Schmutz als Schutz? Die richtige Pflege von Funktionsbekleidung

Was tun, wenn die geliebte Funktionsjacke gewaschen werden muss? Mit der Jacke durch kräftigen Regen laufen und am Lagerfeuer trocknen lassen ist sicher eine Möglichkeit - aber es gibt noch bessere!
Woran erkenne ich, ob ich meine Funktionsbekleidung (z. B. Gore-Tex Jacke) reinigen muss?
der Regen perlt nicht mehr vom Obermaterial ab, sondern dieses fängt an, sich an manchen Stellen (z. B. Schultern, Ärmeln) vollzusaugen
ihr habt das Gefühl, dass eure Bekleidung nicht mehr richtig atmet – und ihr sozusagen im eigenen Saft steht
die Bekleidung ist verschmutzt, müffelt vielleicht sogar ein wenig
Grundsätzlich:
Funktionstextilien büßen mit der Zeit an Funktionalität ein - ohne regelmäßige Pflege sinkt die Atmungsaktivität deutlich. Der Grund dafür liegt in den Fetten, Salzen und Schmutzpartikeln, welche die Poren der Funktionsmembranen verstopfen. Aber auch das Obermaterial leidet durch Verschmutzung und Beanspruchung und verliert seine wasserabweisende Wirkung. Die Folge: Der Regen perlt nicht mehr ab und die Oberschicht saugt sich voll.
Pflegetipps zur Reinigung
Waschen
Am besten zuerst immer das Pflegeetikett des Herstellers beachten. Was die einzelnen Pflegesymbole genau bedeuten, könnt ihr nachlesen unter: www.pflegesymbole.de.
Alle Reiß- und Klettverschlüsse schließen und die Bekleidung auf links ziehen.
Kein Waschpulver verwenden, da es die Poren der Membran verstopft. Besser sind Flüssigwaschmittel, sie reinigen schonender und effektiver.
Keinen Weichspüler verwenden! Das darin enthaltene Silikon kann die Membranen zerstören und die Bekleidung verliert auf Dauer ihre Atmungsaktivität.
Schonwaschgang (bei 30 bis 40 Grad) verwenden.
Schleudern ist nicht notwendig, wenn gewünscht, bitte nur kurz und mit geringer Drehzahl.
TIPP: Zu häufiges Waschen oder zu viel Waschmittel kann die Funktionalität der Bekleidung beeinträchtigen. Am Besten so oft wie nötig, aber so selten wie möglich waschen. Gute Erfahrungswerte liegen bei ca. 3 bis 4 Waschgängen pro Jahr.
Imprägnieren
Nach dem Waschgang empfiehlt es sich, die Jacke zu imprägnieren. Hierdurch wird der wasser- und schmutzabweisende Effekt deutlich verbessert. Erhältlich sind s. g. "Wash-In“ oder "Spray-On“-Mittel. Beide Varianten haben ihre Eigenheiten:
Wash-In
bequeme Anwendung mittels Waschmaschine
gleichmäßige Verteilung
die Innenseite der Jacke wird ebenfalls mit imprägniert, was nicht immer wünschenswert ist und die Atmungsaktivität beeinflussen kann
Spray-On
stark beanspruchte Flächen (Schulter, Ärmel) können individuell behandelt haben
nicht besonders zeitintensiv und lässt sich überall durchführen
TIPP: Das Spray-On auf das noch leicht feuchte Bekleidungsteil aufsprühen. Die Restfeuchte verteilt das Imprägniermittel zusätzlich auf dem Oberstoff. Der Imprägniereffekt wird verstärkt.
Trocknen
Nach der Behandlung und bei entsprechend vorhandenem Pflegesymbol kann das Bekleidungsstück abschließend bei niedriger Temperatur in den Wäschetrockner und/ oder bei geringer Temperatur gebügelt werden. Der Imprägnierschutz wird hierdurch ebenfalls intensiviert.
Daunenbekleidung
Daunenbekleidung bedarf einer ganz speziellen Behandlung, damit die hochwertigen Daunen ihre Bauschfähigkeit und Isolierleistung nicht verlieren. Grundsätzlich sollte die Daunenbekleidung nur selten ganz gewaschen werden. Lieber mal mehrere Tage lüften oder verschmutzte Flächen von Hand abwaschen.
Waschen
immer die Pflegesymbole des Herstellers beachten
spezielles Daunen-Waschmittel verwenden – hierdurch wird die Daune beim Waschvorgang besonders geschont
alle Klett- und Reißverschlüsse schließen
nur ein Teil pro Wäsche, denn Daune braucht viel Platz
bei Maschinenwäsche das Fein/- oder Wollwaschprogramm benutzen
nur leicht anschleudern mit geringer Drehzahl
nasse Daune ist sehr schwer; beim Herausnehmen aus der Trommel daher nicht an der Kleidung ziehen, da Gefahr besteht, dass die Daunenkammern reißen; besser das Kleidungsstück möglichst als Ganzes herausnehmen und ggf. in einer großen Schüssel tragen.
bei Handwäsche darauf achten, sorgfältig auszuspülen und das Teil nicht wringen, sondern nur leicht ausdrücken
Trocknen
Bei einer Jacke sollte das Fassungsvermögen des Trockners mindestens 7 kg besitzen. Andernfalls besteht die Möglichkeit, dass sich die Daune während des Trockenvorgangs nicht richtig aufbauschen kann. Ist der Trockner zu klein, besteht die Gefahr, dass die Jacke zu nah an die Heißluftdüse gepresst wird und ein Brandloch entsteht.
TIPP: Drei Tennisbälle mit in den Trockner geben. Hierdurch erhält die Daune ihren vollständigen Bauscheffekt zurück.
Daunenbekleidung oder auch Daunenschlafsäcke sollten über einen längeren Zeitraum möglichst nicht in s. g. Kompressionsbeuteln gelagert werden. Dies schadet der Daune und sie verliert ihre Bauschfähigkeit. Wer Platz hat, legt die Bekleidung leicht zusammengelegt in den Schrank oder die Kommode.
Alle weiteren Funktionstextilien wie z.B. Fleece-Pullis, Merinowolle, Unterwäsche oder Socken sind am besten immer nach Angabe des Herstellers (siehe Pflegesymbole auf dem Etikett) zu behandeln. Auch hier gilt: flüssiges Spezialwaschmittel ist generell empfehlenswerter als herkömmliches Waschpulver.
Softshells sind genauso zu behandeln wie die Membran-Bekleidung. Wer möchte, kann spezielles Softshell-Waschmittel und Imprägniermittel verwenden. Der Vorteil liegt darin, dass die weichen Stretchmaterialien noch schonender gereinigt werden.
Einige Hersteller von Pflegeprodukten findet ihr hier:
www.nikwax.de
www.toko.ch
www.mckinley.de
www.grangers.co.uk
Wenn ihr noch weitere Tipps oder andere Erfahrungen habt, bin ich auf euer Feedback gespannt ... andernfalls schon jetzt viel Erfolg beim Waschen ;).
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