisschen Powder findet.

Ski am Rucksack befestigen
Ski am Rucksack befestigen

Der Abstieg von der Aiguille du Midi

Viele bezeichnen den 90hm Abstieg über den steilen Schneegrat von der Aiguille du Midi hinunter zum Anschnallplatz als den unheimlichsten Teil der Abfahrt. Man hat die Ski/ das Snowboard auf dem Rücken und läuft / rutscht den ausgetrampelten Pfad hinunter. An beiden Seiten sind mittlerweile Geländer aus stabilen Steilen, an denen man sich festhalten kann. Wer möchte, kann sich durch Steigeisen an den Skischuhe das Gerutsche ersparen (extra Ausleihen / Mitbringen!). Stöcke braucht man nicht, die sind eher hinderlich, da der Weg teilweise so ausgetreten ist, dass er einem halben Tunnel ähnelt. Wer möchte, kann sich jedoch zusätzlich vom Guide anseilen lassen, es besteht also wirklich keine objektive Gefahr.

So, ich hoffe mit diesen Tipps könnt ihr euch gut vorbereiten auf dieses einmalige Erlebnis und ich wünsche euch viel Spaß dabei!

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