Tagebuch eines Rennradfahrers: Trainingslager auf Mallorca


Tag 1: Ankunft auf Mallorca
Hallo Radsport Freunde,
seit heute befinden sich mein Radrenn-Team und ich im Trainingslager auf Mallorca. Das Trainingslager ist auf 10 Tage geplant und ich werde Euch von unseren Ausfahrten bzw. Trainingseinheiten täglich berichten.
Mein Team, ”Team Erdinger Alkoholfrei” ist ein Elite-A Team, welches auch im Jahr 2013 im nationalen und internationalen Renngeschehen um Siege fahren will. Da aus beruflichen Gründen nicht alle Teamkollegen mitfliegen konnten, sind wir ab heute zu viert auf Mallorca: Max Ehrhardt, Imanuel Jesse, Fabian Genuit und ich.
Das Trainingslager nutzen wir meistens, um ordentlich Grundlagen-Kilometer zu sammeln. Das heißt konkret:  Wir machen lange Ausfahrten, dafür aber in einem lockeren Tempo. Täglich sind wir ungefähr fünf bis sechs Stunden unterwegs, legen dabei 150-180 Kilometer zurück und erreichen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 28-32 km/h.
Bevor es mit diversen Intervallen bzw. Rennen losgeht, bauen wir uns somit immer wieder ein Fundament für die Rennsaison auf.
Heute Morgen sind wir um 10 Uhr in Palma gelandet. Die Gepäckausgabe am Band sieht bei uns etwas anders aus als beim gewöhnlichen Mallorca-Urlauber: Neben Koffer oder Rucksack liegen bei uns noch die sorgfältig eingepackten eigenen Räder mit auf dem Band. Nach dem zügigen Transport zum Hotel, ging es ans Räder montieren, was aber relativ wenig Zeit in Anspruch nimmt. Somit standen wir um 12Uhr startklar mit Helm auf dem Kopf bereit zur ersten Ausfahrt.
Das Wetter war top, 17 Grad und Sonne brachten uns auf eine angenehme, eher flachere Runde, entlang der Küstenstraße aus S´Arenal über Delta, San Salines Felantitx, Lucmajor und wieder Arenal – insgesamt eine Runde von 120 Kilometern.
Jetzt stehen das verdiente Abendessen an und der Regenerations-Schlaf.
Sportliche Grüße aus Mallorca
Tag 2: Gegenwind und etwas Ruhe

Das Wetter ist weiterhin gut, obwohl der starke Gegenwind uns heute meistens begleitet hat. Dafür kletterte die Temperatur bis auf 18 Grad im Schatten. Wir fuhren heute eine flachere Runde und im letzten Drittel des Trainings nahmen wir den bekannten Anstieg auf der Insel San Salvador noch mit. Somit kamen wir auf 150 km und ca.1200 Höhenmeter.
Nach dem Training gönne ich mir gerne etwas Ruhe und Dehnen der Beinmuskulatur was der besseren Regeneration dient. Nach dem ausgewogenen Abendessen mit Nudeln, Reis und etwas Hähnchenfleisch stand noch ein kleines Tischtennis-Turnier innerhalb des Teams an, bevor es zur Bettruhe ging.
Tag 3: Wir radeln der Sonne entgegen

Bei 15 Grad und Sonne fuhren wir heute pünktlich um 10 Uhr los. Das konstant gute Wetter kommt uns sehr entgegen, da Radfahren auf nassem spanischen Asphalt eher weniger Spaß macht. Dann kann es spiegelglatt und gefährlich werden.
Nach fünf Stunden und 15 Minuten zeigte der Tacho 165km an und das Teamrad Trek Madone 5.9 mit der elektronischen Shimano Ultergra Di2 Schaltung wurde in unserem Radfahrerfreundlichem Hotel Riu Playa Park geparkt.
Tag 4: Kilometer sammeln

Da wir zehn Tage auf Mallorca sein werden, haben wir uns im Team vorgenommen, das Training in zwei 3er Blocks aufzuteilen und die letzten zwei Tage auch noch lange Trainingseinheiten zu absolvieren.
Nach drei Tagen Training habe ich das Gefühl, mir keinen Ruhetag gönnen zu müssen. Somit bin ich mit meinem Teamkollegen Max Ehrhardt eine flachere Runde von 120km gefahren und habe im lockeren Tempo weiterhin meine Kilometer gesammelt. Imanuel und Fabian zogen die aktive Erholung auf dem Rad mit 60km vor.
Tag 5: Krafttraining auf dem Rad
An Tag 5 unseres Trainingslagers stand heute ein Krafttraining auf dem Rad aufdem Programm, auch K3 genannt.
Wir suchten uns den Anstieg am mallorquinischen Kleinort Randa aus, der ca. sechs km lang war und eine Durchschnittsteigung von ca.5.6% aufweist. Gefahren wird mit einer schweren Übersetzung: vorne 53 Zähne und hinten 12,13 oder 14, je nach Anstieg. Die Trittfrequenz sollte ca. bei 50/60 Pedalumdrehungen liegen. Der Berg wurde auf diese Weise von uns heute drei Mal erklommen und anschließend machten wir die 160km im flacheren Terrain auch komplett.
Die Beinmuskulatur beschwert sich jetzt kräftig über den Tag, somit ist Pflege (Dehnen und Massieren) sehr hilfreich, um die nächsten eher anstrengenderen Tage gut absolvieren zu können.
Tag 6: Höhenmeter sammeln

