Trendsport Risiko? Klettern im Hochseilgarten

Als ich beschloss, mich sportlich mal wieder in einer anderen Richtung auszuprobieren, kam ich mit meiner Freundin zu dem Entschluss, doch einmal Hochseilklettern zutesten. Als ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Hochseilgarten begab, staunte ich nicht schlecht: Die Auswahl war riesig!
Was bei mir zunächst Verwunderung auslöste, ist kein neues Phänomen: Risikosportarten stehen einer immer breiteren Masse zur Verfügung, weil immer mehr Menschen das Risiko suchen. Das merkte ich auch selbst.
 
Auch wenn ich schwindelfrei bin und noch nie mit Höhenangst zu kämpfen hatte, so war es doch zu Beginn ein wenig beängstigend, in mehr als 20 Metern Höhe zwischen zwei Bäumen zu hängen, gehalten nur von einem Karabinerhaken und einem Seil. Was bei erfahrenen Extremsportlern wahrscheinlich nur ein müdes Gähnen hervorruft, bedeutet für viele Menschen einen echten Kick. Ist die erste Angst einmal überwunden und man klettert durch die Baumkronen, fühlt man sich stolz.
 
Klettern kann im Hochseilgarten wirklich jeder. Wer größer als 1,50 Meter ist, also in die Sicherheitsgurte passt, darf sich in die Höhe wagen. Nach einer kurzen Einführung zu Sicherungstechniken und einem kleinen Parcours am Boden wagen sich dutzende Menschen hintereinander in die Höhe. Ganze Reisegruppen und Schulklassen reisen an, um Angst und Gefahr zu überwinden, frei nach dem Motto: Was Spaß macht und gefährlich ist, verschafft einen Endorphinrausch.
 
Der Trend geht zum Risiko. Paintball, Wakeboarding oder Le Parcours erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit und werden immer häufiger angeboten. Die Menschen wollen sich nicht mehr nur sportlich betätigen, oft wollen sie auch ihre Ängste überwinden, der Gefahr in die Augen blicken und somit noch größeres Glück empfinden, wenn die Grenzen überwunden wurden. So ging es auch mir im Hochseilgarten. Nach 60 schweißtreibenden Minuten in einem Parcours hoch über der Erde folgte die Abfahrt mit der Seilbahn aus 20 Metern Höhe. Die Endorphine tanzten!
Voller Euphorie machte ich mich gleich ein zweites Mal an den Parcours. Ich wollte in der Höhe noch mehr ausprobieren, den Nervenkitzel steigern. Immer weiter. Bis nur wenige Meter von mir entfernt ein Kletterer von der Seilbahn in die Tiefe stürzte – sein Seil war plötzlich gerissen. Glücklicherweise schien der Gestürzte den Umständen entsprechend glimpflich davon gekommen zu sein, doch die bittere Erkenntnis blieb: Das hätte auch ich sein können.
 
Durch das immer höhere Angebot an Risikosportarten steigt eben auch die Zahl solcher Vorfälle. Einen solchen Parcours im Hochseilgarten dürfen alle Menschen nach einer kurzen Einführung absolvieren – ohne jegliche Erfahrung. Denn eben jenes Neue, das Unbekannte bringt den wirklichen Nervenkitzel. Neue Situationen bewältigen, sich den eigenen Ängsten bewusst werden und diese überwinden, genau danach streben viele Menschen. Hierfür war das Klettern im Hochseilgarten eine ideale Erfahrung trotz des negativen Beigeschmacks.
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