Schuh des Monats: Adidas Energy Boost


Die Werbung für den neuen Laufschuh „Energy Boost“ von adidas klingt vielversprechend. Die Technologie BOOST in der Sohle verspricht dem Läufer sowohl Komfort und Leichtigkeit, als auch Stabilität und Dämpfung und vor allem ein ganz neues Laufgefühl. Das neue Dämpfungselement BOOST wurde von adidas in Kooperation mit BASF entwickelt. Es handelt sich hierbei um festes TPU-Granulat (Thermoplastisches Polyurethan), das zunächst gesprengt und dann in Kapseln zerlegt wird. Aus 2500 dieser Kapseln besteht die Zwischensohle des neuen Runningschuhs. Das Ziel dieser neuen Dämpfungstechnologie ist es, dass die Energie beim Laufen nicht einfach „verschluckt“, sondern an den Läufer zurückgegeben wird. Außerdem soll das neue Material bei sehr hohen wie auch sehr niedrigen Temperaturen funktionstüchtig bleiben. Ich habe nun die Möglichkeit bekommen zu testen, ob der Energy Boost auch hält, was er verspricht.
Optik und Design
Schon rein äußerlich unterscheidet sich der Schuh von meinen bisherigen Trainingsschuhen. Er ist sehr schlicht, wodurch er auch problemlos als Alltagsschuh getragen werden könnte. Das Obermaterial ist in Schwarz gehalten, was mittlerweile schon fast eine Seltenheit ist, wenn man mal einen Blick auf die bunten Laufschuhregale im Sportgeschäft wirft. Auf den ersten Blick sieht der Energy Boost  also nicht aus wie ein typischer Laufschuh, aber das Techfit-Obermaterial erfüllt dennoch die Eigenschaften eines Laufschuhs. Es ist funktionell, atmungsaktiv und passt sich dank seiner Elastizität der Fußform an, auch wenn es nach meinem Geschmack im vorderen Teil etwas enger sein könnte. Das liegt aber auch daran, dass ich sehr schmale Füße habe. Der Schuh lässt sich aber gut sehr fest schnüren. Das Obermaterial ist weitgehend nahtfrei, der Innenschuh sogar komplett nahtfrei. Die Besätze, wie zum Beispiel die stabilisierende Fersenkappe, sind aufgeklebt.
Nun zum Kernelement des neuen Schuhs, der BOOST Sohle: Das Material, das dem Läufer mehr Energie beim Laufen geben soll, sieht lapidar gesagt wie Styropor aus, ist aber sehr flexibel. Das Torsion System der Sohle, was auch schon einige vorherige Modelle von adidas besitzen, ist bei meinem Testschuh gelb. Es ist eine leichte Stütze für das Fußgewölbe, welche die Flexibilität und Unabhängigkeit der Bewegungsfreiheit von Vor- und Rückfuß erhöht, wodurch der ganze Fuß an Stabilität gewinnt, aber auch vor zu starker Verdrehung geschützt wird.
Der erste Laufeindruck
Schon nach den ersten Schritten muss ich der Werbung für den Energy BoostRecht geben; es ist tatsächlich ein anderes Laufgefühl. So eine weiche Sohle ist man nicht mehr gewohnt nach dem Boom der Natural Running Schuhe. Anfangs hatte ich durch dieses neue Dämpfungssystem ein etwas wackeliges Gefühl in den Schuhen, was sich aber relativ schnell gelegt hat. Ansonsten hatte ich keinerlei Probleme: keine Blasen und durch den nahtfreien Innenschuh gab es auch keine Stellen, die gerieben haben, und das, obwohl ich zum Testlauf gleich einen langen Dauerlauf gemacht habe! Allerdings hatte ich gegen Ende des langen Dauerlaufes wieder ein etwas unstabiles Gefühl in den Schuhen, vermutlich weil meine Kraft in den Füßen nachgelassen hat.
Die Strecke meines Dauerlaufes führte mich überwiegend über Asphalt und befestigten Waldboden, aber auch auf der Bahn hatte ich keine Probleme, obwohl diese nass war. Bei meinen weiteren Trainingseinheiten hatte ich auch kein wackeliges Gefühl mehr in den Schuhen, sodass ich ihn sicher weiter als Trainingsschuh nutzen werde, der sich auch für schnellere Einheiten sehr gut eignet. Der Schuh ist flexibel und man kann darin flüssig abrollen. Zudem ist er sehr komfortabel und nicht allzu schwer.
Bei meinen Testläufen bin ich überwiegend auf Asphalt und befestigten Böden gelaufen, was kein Problem war, aber ich vermute, dass die weiche Sohle auf unbefestigten Böden eventuell etwas unangenehm sein könnte. Das Sohlenprofil scheint nicht für das Laufen auf Schnee gemacht zu sein, da es nicht sehr viel Gripp hat. Die Dämpfungseigenschaften haben sich bei winterlichen Temperaturen nicht verändert, ob das auch für hohe Temperaturen gilt, kann ich bei den momentanen Verhältnissen nicht sagen. Ich habe auch den Eindruck, dass man in den Schuhen wärmere Füße hat als in anderen Laufschuhen, da das Obermaterial nicht aus einem Netz besteht, sondern geschlossen ist, was mir bei den aktuellen Temperaturen auf jeden Fall gelegen kam.
Im Großen und Ganzen ist der Energy Boost ein guter neutraler Trainingsschuh, auch wenn er noch nicht zu meinen Lieblingslaufschuhen gehört. Ich persönlich finde das innovative Dämpfungssystem nicht ganz so überragend revolutionär wie versprochen. Es ist zwar ein anderes und auch sehr komfortables Laufgefühl, aber der angekündigte Energie Boost beim Laufen ist bei mir leider ausgeblieben. Aber vielleicht hatte ich mir den Energieschub auch ein wenig zu sehr wie im Comic ausgemalt... :-)
Es ist auf jeden Fall eine Neuheit auf dem Laufschuhmarkt und ich bin gespannt auf die weiteren Boost Modelle, die adidas auf den Markt bringt. Der Energy Boost soll ja erst der Beginn einer ganzen Reihe sein.
Mit einem Preis von 149,95 € ist der Schuh nicht ganz billig; da muss jeder selbst entscheiden, was ihm das neue Laufgefühl wert ist.
Ich empfehle den Schuh eher für kurze und mittlere Läufe und werde ihn auch nicht als Wettkampfschuh einsetzen. Für normale Dauerläufe und Intervalltraining eignet er sich sehr gut, sowohl für Freizeitläufer als auch ambitionierte Läufer. Er eignet sich für Fersenläufer, lässt sich aber auch über den Mittelfuß laufen. Mit dem Energy Boost hat adidas also einen ganz neuen alltagstauglichen Trainingsschuh geschaffen, der vielseitig einsetzbar ist.
 
Auch Barbara Maier, die bei der Vorstellung des Adidas Energy Boost in New York dabei war, ist von dem neuen Laufschuh begeistert und holte sich bei dieser Gelegenheit für ihren ersten Marathon Tipps von den Profis.
 
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