Saisonrückblick der deutschen 7er Rugby-Nationalmannschaft

Lang lang ist es her, seit ich euch das letzte Mal von den Vorbereitungen der deutschen 7er Rugby-Nationalmannschaft auf die Grand Prix Series, der aus 4 Turnieren bestehenden EM im 7er Rugby, berichtet habe. In den letzten Monaten ist vieles passiert – doch nicht nur auf dem Platz, auch für unsere Zukunft wurden wichtige Weichen gestellt. Mit etwas Glück werdet ihr uns vielleicht sogar schon nächstes Jahr im Münchner Olympiastadion bei einem Turnier der World Series sehen! Doch dazu später mehr.
Die ersten Turniere in Lyon und Moskau
Zwei Jahre ist es nun her, dass wir im Bundesstützpunkt in Heidelberg mit täglichen Trainings begonnen haben. Und trotz der vielen Schwierigkeiten, wie z.B. Studium/Beruf und Training miteinander zu vereinbaren, sind wir mittlerweile eine Gruppe von 20 Nationalspielern, die es täglich schaffen, morgens um 7.45 Uhr auf dem Platz zu stehen und zu trainieren. Die intensive Vorbereitung trug bei unseren Vorbereitungsturnieren in Amsterdam, Nancy und Tours erste Früchte – das stark besetzte Turnier in Tours konnten wir sogar gewinnen und so die Rugby-Welt des ein oder anderen Franzosen völlig auf den Kopf stellen.


Umso größer war dann die Enttäuschung nach dem ersten EM-Turnier in Lyon. Mit Platz 8 erreichten wir zwar unser vorher gesetztes Ziel – doch wir spielten einfach weit unter unserem Potential und hätten bei diesem Turnier auch durchaus unter den Top 4 landen können. Aber hätte hätte Fahrradkette... Unsere Leistungen im folgenden Turnier in Moskau waren dann bereits etwa besser – doch unsere eigene Dummheit kostete uns den Einzug ins Viertelfinale. Wenn wir den Ball ins Aus kicken, ist das Spiel vorbei und wir sind sicher weiter - so verloren wir jedoch im letzten Angriff den Ball und kassierten noch einen Gegenversuch, was uns letztendlich (trotz des Sieges) aufgrund der schlechteren Punktedifferenz den Einzug in die Top 8 kostete und wir so nur 11. wurden.


Zwischenfazit: Akku leer
Nach zwei Turnieren fanden wir uns also auf dem Boden der Tatsachen wieder. Die Leistungsdichte der europäischen Nationen ist noch einmal höher geworden und es zählte wirklich jeder Punkt, welcher am Ende den Unterschied zwischen einem Top 4 Ergebnis und dem vorletzten Platz ausmachen konnte. Vielen von uns machte aber auch die lange Saison zu schaffen – im Mai und Juni ging es Schlag auf Schlag. WM-Qualifikation gegen Russland  (bei der unser Traum von der WM-Quali in den letzten 5 Minuten platzte), dann direkt nach Frankreich für zwei Turniere, dann eine Woche in Deutschland, währenddessen wir „so zwischendurch mal“ das Bundesligafinale spielten und dann direkt weiter nach Moskau. Dazu noch Arbeit oder Studium. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es im Körper und vor allem im Kopf dann einfach mal Tukk machte – das hat man uns dann auch auf dem Platz angesehen.


Starke 2. Saisonhälfte
Viel Zeit zur Erholung blieb aber nicht - nach einer 2-wöchigen Pause ging es für uns schon weiter mit der Vorbereitung auf die letzten EM-Turniere in Manchester und Bukarest. Wir arbeiteten gezielt an unseren Schwächen und auch die Trainingsplanung wurde stark umgestellt. Wir fühlten uns nun alle viel frischer und spritziger. Dies zeigte sich dann auch bei unserem einzigen Vorbereitungsturnier in England, bei dem wir erst im Finale nach Verlängerung gestoppt wurden. Für mich endete danach leider aber auch schon die 2. Saisonhälfte – im Trainingslager vor Manchester zog ich mir eine Oberschenkelzerrung zu und war von nun an zum Zuschauen verdammt. :(


Beim 3. EM-Turnier in Manchester lief es für uns endlich besser. Mit dem Sieg gegen Rekordeuropameister Portugal konnten wir live auf Skysports ganz England zeigen, dass auch „se Germans“ Rugby spielen können! Platz 8 sprang am Ende für uns heraus und nur eine Lastminute Niederlage gegen Ex-Weltmeister Wales verhinderte eine bessere Platzierung, die sich bereits eine Woche später einstellen sollte.
Nach Siegen gegen Schottland und den amtierenden Vize-Weltmeister England belegten wir in Bukarest sogar den 7. Platz – die beste Platzierung aller Zeiten! Selbst gegen den neuen Europameister Frankreich verloren wir erst in der letzten Aktion, was unseren Eindruck abermals bestätigte: Wenn wir unsere Leistung abrufen, können wir an einem guten Tag in Europa mittlerweile auch die Topnationen schlagen!
Bis wir das regelmäßig schaffen können, liegt jedoch noch ein langer Weg und viel Training vor uns. Nach einer Topleistung folgt noch zu oft ein schwaches Spiel, weshalb wir dieses Jahr „nur“ auf dem 10. Gesamtplatz landeten, obwohl wir uns drei Mal in den Top 8 platzierten. Die anderen Teams waren einfach konstanter und schafften auch mal den Sprung ins Halbfinale.


Die Weltelite schon 2015 in München?
Die vielen guten Leistungen haben mittlerweile weltweit aufhorchen lassen. Neben Einladungen zu Spitzenturnieren in London, Nairobi, Las Vegas oder auch Dubai, plant der Deutsche Rugby-Verband für nächstes Jahr den ganz großen Coup. Erhalten wir den Zuschlag für die Ausrichtung eines World Series Turnieres im Münchner Olympiastadion, werden wir als Gastgeber eventuell schon im nächsten Jahr vor 50.000 Zuschauern gegen die Besten der Welt antreten - mit insgesamt 930 Mio TV-Zuschauern in 145 Ländern ist die World Series sicherlich auch kein unattraktives Event für zukünftige Sponsoren!
Seien wir gespannt, ich halte euch hier natürlich up to date! Auf was für Gegner wir dann treffen würden, könnt ihr euch in folgendem Video aber bereits schon mal anschauen:
Bis bald,
euer Steffen
Bilder: Jürgen Kessler

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