Triathlon – ein faszinierender Sport

Meinen ersten Triathlon bestritt ich im Alter von zehn Jahren, eigentlich durch Zufall, weil der Wettkampf ganz in der Nähe meines Elternhauses stattfand. Für mich war die Teilnahme schon fast selbstverständlich, denn mein Vater hatte schon bei einigen Triathlons mitgemacht und war in diversen Sportarten sehr aktiv. Als 11-Jähriger trainierte ich jeden Tag vor und nach der Schule mit einem älteren Kumpel, Werner Wilson, der den Triathlon für sich entdeckt hatte und Südafrika bei internationalen Wettkämpfen vertrat. Mit 14 war mir klar: Ich will auch ein erfolgreicher Triathlet werden! Ich nahm an zahlreichen internationalen Wettkämpfen teil, unter anderem an der ITU Triathlon World Championship in der Kategorie Junior Men auf Madeira. Danach trat ich für ein nationales Team an und verdiente mir so während meines Studiums an der Universität Stellenbosch etwas Taschengeld.
 
Doch irgendwann ließ meine Begeisterung nach. Ich fing an, mich treiben zu lassen, ließ mir Dreadlocks wachsen und ging nach Neuseeland, um hier und da als Küchenhilfe zu jobben. Zwei Monate lang machte ich überhaupt keinen Sport mehr. Dann kehrte ich nach Stellenbosch zurück und fing wieder mit dem Kanusport an; mein damaliger WG-Mitbewohner war in der Szene aktiv.
 
Wenige Monate später mischte ich schon richtig gut mit. Doch dann wurde ich bei einer Kanutour in Südafrika krank. Kurz darauf brach ich mir mein Handgelenk bei einem Mountainbike-Sturz. So verbrachte ich gezwungenermaßen drei ganze Monate mit Nichtstun. Danach wäre alles, für das ich mich entschieden hätte, im Grunde wie ein kompletter Neubeginn gewesen. Wie es der Zufall wollte, zeigte Conrad Stoltz, inzwischen viermaliger Xterra-Weltmeister, meinem besten Freund und mir einige Fotos von einer Insel an der brasilianischen Küste, wo ein Xterra-Wettkampf stattfinden sollte. Wir beschlossen: Da machen wir mit! Mein Freund erklärte seinen Eltern, dass das ein prima Geschenk zu seinem 21. Geburtstag sein würde und ich rechnete mir aus, dass ich beim Erreichen des vierten oder eines noch höheren Platzes das Geld für meine Flugkosten locker wieder drin haben würde.
 
Diese Entscheidung war letztendlich der Wendepunkt für mich. Ich fing wieder mit dem Schwimmen, Radfahren und Laufen an, aber diesmal mit einer ganz neuen Philosophie. Jetzt nahm ich mir vor, die Erfahrung voll auszukosten. Ich war mir noch nicht sicher, ob ich wirklich der Beste sein wollte; mir war klar, dass das eine Weile dauern würde. Doch schon bald packte mich der Ehrgeiz, meine Grenzen auszutesten.
 
In Brasilien wurde ich tatsächlich Vierter und verdiente durch gute Platzierungen in zwei weiteren Wettkämpfen noch mehr Preisgelder. Zuhause warteten die ersten Sponsorenangebote auf mich. Im Jahr danach flog ich in die USA; mein Plan war, einige Wochen dort zu bleiben, um an verschiedenen Wettkämpfen teilzunehmen. Doch dann brach ich mir wieder das Handgelenk und flog stattdessen zurück nach Hause… So fing alles an, und seither gleicht mein Leben einer Achterbahnfahrt.
 
Wenn das Mountainbiking gut läuft, ist es einfach ein unvergleichliches Erlebnis. Ein toller Trail ist ein Geschenk, das ich in vollen Zügen genieße. Er führt dich oft sehr nah an deine Grenzen, du stehst kurz davor, die Kontrolle zu verlieren, spürst die Gefahr – und dann wirst du eins mit deinen Sinnen und deiner Intuition. Hier sind Geschick, Fitness und Können gefragt.
 
Jeder Mensch fühlt sich zu dem hingezogen, was ihm am meisten Spaß macht, und dadurch wird er allmählich immer besser darin. Bei mir ist es genauso. Ich fahre am liebsten Trail-Rennen – Track- oder Straßen-Rennen reizen mich nicht. Das bedeutet, dass ich an Geschwindigkeit verliere, zugleich aber an Kraft gewinne. Da muss ich etwas aufpassen, vor allem wenn ich den Ehrgeiz habe, als Athlet wirklich mein Bestes zu erreichen. Das reine Fahrtempo ist vielleicht meine Schwäche.
 
Triathlon ist ein faszinierender Sport mit einem ziemlich verrückten Lifestyle, aber ich liebe ihn. Die große Freiheit, die Raum für Tagträume gibt.
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