Swiss Iron Trail III - Annabel berichtet über ihr Erlebnis


Im den letzten beiden Blogartikel habe ich euch von meinen Erlebnissen vom Start bis zu großen Hindernissen auf dem Swiss Iron Trail berichtet. Nun berichte ich euch über das Ende meines Swiss Iron Trails.

Ich habe noch etwas Bedenken, dass wir uns zu sehr auf die Organisation verlassen. Meiner Ansicht nach, ist bei einem solchen Rennen immer noch jeder für sich selbst verantwortlich und muss entscheiden, welches Risiko er eingeht. Aber alleine umzudrehen ist keine gute Option, also versuche ich an die zügigen Männern aufzuschließen. Oben am Pass erwartet uns doch tatsächlich ein Streckenposten, der Schneefall lässt nach und es ist „nur“ noch kalt, windig und rutschig.

Als wir zu Einbruch der Dunkelheit Bivio erreichen, erfahren wir, dass die langsameren drei unserer Karawane aufgegeben haben. Der Abstieg war wieder ein Mal von nicht mehr erkennbaren Wegen und sumpfartigen Wiesen, Nässe und Matsch geprägt und wäre Nino nicht so optimistisch und motiviert seinen Weg bis nach Savognin fortzusetzen, ich hätte vermutlich hier aufgehört.

Nachts im Nebel durch die Sümpfe
Es ist sehr neblig und äußerst schwierig die Orientierung zu behalten. Immer wieder landen wir in sumpfigen Sackgassen. Als es etwas besser wird, setzt sich einer der Russen auf einmal nach vorne ab und überlässt seinen müden Laufkollegen in unserer Obhut. Für die 27 km bis nach Savognin brauchten wir am Ende über 14 Stunden. Nino und ich hatten beide bereits vor Bivio beschlossen hier mit der Sonderwertung zu „finishen“.

Ich hätte die Passagen bergab schneller laufen, mich den Russen anschließen und es vielleicht noch schaffen können. Aber Nino hat in den Sümpfen und im Aufstieg durch die Matsche oft auf mich gewartet. Da ich, wenn auch wenig erfolgreich, versuchte dem Wasser von unten auszuweichen und dafür große Umwege in Kauf nahm. Bergab und mit niedrigem Puls, merke ich nun zum ersten Mal die Müdigkeit.

Die Steine und wild wachsenden Pflanzen auf dem verwachsenen Trail ergeben seltsame Gestalten. Gähnen. Auf den teils stark ausgesetzen Passagen über die nassen und angefrorenen Steine - jetzt bloß aufpassen. Zu allem Überfluss geht auf den letzten Kilometern durch den dunklen Wald meine Stirnlampe aus. Das Licht meines Outdoorhandys hilft mir die letzten Kilometer zu finden, aber die Situation zeigt mir wieder einmal wie angenehm und entlastend meine guten Lekistöcke sind, auf deren Unterstützung ich somit verzichten musste.

Schneetreiben
Schneetreiben

Endlich in Savognin und irgendwann auch trockene Füße
Mit Sonnenaufgang gegen 6 Uhr erreichen wir endlich Savognin, von wo ich zusammen mit ein paar anderen „Aufgebern“ umgehend, also ohne mir die lang ersehnten trockenen Schuhe anzuziehen, mit dem Bus nach Tiefenthal fahre, um dort zu erfahren, dass wir hier noch eine Stunde auf den Zug nach Davos warten müssen. In Davos erwarten mich dafür der überaus liebevolle und freundliche Service des Hotels Bündnerhofs, eine warme Dusche und ein kuscheliges Bett. Ich schlafe ein paar Stunden, bevor ich der Regeneration in Form eines leckeren Essens auf dem heißen Stein und köstlichem Zimtparfait und dann einer entspannenden Massage widme.

Doch noch ein Zeilfoto
Doch noch ein Zeilfoto

Wie ich doch noch zu einem Zieleinlauffoto kam
Es ist schon spät, da fällt mir ein, dass ich gar kein Foto in der Laufkleidung habe, die mir Mammut großzügiger Weise gestellt hatte. Ich hatte die Sachen in Savognin deponiert und wollte sie für die letzte Etappe anziehen. Ich hole das nach, laufe zum Ziel und lasse mich fotografieren. Bei der Gelegenheit löse ich ein „echtes“ Zielfoto aus. Es ist kurz nach Mitternacht, also zufällig die Zeit in der ich geplant hatte im Ziel zu sein.

Für die besagten letzten 63 km haben meine Mitläuferinnen übrigens fast die gleiche Zeit benötigt, wie für die schwierigen 27km zuvor. Das wusste ich allerdings nicht. Ob leider oder zum Glück, lässt sich im Nachhinein schwer sagen, aber ich bin trotz meines ersten „DNF“ glücklich und stolz diese 141 km, 7.150hm im Auf- sowie 7.530m im Abstieg gemeistert zu haben. In diesen 42 Stunden ohne Schlaf habe ich viel dazugelernt, u.a. dass es für solches Wetter wasserfeste Überziehhandschuhe von Raidlight gibt.

Buttermilch auf der Alp Clavadel
Buttermilch auf der Alp Clavadel
Fazit: 

Der T201km und T141 sind mit 11.480hm bzw. 8.300hm eine echte Herausforderung für Ausdauerfreaks die gerne lange und viel in den Bergen unterwegs sind. Für Einsteiger mit Bergaffinität gibt es auch Strecken mit 41 und 21 km. Die Verpflegung ist sehr gut und wenn Ihr schneller seid als ich, habt Ihr beim T201 zweimal die Möglichkeit zu Ruhen. Das komplette Leistungspaket ist sehr umfangreich und beinhaltet bis zum T81 das Swiss Ticket für An- und Abreise ab einer schweizer Ortschaft, Massage, Mahlzeit und Getränk im Ziel sowie ein hochwertiges Finisher-Shirt von Mammut. Davos selbst bietet Nichtläufern diverse Möglichkeiten, von Shopping bis Kultur oder leichte Wanderungen. Wie beispielsweise einem Ausflug zur Schaukäserei auf die Alp Clavadel, die ich am Sonntag bei traumhaftem Bergwetter selbst noch besuchte.

Kleine matschige Zugabe

Matschige Zugabe
Matschige Zugabe

Nach einem Glas frischer handgemachter Buttermilch auf der Alp, nahm ich auf dem Rückweg eine Abkürzung. Dabei tauchte ich mein letztes Paar saubere Schuhe, wohlgemerkt einen zitronengelben Supernova Glide, in ein oberflächlich leicht angetrocknetes Schlammloch. Ach ja, und seit dem Lauf entdecke ich immer öfter kleine Mammuts. In diesem Sinne „Mammut absolut alpine
 
Bilder: Annabel Müller; Robert Bösch, Dmitry Zadvornov

Anabell ist Lauftrainerin beim wöchentlich stattfindenden engelhorn sports Lauftreff.
Anabell ist Lauftrainerin beim wöchentlich stattfindenden engelhorn sports Lauftreff.
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