Schuh des Monats: Brooks Transcend - Darf es heute mal die Limousine sein?


Es gibt Sportwagen. Schnelle Autos mit viel PS und Sportfahrwerk, die wie auf die Straße geklebt durch enge Kurven rasen und dabei direkten Fahrspaß bieten.
Und es gibt Limousinen. Gemütliche und komfortable Straßenkreuzer, die jede Unebenheit vergessen machen und den Insassen wie auf Watte ans Ziel bringen.

Und genauso gibt es auch verschiedene Schuhe. Es gibt die sportlichen Schuhe, die einen Tempo machen lassen und dabei flach auf der Straße liegen.
Und dann eben diese anderen Schuhe. Schuhe, die wie amerikanische Straßenkreuzer allen Komfort dieser Welt bieten wollen.

Genau dieser Kategorie soll nach Aussagen seiner Mütter und Väter der Brooks Transcend angehören. „Wie auf Wolken“ soll man dahin schweben. Ich war gespannt, ob sich das bewahrheiten sollte und ob vielleicht sogar der perfekte Kompromiss aus Komfort und Tempo gelungen sein sollte.

Der erste Eindruck
Wenn man den Schuh das erste Mal aus seiner Box holt, muss mancher vielleicht tief durchatmen. DIESE FARBE! Worte mögen sie kaum beschreiben. Ich versuche es dennoch. „Neonlachs“ trifft es wohl am besten. Grelles Obermaterial auf weißer Sohle.

Gewöhnungsbedürftig. Aber laufen muss er, nicht an Modeschauen teilnehmen. Etwas anderes fällt auch auf, wenn man den Guten das erste Mal aus seiner Kiste hebt. Es ist der merkwürdige Widerspruch aus Optik und Gewicht. Der Schuh wirkt auf den ersten Blick klobig. Wenn man ihn aber in den Händen hält, zeigt sich, dass dieser Eindruck ein wenig täuscht. Der
Transcend ist definitiv kein Leichtgewicht, dass kann man nicht sagen. Aber für einen so „massiv“ gebauten Schuh finde ich ihn wiederum relativ leicht. 

Doch genug der ersten Eindrücke. Gelaufen werden muss er. Nur das zeigt einem, wozu das neonlachsfarbene Raumschiff taugt.

Die Performance des Brooks Transcend
Die Passform des Transcend kommt mir persönlich sehr entgegen. Die Fersenkappe ist schmal und fasst den Fuß schön stabil. Auch das Obermaterial am Mittelfuß packt eben jenen schön fest und lässt ihn nicht mehr los. Einzig einen Tick zu flach ist es für meinen Geschmack. Ich muss im Vorfuß den Schuh betont locker schnüren, um beim Abrollen das Obermaterial nicht als „Kante“ auf dem Fuß zu spüren. Der Stabilität tut das keinen Abbruch. Ich sitze komfortabel und bequem in diesem Straßenkreuzer.

Dann geht es los. Im Vergleich zu meinen anderen leichteren Schuhen, merke ich, dass sich der Transcend nur langsamer in Bewegung setzt. Er ist in allem etwas schwerfälliger. Aber, und das muss ich betonen, wenn er einmal läuft, dann rollt er komfortabel vor sich hin. Die Sohle trifft den schmalen Grat zwischen Flexibilität und Dämpfung. Die Sohle dämpft den Laufschritt angenehm ohne zu weich oder schwammig zu werden. Sowohl Ferse als auch Mittelfuss laden dazu ein, den Fuß auf den Boden zu setzen.

Erst bei höheren Geschwindigkeiten merkt man, dass das nicht das Terrain ist, auf dem sich der Brooks bewegen soll. Für einen gemütlichen Dauerlauf hingegen taugt er uneingeschränkt. Lange Läufe in ihm gleichen einem Spaziergang.


Mein Fazit
Ist der Brooks Transcend also der langersehnte Kompromiss zwischen Tempo und Komfort? Definitiv nein. Wer auf Rückmeldung vom Boden angewiesen ist und richtig Gas geben will, wird mit dem Transcend nichts anfangen können, außer als Erholungsschuh. Wer hingegen einen komfortablen Straßenschuh sucht, der einen bei gemütlichen Läufen begleitet, wird hier vielleicht fündig. Denn das kann der Transcend ohne weiteres. Etwas flotter kann man damit auch mal laufen. Aber ab einem gewissen Tempo fehlt einfach die Nähe zur Straße. Dafür braucht man einen anderen Schuh.

Aber: Wer will auch schon auf allen - egal wie holprigen und schlechten - Straßen mit seinem Sportwagen herumrasen, wenn er noch eine komfortable Limousine in der Garage hat, die ihn vielleicht etwas langsamer aber deutlich komfortabler an sein Ziel bringt?

In diesem Sinne,
Keep on running!
Heiko

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