Reiner Taglinger: Bergsport erleben, Leidenschaft teilen

Bergführer zu sein ist für mich nicht nur ein Beruf, sondern eine Leidenschaft. Herzblut einzubringen und beständig am alpinistischen Können zu arbeiten, sind für mich die wichtigsten Voraussetzungen, um mir und anderen faszinierende Erlebnisse beim Bergsport und bleibende Erinnerungen an Touren im Gebirge bereiten zu können. Beides mache ich, seit ich als Dreijähriger von meinen Eltern in die Berge mitgenommen wurde und meine Begeisterung für alles Alpine geweckt war. 1992 wurde ich staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, und seither bin ich meiner Leidenschaft für den Bergsport auf der ganzen Welt nachgegangen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten stand ich über 70 Mal auf dem Gipfel eines Fünftausenders; mehrmals konnte ich einen Siebentausender bezwingen, und zweimal habe ich die Spitze eines Berges erklommen, der die magische Grenze von 8000 Metern durchstößt. Meine Auslandsreisen, Expeditionen, Trekkings und Skireisen haben mich auf fünf Kontinente geführt – vom Mount McKinley in Alaska über den Pik Lenin im zentralasiatischen Pamir-Gebirge, vom Aconcagua in den argentinischen Anden zum Manaslu in Nepal, einem der vierzehn Achttausender.
 
 
Der Sinn des Bergsteigens
 
Trotz dieser beeindruckenden Liste bergsportlicher Höhepunkte macht sich mein Verständnis einer erfolgreichen Bergtour nicht daran fest, ob man ein Gipfelfoto mit nach Hause bringen kann oder wie viele Höhenmeter man bewältigt hat. Der Sinn des Bergsteigens besteht für mich im Erlebnis einer Tour und darin, den Herausforderungen zu begegnen, die jeder Berg und jede Route auf ihre ganz eigene Weise an den Bergsportler stellt. Kein Wunder also, dass ich auf die Frage nach einer Expedition, die einen besonders bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen hat, die Tour an einem Berg nennen kann, dessen Gipfel ich nicht erreicht habe: Im Jahr 2007 nahm ich den 7.550 Meter hohen Kula Kangri im Grenzgebiet zwischen Tibet und Bhutan in Angriff, der erst 20 Jahre zuvor überhaupt erstmalig bestiegen worden war. Dass die Expedition vor dem Gipfel wegen Lawinengefahr umkehren musste, schmälerte meine Begeisterung für die Tour keineswegs. Die Einsamkeit und das Bewusstsein, sich als einer der ersten Menschen in dem Gebiet zu bewegen, machten den Aufstieg am Kula Kangri für mich zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.
 
 
Erfahrungen weitergeben, um neue Erlebnisse zu ermöglichen
 
Die Erfahrungen, die ich bei meinen Expeditionen gesammelt habe, gebe ich seit 20 Jahren als Bergführer in mehrfacher Weise an andere Bergsportbegeisterte weiter: So war ich einer der Ideengeber für die Gründung der Mammut Alpine School, in die ich meine eigene Bergschule 2008 überführt habe. Als Product- and Qualitymanager leite ich heute die Mammut Alpine School und bin für die Planung der Touren und Sicherheitsfragen zuständig, auch wenn ich es mir nicht nehmen lasse, nach wie vor selbst als Bergführer an Expeditionen teilzunehmen. Bereits vor über 15 Jahren hat man mich außerdem in das Bundeslehrteam des Verbandes Deutscher Berg- und Skiführer berufen. Seit 2011 sorge ich nun als Ausbildungsreferent des Verbandes auch hier dafür, dass Bergsportbegeisterte unter der Anleitung hochqualifizierter Führer bleibende und faszinierende Erfahrungen sammeln können. So gebe ich nicht nur mein Können, sondern auch meine Leidenschaft für die Berge weiter!
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