Heute sind wir in die Berge gefahren. Es ging in Richtung Westen los nach Palma, den Soldatenberg hoch, anschließend Valdemossa, die komplette westliche Küstenstrasse und zum Schluss noch den Col de Soller hoch.
Wir haben ordentlich Höhenmeter gesammelt, ca. 2500hm auf einer Distanz von 130km. So ziemlich jeder im Team ist schon leicht müde, aber der morgige Tag wird auch nicht einfacher. Deswegen stehen jetzt Regeneration und ein kleiner Spaziergang auf dem Programm.
 
Tag 7: die Königsetappe
 
Heute ist der siebte Tag unseres Trainingscamps – der Tag, an dem wir uns die Königsetappe vorgenommen haben.
Es ging pünktlich um 10Uhr los, nach etwas Umwegen zum Col de Soller(von der Santa Maria Seite), nach Puig de Major (18km Anstieg, 7 % im Durchschnitt) und dann nach Port de Pollenca.
Insgesamt waren es heute 180km, mit knapp 3000 Höhenmetern. Der Ruhetag morgen ist nötig, da die Beinmuskulatur zu sehr schmerzt. Bei einem Durchschnittspuls von 130 Schlägen/Minute kann man das Training als effektiv ansehen, man hat im optimalen Grundlage-Bereich trainiert.

 
 
Tag 8: Ruhetag
Heute ist eine kurze aktive Erholung angesagt, wir fahren mit dem Rad ganz gemütlich spazieren und schauen uns die Kathedrale in Palma an, genießen das Wetter und sammeln Energie für die letzten beiden Tage.
 

 
 
Tag 9: Sturm auf der Insel
Heute ist das Wetter auf der Insel sehr schlecht: konstanter Nieselregen bei sehr starkem Wind und das Thermometer zeigt 8 Grad an. Dennoch schläft die Konkurrenz nicht und wir müssen auch was tun. Daher ging‘s um 10 Uhr los auf die Räder und wir fuhren eine leicht bergige Runde von 120km in vier Stunden.

Die relativ kurze Trainingseinheit heute ist absichtlich so von uns gestaltet worden, da es morgen, am 24.02. ein Radrennen auf der Insel geben wird und wir als Team dort an der Start gehen wollen.
Jetzt werden die Räder nochmal überprüft und für das Rennen vorbereitet. Morgen werde ich Euch detailliert vom Rennen berichten.
Tag 10: Radrennen
Am letzten und 10. Tag unseres Trainingslagers sind wir heute am Start des Rennens “Hotel Pabisa Chico”.
Bereits um 6 Uhr morgens ging es zum Frühstück, anschließend machten wir uns rennfertig, brachten die Startnummer aufs Trikot an und um 9.30 Uhr erfolgte der Start.
Es fuhren ca.180 Rennfahrer aus Spanien, Holland und Deutschland auf die 130km (2 Runden à 65km) lange Strecke, die zwei Anstiege und viel Seitenwind bot.
Nach 5 Kilometern ereignete sich leider ein gewaltiger Massensturz, bei welchem ca. 40 Rennfahrer zu Fall kamen, darunter meine beiden Teamkollegen Fabian und Imanuel. Zum Glück passierte beiden nichts Schlimmes und sie konnten das Rennen fortsetzen.
Zu Beginn der zweiten Runde ging es einen 5km Anstieg hoch , bei dem ordentlich von einem deutschen Team aufs Gas gedrückt wurde. Als die Tachonadel 55-60km/h anzeigte, trennte sich die Spreu vom Weizen und es entstand eine 14 Mann köpfige Spitzengruppe, in der auch Max Ehrhardt vertreten war. Ich blieb vorne im Feld und kontrollierte auch das Geschehen. Am Schluss fuhr Max bei einem sehr starken Fahrerfeld mit namhaften Fahrern auf einen guten 11Platz und ich kam auf Platz 19 ins Ziel. Imanuel und Fabian beendeten kurz nach mir im Hauptfeld das Rennen.
Wir sind zufrieden mit unserer Leistung, das Training hat gut getan, wir konnten gut Kilometer sammeln und das Rennen machte auch Spaß.
Jetzt werden die Räder wieder in die Radkoffer verpackt und heute Abend geht‘s zurück nach Deutschland, mit der Hoffnung auf gutes Wetter.
Ich hoffe, Euch bald wieder von meinen Renngeschehnissen berichten zu können!
Euer Michael, Team Erdinger Alkoholfrei
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