Polarlichter über den Lofoten

…waren schon lange ein Traum, den wir uns im Februar 2011 erfüllten. In einer Zeit in der nur selten Touristen den Weg hierher finden und die Lofoten-Bewohner unter sich sind.
Bislang scheiterte eine Reise aber immer am langen Weg dorthin, galt es doch 18 Breitengrade und rund 3.500 Kilometer zu überbrücken und das bei winterlichen Straßen. Ein Land Rover Defender, nicht mehr der Jüngste aber doch ganz gut beisammen sollte unser Transportmittel sein. Ein halbes Jahr Planung für unsere aus drei Personen und zwei Hunden bestehende Reisegruppe verging wie im Flug und so machten wir uns Ende Januar auf den Weg zu unserer MISSION 68° NORTH.
 
Aus der Pfalz geht es zunächst los Richtung Travemünde. Von da bringt uns die Fähre in „nur“ 27 Stunden nach Helsinki und unser Abenteuer beginnt. Im Gepäck, und somit auf unserem Dach in Transportkisten verstaut, befinden sich Schneeschuhe, Snowboards und Bergschuhe, im Fahrzeug meine Frau Karen, unser guter Freund Andreas, unser norwegischer Lundehund Beite, unsere lappländische Rentierhündin Sága und natürlich die Film- und Fotoausrüstung.
Wir wählen den direktesten Weg über Lahti, Jyväskylä, Oulu und weiter nach Schweden Richtung Kiruna. Über völlig vereiste Straßen und schneeglatte Fjells kommen wir nach 26 Stunden Fahrt auf die Inseln unserer Träume. Groß ist die Endtäuschung als es gegen 10:00 Uhr hell wird. Kaum noch Schnee, Eis auf der Straße und leichter Regen bei 3°C. Der Golfstrom zeigt hier deutlich seinen Einfluss.
Wir fahren weiter Richtung Süd-Lofoten, wo wir in einem Haus am Strand für die nächsten zwei Wochen unser „Basislager“ haben werden. Das Wetter zeigt uns fast die ganze erste Woche seine unschöne Seite. Das Thermometer pendelt immer um den Gefrierpunkt. Mal schneit es, dann fällt wieder Regen. Als sich aber zum ersten Mal die Sonne zeigt, hält uns nichts mehr. Ab ins Auto, zum ersten geplanten Berg, Schneeschuhe an und los geht es. Schließlich haben wir nur zwischen 10:00 und 14:00 Uhr Zeit für unsere Tour, dann wird es wieder dunkel. Und da wollen wir wieder im Haus sein, um von da aus ein anderes Highlight zu erleben für das wir ein paar Wolkenlücken am nächtlichen Himmel benötigen.
 
Wir treffen uns mit einer Familie aus Deutschland, inklusive einer Fotografin, die mir anbot, mich in die Technik der Polarlicht-Fotografie einzuweisen. Etwas ungläubig beobachtete ich, wie sie immer wieder ihre Kamera gen Himmel hält und abdrückt – ich sehe nichts. „Man sieht das Nordlicht auf dem Display der Kamera bevor man es mit bloßem Auge erblickt“ erklärt mir Gabi. Plötzlich wird sie unruhig und zeigt mir einen grünlichen Schimmer auf dem kleinen Monitor ihrer Kamera.
Wir steigen ins Auto und fahren nach Utakleiv, einem benachbarten Strand der freien Blick gen Norden zulässt. Auch hier erkenne ich nur ein paar Sterne zwischen den Wolken und sonst nichts. „Abwarten!“ sagt Gabi und bringt ihr Stativ in Stellung. Und tatsächlich! da tut sich was. Aurora borealis wie es richtig heißt, beginnt sich zu entwickeln. Mit einigen Einstellungen zeigt uns die Kamera viel mehr als man mit bloßem Auge sieht.
 
Der nächste Tag bringt schon früh einen zarten orangefarbenen Schimmer auf die Bergspitzen um unser Haus. Wir brechen früher auf und planen den nicht sehr hohen aber doch sehr exponierten Verberget zu besteigen. Eine Besonderheit der Lofoten sind deren Berge, die im Prinzip direkt im Meer beginnen. Die meisten sind zwischen 300 und 800 Meter hoch. Manche überragen auch die 1.000 Meter. Kurz nach 14:00 Uhr geht die Sonne schon wieder unter und wir spüren wie die Luft sofort eisig wird, sodass es uns zur Hütte mit dem wärmenden Holzofen treibt.
 
An diesem Abend erwartet uns ein ungeheuer starkes Nordlicht, das sich über drei Stunden in allen Farben, Formen und Bewegungen über dem ganzen Himmel erstreckt. Trotz großer Kälte und immer stärker werdendem Sturm harren wir nach unserer Wanderung am Strand von Utakleiv aus und sind schwer beeindruckt. Man fühlt sich sehr klein, wenn von dieser Erscheinung die Inseln in ein grünes Licht getaucht werden.
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