Trekking im Tianshan Gebirge in Kirgistan: Allgemeine Tipps und Infos

Wer das Gefühl hat, sich in den Alpen nur auf die Füße zu treten mit anderen Wanderern, wem die Infrastruktur mit Hütten, Gondeln und Wegweisern zu viel ist, der sollte sich überlegen, mal in ferne Länder zu reisen, um dort die wirklich wilde Natur zu durchstreifen. Nach Kirgistan zum Beispiel! Das Land liegt durchschnittlich 2.750m über dem Meeresspiegel, der höchste Berg ist über 7.000m hoch. Trekkingmöglichkeiten gibt es viele, die wohl bekannteste Route führt durch den Tianshan, ein Gebirge, welches sich Kirgistan mit China teilt. Ich möchte euch heute über das Trekking im Tianshan Gebirge berichten:
Die Route verläuft entlang der Terskey Alatau Range, die gesamte Strecke dauert 10 Tage, ist aber beliebig verkürzbar, je nachdem in welchem Tal man auf- und absteigt. Wir entschieden uns für die zentrale Etappe von Karakol aus über den bezaubernd schönen Gletschersee Alaköl und hinunter über das Altyn Araschan Tal nach Aksuu. Unseren Erfahrungsbericht über diesen Abschnitt findet ihr in diesem Artikel.
Das Besondere an dieser Route im Gegensatz zum Beispiel zu Trekking in Nepal, oder Alpenüberschreitungen, ist, dass man vollständig auf sich selbst angewiesen ist. Es gibt hier weder Hütten noch Bergwacht noch irgendwelche Beschilderungen. Der Weg ist zumeist nicht zu verfehlen, es gibt jedoch einige Stellen, an denen man sich schön verlaufen kann, wenn man nicht aufpasst. Ein guter deutscher Führer und Must-have für die Routen im Terskey Alatau ist der Outdoor Führer aus dem Stein Verlag von Kay Tschersich.


Sicherheit und Wetterverhältnisse
Das Wetter hier kann schnell umschlagen, vor allem wenn man gegen Anfang oder Ende der Saison im Mai oder September trekken geht, muss man mit Schnee(stürmen), Gewitter und Regen rechnen und dementsprechend ausgerüstet sein. Man sollte in einer Gruppe unterwegs sein, sich nicht aus den Augen verlieren und bei schwierigen Bedingungen eine Umkehr nicht ausschließen. Die Pässe sollten nur bei einigermaßen guter Witterung überschritten werden. Wir haben mit Trekkern gesprochen, die auf dem Pass im Schneesturm standen, oder auch 30 cm hohen Schnee vorfanden, der auch bei bestem Wetter für Rutschpartien in schwierigem Gelände sorgen kann und die Wegfindung quasi unmöglich machen kann. Hier ist nicht die Zeit, den Helden zu markieren, da man dort oben keinen Handyempfang hat, es keine Bergwacht gibt und auch eher wenige Wanderer vorbeikommen. Also im Zweifelsfall lieber umkehren!
Flora und Fauna
Die Landschaft im Tianshan ist unglaublich schön und vielfältig. Mal sieht es aus wie in Kanada, mit hohen Tannen und wilden Flüssen, auf den Weiden grasen Pferde und Kühe. Dann findet man sich in einer Art Mondlandschaft wieder, wo kein Baum wächst. Auf den Pässen, die alle knapp 4.000 Höhenmeter aufweisen, kreisen Adler, die Landschaft ist sehr alpin mit Geröllfeldern, Gletscherzungen und wenig Vegetation. Wir hatten Glück und haben eine große Gruppe Steinböcke gesehen. Dann wandert man wieder durch märchenhaft anmutende Wälder mit zutraulichen Eichhörnchen, verschiedenen Vogelarten und anderem Getier. Nur das in den Alpen alltägliche Murmeltier lief uns nicht über den Weg.


Schlafen und Essen
Auf dem Weg gibt es diverse empfohlene Campsites, ohne jegliche Infrastruktur und leider meistens sehr vermüllt. Es empfiehlt sich also, sein Lager davor oder danach aufzuschlagen, wobei es jedoch etwas dauern kann, bis man eine geeignete ebene und geschützte Stelle gefunden hat. Man sollte sich schon grob an den im Führer vorgeschlagenen Stellen orientieren, da zwischendrin oft keine Plätze zu finden sind. Wasser kann man zumeist aus den vorhandenen Flüssen nehmen und beispielsweise mit einem Wasserfilter oder Desinfektionstropfen behandeln. Nur von den gräulichen Gletscherwasserbächen sollte man Abstand nehmen. Im Führer ist beschrieben, an welchen Stellen man zu Trinkwasser kommen kann und man seine Flaschen auffüllen sollte. Was Essen anbelangt, so muss man alles mitnehmen, was man braucht, es gibt den ganzen Weg über nichts zu kaufen.
Ein Gaskocher ist sehr zu empfehlen, da man so Fertiggerichte, Tee und Kaffee kochen kann. Wir hatten eine Mischung dabei aus Maggi Suppen und Fertiggerichten sowie asiatischen Ramennudeln, die es überall zu kaufen gibt. Schokolade, Nüsse und Gummibärchen runden die Speisekarte ab. Zum Frühstück gab es Tee, Kaffee und Haferbrei. Zu beachten ist, dass es in Kirgistan keine Kartuschen der Marke Campinggaz zu kaufen gibt. Generell gibt es in Kirgistan nur in Bishkek wenige Läden mit Trekkingausstattung. In Karakol, dem Startort der meisten Touren, gibt es zum Beispiel gar nichts in der Richtung. In Bishkek ist Red Fox an der Ecke Baitik Batyr und Kulatova die beste Adresse, hier sollte man sich mit Kartuschen für den gesamten Trip ausstatten. Ansonsten sollte man alles an Ausrüstung mitbringen, inkl. Ersatz- und Reparaturteile. Unsere komplette Packliste für das Trekking findet hier.


Abschließend kann man sagen, dass das Trekking im Tianshan ein unglaubliches Naturerlebnis ist, man sich aber gut überlegen sollte, welchen Abschnitt man sich und seiner körperlichen Verfassung zutraut. Man sollte sich auf keinen Fall scheuen, auch den Rückweg anzutreten oder einen zusätzlichen Tag einzuplanen, wenn die Umstände oder das Wetter ungünstig sind. In den einschlägigen Homestays und Restaurants in Karakol trifft man immer auf Trekker, die gerade zurückgekehrt sind, und kann sich so Infos und Tipps und ggf. übriggebliebenes Essen besorgen.

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