Red Bull 26 Zoll – Abenteuer im mittleren Rheintal Teil II

Am Freitag wurde es ernst: Auto gepackt und auf nach St.Goar am Rhein zum Red Bull 26 Zoll! Die Burg Rheinfels liegt, genau so, wie man sich das so vorstellt, oberhalb des Ortes und bietet einen wunderschönen Blick auf das Weltkulturerbe "mittleres Rheintal". Die Zollstationen wurden am Freitagabend noch veröffentlicht; also saß ich nach dem Essen am Laptop und schrieb mir ein paar Punkte heraus. Dann aber schnell schlafen!
Am Samstag früh erwartete mich die Gastgeberin meiner Pension mit einem riesigen Frühstück; leider war ich zu aufgeregt, als dass ich wirklich viel hätte essen können. Stattdessen machte ich mich bald auf, wiederum zur Rheinfels zum „Riders' Briefing“. Wir bekamen unter anderem eine Einführung in die Bedienung der GPS-Geräte.
Ab zum Start und die eigene Route wählen
Kurz darauf auch schon der Start: Im Kern der Burganlage wurde gestartet, die Fanfare ertönte und sehr langsam fuhren wir über die glitschigen Steine hin zum ersten Trail, weiter über steile Treppen, die man hätte fahren können, wenn nicht so viele andere bereits abgestiegen wären. Also absteigen und tragen! Im Tal angekommen, wählte jeder seine bevorzugte Richtung. Ich selbst hatte mich für die Südvariante entschieden und jagte bei mächtigem Gegenwind rheinaufwärts nach Oberwesel. Unterwegs war ich anfangs auf mich allein gestellt, denn die einen waren mir zu langsam, die anderen hatten sich nach Norden gewandt, wiederum andere waren längst über alle Berge.


Irgendwann fand ich zwei Fahrer und wir wechselten uns im Wind ab. Doch recht rasch schon war einer von ihnen nicht mehr in der Lage, das Tempo zu halten. Der Zweite sprang aus gesundheitlichen Gründen ein Stück weiter ab. Das war sehr schade, denn mit ihm hatte ich gut zusammen gearbeitet. Derweil hatte sich jedoch ein weiterer Fahrer unserer Gruppe angeschlossen und wiederum einem Dritten fuhren wir kurz darauf auf. Ich musste von Beginn an viel und lange führen, was nur zu dritt bei über 30 km/h und Gegenwind auf dem Mountainbike recht schnell mühsam wird! Leider hatten die anderen noch keine Erfahrung im Fahren in der Gruppe, taten aber ihr Bestes und besonders kurz vor Bingen war ich für ihre Unterstützung sehr dankbar.
Ich hatte die Zollstationen ziemlich gut im Kopf, die Vorbereitung hatte sich ausgezahlt. Zwei Mal gab's unnötige Tragepassagen, die man online nicht vorhersehen konnte. Da wären wir besser außen herum gefahren statt mühsam steilste Treppen zu nehmen. Treppen gab es ohnehin genug, enge und sehr steile Treppen mit glitschigen grob gehauenen Stufen: Wir mussten ja immer wieder vom Rheintal aus hoch zu Burgen, die am Steilhang klebten und selbstverständlich auch wieder hinab.
Nach der Fährfahrt von Bingen nach Rüdesheim aber hatten wir immerhin keinen Gegenwind mehr und es ging zumindest theoretisch Rheinabwärts. Die meisten Höhenmeter kamen aber noch: Die Burg Ehrenfels, Burg Katz und Burg Maus (ja, die gibt’s wirklich!) waren unter anderem zu erklimmen.
Die Münzen an den Zollstationen sammeln

An jeder Zollstation mussten wir unseren Transponder zücken; außerdem sammelten wir jeweils eine Münze, wählten im GPS den aus unserer Sicht geschicktesten nächsten Punkt aus und fuhren weiter. Überall gab es zudem die Möglichkeit, unsere Getränkevorräte aufzustocken. An ausgewählten Verpflegungsstellen wurden uns auch Gels und Riegel gereicht.
Je weiter wir kamen, desto härter wurde die Geschichte: Wir fuhren keine Trails und waren fast nur auf der Straße, gelegentlich auf Schotter unterwegs, entweder völlig eben oder aber extrem steil. Die Steilpassagen wiederum waren häufig nicht oder nur teilweise fahrbar; die Stufen wiederum für mich sehr hoch (über Kniehöhe) und so schmal, dass ich mein Rad gelegentlich nicht quer tragen konnte. Immer längere Passagen musste ich von vorn fahren, um das Tempo hoch zu halten, weil meine Mitstreiter immer erschöpfter wurden. Insbesondere der eine fiel immer häufiger zurück und wir mussten die Geschwindigkeit zunehmend herunterfahren und nach der zweiten Fährfahrt zurück zum Westufer noch einmal reduzieren, um ihn nicht zurück zu lassen.
Gegen Ende half tatsächlich die eine oder andere Dose Redbull (1 : 1 mit Wasser gemischt), das Energieniveau halbwegs auf der Höhe zu halten. Flügel hat es uns leider aber keine verliehen, die hätten wir gut brauchen können!
Am Ende die Burg erklimmen
Schließlich kamen wir tatsächlich zurück zur Burg Rheinfels und hatten alle 26 Münzen im Beutel. Am Berg hoch zur Burg wollten meine Beine einfach nicht mehr. Ein bisschen schade war, dass meine beiden Mitfahrer, für die ich soviel Energie eingesetzt hatte, mir auf den letzten Metern zur Burg noch davon fuhren. Also ging es allein quer durch das Gemäuer, zurück zum höchsten Turm, auf dem ganz oben das Ziel lag: Ein letztes Mal schulterte ich mein Rad und trug es mit brennenden Beinen und eher unsicheren Schritts hinauf.
Geschafft! 110 km und 1200 hm in den Beinen! Die vielen Kilometer auf breiten Reifen waren es, die uns im Vorfeld Respekt eingeflößt, während die zurückzulegenden Höhenmeter wenig beeindruckend geklungen hatten. Da man sie aber in nicht unerheblichen Teilen zu Fuß zurück gelegt hatte, sah die Praxis doch ganz anders aus: Das war der schmerzhafteste Part gewesen! Mein Ziel, innerhalb der maximalen 7 Stunden Fahrtzeit ins Ziel zu kommen und alle 26 Zollstellen angefahren zu haben, habe ich bei weitem erreicht. Vor mir war die einzige weitere Frau ins Ziel gekommen.


Fazit: Ein sehr ungewöhnliches Rennen mit einem ganz eigenen Charakter. Der Faktor Navigation und die geniale Landschaft bringen mehr als nur Farbe ins Spiel. Von daher: Nächstes Jahr bitte wieder! 
Fotos: alle Fotos © Red Bull Media House

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