Gecheckt: DAV Hochtouren Grundkurs - Teil I

Großvenediger in den Hohen Tauern
Großvenediger in den Hohen Tauern
Die höchsten und spektakulärsten Gipfel der Alpen ziehen uns alle magisch an, aber bleiben für die meisten Gelegenheitsalpinisten unerreichbar. 

Denn sie versuchen es erst gar nicht. Warum? Die Wege dorthin führen oft über besonders schwieriges oder sogar gefährliches Gelände. Je höher, desto unberechenbarer – und potenziell ernster die Konsequenzen. Es drohen Gletscherspalten, extreme Wetterumschwünge und damit einhergehende Orientierungslosigkeit. Wirklich keine gute Idee, so eine Besteigung auf gut Glück und ohne spezielle Vorbereitung zu versuchen.


Da hilft nur ein professionell geführter Hochtourenkurs, für den ich mich beim DAV schon früh dieses Jahr angemeldet hatte, denn die Plätze sind begehrt und schnell vergeben. Ende Juni ging es los, unser Ziel ist der Großvenediger in den Hohen Tauern. Immerhin 3.660 Meter hoch, ein würdiges Ziel. Viereinhalb Tage wollten wir Praxis und Theorie üben, Schwerpunkt Gletscherquerung, Spaltenbergung und Orientierung mit Karte, Kompass und Höhenmesser.

DAV Hochtouren Grundkurs
DAV Hochtouren Grundkurs

Knackiger Aufstieg als erste Konditionsprüfung

In Innergschlöss in Österreich geht es auf 1.690m los, hier unten herrscht Ende Juni perfekte Postkartenidylle: urige Bergbauernhäuser, Geranien vor den Fenstern, drum herum blumengesprenkelte Bergwiesen. Mitten durch fließt ein Bach, in dem das Schmelzwasser vom Gletscher hinabstürzt. Das ewige Gipfeleis gleißt verheißungsvoll in der Ferne, wir haben gut 1.100 Höhenmeter bis zur Neuen Prager Hütte vor uns. Sie liegt auf 2.796 Metern Höhe und soll uns als Basislager für den Hochtourenkurs dienen.

Der Weg führt zunächst entlang des Baches gen Talabschluss, dann in Serpentinen einen steilen Grashang hinauf, bevor es felsig wird und oberhalb der graublauen Gletscherzunge weiter geht. Sie liegt von Spalten vernarbt wie eine riesige, abgezogene Elefantenhaut in ihrem Geröllbett: im unteren Teil blankes Eis mit Kruste, weiter oben noch mit Altschnee überzogen.

Unser Aufstieg zum Basislager dient der Übungsleiterin natürlich auch zur Einschätzung der Gruppendynamik und individuellen Kondition. Immerhin ist unser Ziel die gemeinsame Besteigung des 3.600 Meter hohen Gipfels – aneinander gebunden in einer Seilschaft. Da will man wissen, mit wem man es zu tun hat. Wir sind fünf Männer und zwei Frauen, zwischen 32 und 46 Jahren alt, alle ähnlich fit dank regelmäßigem Alltagssport und Wochenendwanderungen.

Die Stimmung ist super, die gemeinsame Motivation verbindet und je dünner die Luft wird, desto dicker scheint die Kameradschaft.
Trockenübungen auf der Hütte
Trockenübungen auf der Hütte

Erste Trockenübungen auf der Hütte

Nach drei Stunden haben wir die neue Prager Hütte der DAV Sektion Oberland erreicht. Sie liegt direkt an der Schneegrenze und bietet einen spektakulären Blick über den Gletscher, der allerdings gerade unter den immer tiefer hängenden Wolken verschwindet. Gut, dass wir da jetzt nicht drin stecken. Zumal der Hüttenwirt in den nächsten Tagen detailreich von den  Spaltenstürzen der letzten Saison berichtet, die nicht alle glimpflich endeten. Insbesondere jene, bei denen die Abgestürzten eben nicht in einer Seilschaft gesichert waren. 

Das ist umso mehr Anreiz, den Kurs ernst zu nehmen. Vor dem Abendessen frischen wir grundlegende Klettertechniken auf. Wir befestigen das Seil an der Aufhängung der Materialseilbahn und vergnügen uns mit Prusikschlingen an unserem Aufstiegssimulator, während der Gletscher zügig in grauen Wolken verschwindet.

Das dreigängige Hüttenmenü fühlt sich extrem verdient an, ist ausgesprochen lecker und verbessert die Ausgangssituation für einen bleiernen Schlaf. Doch es folgt eine eher durchwachsene Nacht im Lager, die neuen Bergkameraden stimmen ihre Schnarchpegel sorgsam aufeinander ab. 

Im 2. Teil erfahrt ihr, wie ich mich in der Praxis geschlagen habe.

Mei, Hüttenzauber halt an.

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