Trainingslager des Team Alpecin in Kaltern – ein Erlebnisbericht

Das Team Alpecin ist ready to ride! 10 leidenschaftliche Hobby-Rennradfahrer, ausgestattet mit hochwertiger Profiausstattung und angeleitet von professionellen Sportlern, werden von nun an für einen großen Profi-Wettkampf vorbereitet. Heute darf ich euch dabei zum ersten Mal von unseren Vorbereitungen berichten.
Wer hat den Güterzug bestellt, der in aller Frühe Kreise über meine Synapsen dreht? Nein, wirklich gut startet der zweite Morgen im Trainingslager nicht. Während ich eine Ladung Taschentücher opfere, um meiner Nase Frischluft zu verschaffen, kommen Zweifel auf, wie ich das heutige Fotoshooting überstehen soll.


Der Transport als Herausforderung
Dabei begann das Trainingslager des Team Alpecin in Kaltern ebenso großartig wie der Auftakt in Bielefeld eine Woche zuvor endete. Unkomplizierte Anreise bei wenig Verkehr und bestem Wetter sowie ein herzlicher Empfang in unserem Trainingsdomizil, dem Haus am Hang südlich von Kaltern in Südtirol. Die Apfelblüte ist in vollem Gang und der Frühling hat hier fruchtbarer gewütet als in meiner ebenfalls schönen Heimat, dem Rheingau. Größte sportliche Herausforderung jenes Sonntages wird der Transport der etlichen Gepäckstücke (Berge von Assos-Radklamotten und & engelhorn-Freizeitbekleidung) in das riesige Hotelappartement sein, welches ich mir mit unserer Berghoffnung André alias „Öhi“ und unseren beiden Nordlichtern Jörn & Sascha teile. Von meiner chaotischen Veranlagung ahnen die armen Mitbewohner bis dato noch nichts.
Vor der offiziellen Begrüßung durch den Kalterer Tourismusverein, RoadBIKE und unsere Sponsoren erhalten wir nochmal eine großvolumige Tüte prall gefüllt mit weiterer hochwertiger Kleidung von MeruAssos. Weihnachtswahnsinn Teil 2 nach der üppigen Bescherung beim Teamtreffen. Parallel zum textilen Overkill erhalten unsere Specialized Traumräder edles Beinkleid von Lightweight für den Tanz über die Pässe.
Der Abend schreitet rasch voran. In der Küche des Hauses am Hang lauert einer der besten Köche Südtirols darauf, unsere Gaumen für die kommenden Tage zu verzücken. Der erste aufregende Tag neigt sich dem Ende zu.


Fotoshooting als harte Arbeit
„I don’t like Mondays“ – in der Regel stimme ich dem Song zu: heute muss ich aber verneinen. Fotoshooting Teil 1. Nach dem üppigen Frühstücksbuffet geht es direkt los. In Teamkluft werden die ersten Höhenmeter gen Kaltern gesammelt. Fotograf Björn hat rasch eine schöne Location oberhalb der Ortschaft erspäht, ganz in der Nähe zur Mendelpassstraße. In den kommenden Stunden gilt es in Zweierreihe oder Pulk einen dynamischen Haufen für Print- & Onlinemedien darzustellen. Auch das Zentrum von Kaltern bleibt von Björns geschultem Auge nicht verschont und wird digital verewigt. Zufriedenheit allenthalben. Meinem Sigma ROX 10.0 entlocke ich später immerhin 680 Höhemeter, verteilt auf lediglich 23 Kilometern. Ein guter Auftakt.
Im Anschluss drehen wir noch eine kleine Nachmittagsrunde, um die Beine zu lockern und ferner eine Berechtigung für intensives Carboloading zu erhalten. Stefan, unser Trainer vom Radlabor, zeigt uns live diverse Trainingsmethoden für die Zeit nach Kaltern: einbeiniges Pedalieren für den runden Tritt, Hoch- & Niederfrequenztraining sowie Sprints stehen auf dem Plan.


Dabei lernen wir die Vorzüge des Leistungsmessers kennen, ich beobachte interessiert, wie Watt und Pulsschlag zeitversetzt korrelieren. Kurz vor Ende der Ausfahrt nochmal ein kurzer Bergsprint mit André zum Hotel, da ahnt Stefan schon, dass ich zu viele Hummeln im Hintern habe (die dicken Viecher, die es nur schwungvoll von Blume zu Blume schaffen aber bei größeren Distanzen meist tot vom Himmel fallen).
Ferner muss ich noch 5 Euro in die Strafkasse löhnen, da meine rechte Wade von einem Kettenblatt Tattoo geziert wird, eigentlich ein Markenzeichen von mir, welches mich als Newbie outet. Mit dem Verweis auf meinen strammen Wadenumfang und der damit verbundenen Nähe zum Kettenblatt versuche ich die Zahlung zu vermeiden, werden aber von Daniel und Gregor, die ebenfalls dicke „Schlammhufe“ ohne Deko haben, rasch abgebügelt. Am Ende eines langen Tages verabschiedet sich dann die Sonne und taucht die fernen Gipfel der Dolomiten idyllisch ins Zwielicht. Das Abendessen mundet gar sehr. Fünf leckere und ein schwerer Gang, dann noch zwei Stockwerke rauf und der Tag endet im Bett! Doch mein Hals kratzt und der Kopf fängt an zu brummen.

Erkältung zum ungünstigsten Zeitpunkt
Und nun stehe ich da, meine erste Erkältung seit drei Jahren, genau während dem Trainingslager. Ich könnte mich übergeben, obwohl mir zumindest nicht übel ist. Das großartige Frühstücksbüffet wird mangels Appetit nur kurz besucht. Als ich auf dem Rad sitze, geht es mir dann schon ein wenig besser, aber gut ist anders. Wir gehen alle steil, direkt hinterm Hotel wartet die erste Fotorampe mit gefühlten 20 Prozent. Technisch anspruchsvoll, am Hang in die Pedale kommen – jeder meistert es und Björn ist überaus zufrieden. Kaum eine Wolke trübt die Weinbergszenerie. In enger Formation, mal im Wiegetritt oder normaler Bremsgriffhaltung geht es bergauf und bergab. Wir sind schnell durch, die Ausbeute laut Björn ganz wunderbar.


Nach der allmittäglichen Pasta-Party werden wieder zwei Gruppen gebildet. Die Alpecinis, die gestern noch nicht auf dem Radl belichtet wurden, dürfen heute ran, der Rest fährt mit Lude „wellig“. „Wellig“, das Schlagwort unseres Locals Werner Weiss für den ein oder anderen versteckten Höhenmeter während der Tour: „nix Schlimmes, geht überwiegend flach durch die Lande“. Mir wird abgeraten, heute noch aktiv zu werden, getreu dem Motto „Florian, wir haben heute kein Foto für dich“. Und so entspanne ich im schönen Hotel und erkunde Kaltern.
Gegen Ende eines jeden Tages naht das allabendliche Spiel zügig: feudales Essen, ein Vortrag über die Historie & Produkte von Assos und danach schnell ins Bett, denn der Folgetag naht früh. Im nächsten Bericht über unser Trainingslager werde ich euch dann von letzten Tagen unseres Trainingslagers berichten, bei denen das (un)geliebte Coretraining eine zentrale Rolle spielen sollte! Seid gespannt!
Bis bald,
euer Flo!
Bilder: Björn Hänssler

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