Oktobersonne und Traumgranit: Tipps für Klettern am Salbit


Was kann es Besseres geben als im goldenen Oktober noch einmal den gleichfarbigen Granit der Alpen unter den Sohlen zu haben und mit der fantastischen Reibung des Urgesteins sich im herbstlichen Licht über wild gezackte Grate dem Gipfel entgegenzuschwingen? Nichts natürlich! Wenn also demnächst der Wetterbericht endlich einmal wieder ein stabiles Hochdruckgebiet ankündigt, nichts wie los und die letzte Gelegenheit genutzt! Erst recht, wenn dieses Jahr doch durch die dauerhaft unstabile Wetterlage bei vielen nicht den gewünschten Erfolg in der Tourenliste zugelassen hat. Wie wäre es deshalb mit einem Saisonabschluss am Salbit?

Salbit - Ein Traumgebiet für alle Kletterer

Kennt ihr nicht? Dann stelle ich euch dieses tolle Gebiet mal vor, denn hier ist wirklich für jeden was zu finden! Das Gebiet ist vor allem bekannt für seine steilen Grate, bietet aber genauso tolle Platten- und Wandrouten. Je nach Routenwahl enthalten diese mal mehr oder weniger Bohrhaken und reichen von anfängergerechten 3-4 Seillängen bis zu großen Felsfahrten mit über 30 Seillängen. Die Rede ist vom Salbitschijen, oder kurz Salbit, im „Kletterkanton“ Uri.



So kommt ihr hin

Kurz vor dem Gotthardtunnel in der Schweiz geht es dafür bei Göschenen ab in ein kleines Seitental und nach recht steilen 900 Höhenmetern Zustieg kommt man auf der Salbithütte an. Diese äußerst gemütliche und liebevoll geführte Hütte liegt umrundet von zahllosen Wänden in malerischen Wiesen über einem kleinen See. Schon von der Hüttenterrasse hat man die beeindruckenden Grate und Wände des Salbitschijen im Blick und kann sich bei einem leckeren selbstgebackenen Kuchen mental auf den nächsten Tag vorbereiten.



Der Westgrat: Ein Extremklassiker
Zu tun gibt es hier oben genug! Die bekannteste Tour am Salbitschijen ist wohl der Westgrat. Diese Tour, mit 32 Seillängen und Kletterschwierigkeiten von klassisch VII und A1 (frei ein ganz schön glatter VIIIer), hat es nicht nur in Walter Pauses „In extremem Fels“ geschafft, sondern ist auch weit über den Alpenraum hinaus Ziel vieler Klettererträume. Der wilde Grat, auf dem fünf Türme überklettert werden müssen, ist gespickt mit klassischen Kletterstellen wie dem Holzkeilriss, dem Pendelquergang oder der mittlerweile entschärften Hakenleiter. Die Absicherung variiert dabei in jeder Seillänge. Zwar sind die Stände immer gebohrt, aber in den Seillängen selbst muss des öfteren etwas gelegt werden. Manche Seillängen sind sogar komplett clean und erfordern zeitweise sowohl von Vor- als auch Nachsteiger solides Klettern im 6. Grad auch weit über oder eben neben der Sicherung.
Der Südgrat: Einer der schönsten Granitgrate der Alpen
Wem dieses Unternehmen zu anspruchsvoll ist, der kann sich alternativ an den kleinen Bruder wenden: den Südgrat. Nicht weniger schön aber dafür in der Schwierigkeit und Länge deutlich genussreicher zu klettern gilt der Südgrat als eine der besten Granitgratklettereien der Alpen.


Bei 18 Seillängen und Schwierigkeiten bis zum VI. Grad (zwingend zu klettern sind Stellen bis V) sollte dieses Unternehmen allerdings trotzdem nicht unterschätzt werden. Dafür klettert man in fast immer bestem Fels über die Zacken und Türme des Grates, klinkt in den schweren Stellen so einiges an alten Schlaghaken und an den Ständen die gut sanierten Standbohrhaken. Am Ende werden die Mühen mit der Besteigung der ausgesetzten Gipfelnadel belohnt, ein Muss für jeden Salbitkletterer! Wer vor der Gipfelwand übrigens noch Kraft übrig hat, kann in die „Direkte Gipfelwand“ hinausqueren und die Kletterroute mit einer tollen Abschlusswand abrunden.

 
Weitere Ziele in der Umgebung
Neben diesen zwei großen Klassikern gibt es natürlich viele weitere Touren in der Umgebung. Neben den verschiedenen Ostgratvarianten und der recht neuen Kreation „Salbitissima“ an den Südgrattürmen empfiehlt sich auch ein Blick in die Gemsplanggen, in denen tolle Routen wie die Incredibile oder der Khumbu-Express auf Wiederholer warten. Für starke Finger lohnt sich der weitere Zustieg zu den Westgrattürmen, denn am zweiten Turm sind geniale Routen wie die „Via Hammerbruch“ oder die „GKG“ zu finden. Für diese sollte man allerdings eine solide VII klettern können.
 
Falls das Wetter sich jedoch ein wenig genieren sollte, ist allein schon die Wanderung über die Salbit-Hängebrücke zum Westgrat, der wildesten Seite des Salbit, einen Abstecher wert.


Steckbrief:
Gebiet: Salbit, Salbitschijen (2981m)

Talort: Göschenen

Anfahrt: Auf der Autobahn immer in Richtung Gotthardtunnel. Kurz vor dem Tunneleingang Richtung Göschenen abbiegen und der Beschilderung Göscheneralp folgen. Nach ca. 2,5 km kommt direkt nach einem Weiderost ein Parkplatz (Ulmi 1195m). Dort, oder auf dem neuen Parkplatz ein Stück weiter parken.

Zustieg: Vom Parkplatz taleinwärts gesehen rechts hoch und über den Regliberg zur Salbithütte (Schilder, 2-2,5h, 900hm).

Ausgangspunkt Berg: Salbithütte (2105m)

Führer: Salbit erleben! Liegt auch auf der Hütte aus oder kann dort gekauft werden

Geheimtipp: Wenn ihr einen Tourentipp braucht oder Fragen zu einer Route habt, fragt einfach den Hüttenwirt Hans Berger. Er kennt sein Gebiet wie seine Westentasche und hat unter anderem den Westgrat bereits über 50 Mal geklettert! Er steht auch gern als Führer zur Verfügung.

Wer eine der Grattouren angehen möchte, präge sich auf jeden Fall die verschiedenen Fluchtmöglichkeiten ein! Am Westgrat ist in jeder Scharte eine Flucht möglich und am 2. Turm ist das Abseilen über eine Tour in der Wand gut machbar. Allerdings muss im oberen Teil bei einer Flucht zum Südgrat gequert werden!. Am Südgrat kann im unteren Teil über die Takala abgeseilt werden, im oberen Teil bieten sich die Routen der Südgrattürme an.
 

Lukas Frey
Lukas Frey
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