Tipps für den Klassiker Via Cassin am Piz Badile


Von Mannheim und Umgebung aus kommend ist die Reise zum Klassiker der Via Cassin am Piz Badile über den Splügenpass sicherlich einer der schnellsten Wege ins Bergell. Der Pass ist schon ein Abenteuer an sich, ein typisch italienischer Pass. Es sei empfohlen, sich vorher die Abmessungen des Autos noch mal einzuprägen! Tipp: Am Parkplatz in Bondo solltet ihr euch nicht von der Schranke abschrecken lassen. Links neben dem Parkplatz ist ein Automat, der gegen eine Gebühr eine „Sondergenehmigung“ zum Befahren der Straße im Valle Bondasca erteilt.
Der Ausgangspunkt
Die Sciora-Hütte liegt gemütlich und mit schöner Aussicht. Allerdings sind es von hier noch 2 Stunden Gehzeit bis zum Einstieg der Cassin. Wer vor dem großen Ansturm am Beginn der Route verzichten möchte oder einfach die teure Hüttenübernachtung scheut, kann alternativ direkt neben der Scharte am Abstieg zum Querungsband biwakieren. Da in der Rinne vom Aufstieg kurz vor dieser Scharte noch lange Schnee liegt ist auch eine Wasserversorgung gegeben. Natürlich macht das den Zustieg um einiges anstrengender. Welche Variante man wählt, ist so wohl dem persönlichen Geschmack überlassen.


Der Zustieg
Von der Scharte geht es in ausgesetzter Querung und leichter Kletterei zu einer Abseilstelle, die man, trotz des Aufwandes das Seil auszupacken, besser nutzt. Das Abklettern in diesem IIIer Gelände dauert meist länger als das Abseilen und ist auch noch heikler. Ob auf dem anschließenden Querungsband noch Schnee liegt, sollte man auf jeden Fall vor dem Antritt der Reise bereits versuchen herauszufinden. Meist ist im August vom Schneefeld jedoch nichts mehr zu sehen.


Die Route

Bei der Begehung der Route muss sich der Vorsteiger immer wieder vor Augen führen, dass dies die erste Route durch diese große Wand war und dass damals Risse und Verschneidungen wegen der Absicherbarkeit den Weg der Wahl darstellten. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, weil sich Kletterer versteigen! Dabei ist die Linienführung mit einem guten Topo und ein bisschen Gespür für die leichteste und logischste Linie wirklich gut zu finden. Einzig auf dem Band in Wandmitte muss man wieder die richtige Stelle zum Angreifen finden. Aber selbst die ist, wenn man in die richtige Richtung quert, sehr schnell eindeutig auszumachen. Als Topo sei folgende hier empfohlen: Kletter Topo für die Via Cassin.



Die Absicherung ist heute recht passabel. An jedem Stand sind Bohrhaken und, bis auf einen wegen Seilreibung nötigen Zwischenstand im unteren Teil, mussten wir nie selbst einen Stand einrichten. Wer auf keine gebohrten Stände mehr trifft, ist sicher falsch. In den Seillängen selbst sind zum Teil noch viele Schlaghaken älteren aber auch neueren Datums. Zusätzlich lassen sich einige Cams und Keile legen, der Fels ist jedoch sehr geschlossen und so ist man froh, dass heute so viele Schlaghaken stecken. Es sei aber gesagt, dass trotz dieser guten Absicherung ein Rückzug sehr schwierig ist, da die unteren Seillängen viel queren! Deshalb sollte man der Tour auf jeden Fall gewachsen sein!
Im oberen Teil sind viele Stände vor dem großen Kamin mehr oder weniger Hängestände. Für eine Pause sei deshalb angeraten, entweder das Band in Wandmitte zu nutzen oder bis zum zweiten Cassin Biwack weiterzuklettern.


Der Abstieg

Der Abstieg nach Italien ist wohl der einfachste und auch am häufigsten begangene. Allerdings steht einem dann eine lange Wanderung zurück zur Sasc Fürä bevor, für die noch lange Steigeisen nötig sind. Wir haben trotz der vielen Gegenstimmen über die Nordkante abgeseilt und man kann dies bei routinierter Seilführung auch weiterempfehlen! Allerdings gibt es dabei ein bisschen was zu beachten. Die ersten Seillängen vom Gipfel zurück zum Ausstieg aus der Wand klettert man noch ab/entlang. Ab dort kann dann abgeseilt werden. Wer aber sein Seil hier einfach nach unten wirft, wird vor lauter Knoten an dieser flachen Kante sicher nicht mehr vor der Dunkelheit am Fuß ankommen! Deshalb geht man wie folgt vor:
Zuerst werden die unten liegenden Seilenden wie fürs Abseilen gewohnt durch den Standring gesteckt und verknotet. Dies verhindert auch den Verlust des Seiles!
Dann lässt man am besten den Seilersten an beiden oben liegenden Seilsträngen langsam entlang der Kante ab bis zum nächsten Stand.
Der Seilerste zieht dann das Restseil ein, bis es oben am Knoten gespannt im Abseilhaken hängt.
Nun kann der Seilzweite abseilen.
Das Seilende, an dem jetzt abgezogen wird, wird durch den nächsten Abseilhaken gefädelt und durchgezogen. Einer kümmert sich um das Durchziehen des Seiles bis zum Knoten während der zweite das Seil von oben abzieht (Achtung auf Steinschlag).
Die Seile werden wieder am Stand gesammelt und das Abseilmanöver beginnt von neuem. Zeit zum Abseilen dann ca. 3-4 Stunden. Achtung auf die Kletterer an der Kante!


Noch schneller gelingt es, wenn man sich mit einer zweiten Seilschaft zusammen schließt: während der Seilerste vom Zweiten abgelassen wird, ziehen Nummer Drei und Vier das Seil von oben ab und schießen die zwei Stränge zusammen auf. Diese bekommt dann Nummer Zwei mit zum nächsten Stand, wo er mit dem Seilersten die nächste Abseilstrecke einrichtet und ihn bereits wieder ablässt während der Dritte und Vierte herunter kommen und sich wieder um das Abziehen kümmern und so weiter und so weiter. Henry Ford lässt grüßen ;-)
Bis bald,
Euer Lucas
Bilder: Lucas Frey

Newsletter