„Tell me why I don’t like Mondays?“


Tempoläufe am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen. So oder so ähnlich müsste wohl das altbekannte Sprichwort lauten, wollte es den ganz normalen Wahnsinn des Trainingsalltages eines Läufers beschreiben. Ganz so begeistert war ich dann aber doch nicht von der Idee, meine wöchentlichen Tempoläufe künftig Montagmorgens um 9 Uhr zu absolvieren. Ein Zeit, zu der jeder normale Student noch keinen Gedanken daran verschwendet, sein wohlverdientes Wochenende zu beenden. Die Einzigen, die um die Uhrzeit schon wach zu sein scheinen, sind die unzähligen Kaninchen im Mannheimer Luisenpark, die leicht irritiert davon hoppeln als ich im Halbschlaf über ihre taufrische Frühstückwiese stolpere. Jedoch hilft alles Lamentieren nichts, es muss eben sein.
Aber alles der Reihe nach. Die erste Hiobsbotschaft des Semesters erreichte mich doch tatsächlich schon in der letzten Woche der Semesterferien. Das was auf keinen Fall hätte passieren sollen, war eingetreten. Ein Blick auf den Vorlesungsplan, Entsetzen. Dienstag B6, Vorlesung Unternehmensethik hieß es da. Das bedeutete, ich würde bis Dezember künftig jeden Dienstag von 17:15 Uhr bis 18:45 die unbequemen Vorlesungsbänke gegen meine geliebten Laufschuhe eintauschen müssen. Ausgerechnet am Dienstag dem Tempolauftag. Alles nur nicht das! Oh du grausame ungerechte Welt!
Für alle die mein Dilemma nicht ganz nachempfinden können oder das Gefühl haben ich hätte einen leichten Hang zur Dramatik, hier eine Erklärung. Dienstag ist traditionell Bahntraining in Heidelberg. Dort treffen sich im Unistadion alle Läufer und Triathleten der Metropolregion um gemeinsam ihre wöchentlichen Tempoläufe zu absolvieren. Nicht nur sportlich ist diese Trainingseinheit unheimlich wertvoll, auch als soziales Event der Spezies „Läufer“ ist sie unersetzlich. Für Nicht-Trainingsexperten: im wunderschönen Heidelberg stehen Trainingsprogramme wie beispielsweise 7 x 1000 Meter mit 3 Minuten Pause oder 15 x 400 Meter mit 60 Sekunden Pause und ähnliche Laufprogramme auf dem Plan. Gemeinsames Leiden, sich quälen, zu Höchstleistungen anspornen und natürlich Fachsimpeln über alle Themen, die das Laufen betreffen.
Wie bereits erwähnt, ist dieses Training im wöchentlichen Trainingsplan nicht nur traditionell eine Institution, sondern auch aus leistungssportlicher Sicht kaum wegzudenken, geschweige denn adäquat zu ersetzen. Dementsprechend groß war natürlich mein Frust und meine Enttäuschung über den unglücklichen Vorlesungsplan. Doch eine andere Möglichkeit zur Vorlesung zu gehen, gab es leider nicht. Da ich aber trotz allem ein zu gewissenhafter Student bin, um einfach meine Vorlesung sausen zu lassen, vielleicht auch einfach nur zu faul bin mir den Stoff autodidaktisch zu vermitteln, musste eine andere Lösung her. Und hiermit wären wir wieder am Anfang der Geschichte. In Absprache mit meinem Trainer Christian Stang und meinem Trainingspartner Timo Hoberg, den übrigens das gleiche Stundenplandilemma ereilt hatte, wurde Montag kurzerhand zum ersatzweisen Tempolauftag auserkoren. Und als ich wenig später das Radio aufdrehte und hörte wie Bob Geldof singend fragte: „Tell me why I don’t like Mondays?“, hätte ich ihm liebend gerne darauf geantwortet.
Nach dieser Änderung sieht mein Wochenplan im Normalfall nun wie folgt aus:
Montag: Tempoläufe
Dienstag: Pause
Mittwoch: Dauerlauf/ Sprint/ Kraft
Donnerstag: Fahrtspiel
Freitag: Dauerlauf/ Sprint/ Zirkel/li>
Samstag: Tempodauerlauf oder Bergläufe
Sonntag: langer Dauerlauf
picture by © Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO / www.pixelio.de
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