Sport verbindet: Lauftraining mit Flüchtlingen

Als ich gefragt wurde, ob ich das Training für die Flüchtlinge zum ermäßigten Stundensatz übernehmen möchte, sagte ich spontan zu. Die Idee und der soziale Aspekt an sich haben mir gleich zugesagt - und natürlich reizte mich diese neue Erfahrung.

Als man ein paar Tage vorher nicht abschätzen konnte, wie viele denn kommen werden, aber ich erfuhr, dass inzwischen ca. 4.500 Flüchtlinge auf dem Benjamin Franklin Gelände in Mannheim untergebracht sind, wurde mir schon etwas anders. Aber meine Bedenken es könnten Hunderte dastehen und ich soll das alleine managen, erwiesen sich als unbegründet. Im Gegenteil, als ich den Sportplatz auf dem Kasernengelände erreichte, gab es zwar ein paar Pfiffe und Anmachsprüche (Frauen im Laufdress fallen da ein wenig auf), aber ansonsten interessierte sich erst mal keiner für mich. 

Das kann ja lustig werden

Ich  versuchte erst einmal, so cool und tough wie möglich zu erscheinen und warf mal "You gotta run" (Plan B Musik) ein - so laut wie die Boombox es hergab, in der Hoffnung, dass nun ein paar Teilnehmer erscheinen. Nichts geschah... schließlich kam Kisten Bazler von der Stadt und ein Organisator vom Gelände. Wir berieten uns kurz und ich beschloss einfach, alle hier am Sportplatz anzusprechen und so konnte ich rasch ca. 15 der Jungs motivieren. Eine junge Frau wollte auch mitmachen. Sie hatte dann aber bei der Truppe leider trotz guten Zusprechens zu große Bedenken und sah dann vom Rand aus zu. 

Zunächst war es nicht so einfach die Gruppe zu bändigen - zumal nur 2-3 Englisch verstanden und welche wiederum auch nicht die Sprache aller Teilnehmer beherrschten (syrisch und arabisch). Aber ich versuchte es mit Gestik und Mimik und nachdem ich den größten Chaoten 5 Liegestütze machen ließ, weil er mal wieder nur Schmarrn machte, verstanden alle was passiert (der nächste 10, 15 usw.) und so konnte ein professionelles Training stattfinden.

Spaß hatten alle dennoch genug und viele möchten nächste Woche wieder kommen. Im Idealfall mit besser geeignetem Schuhwerk und Sportkleidung, wobei sich erstaunlicherweise zeigte, dass man sogar in Adiletten eine recht gute Figur machen kann, wenn der Laufstil passt :-)

Newsletter