Mountainbiken in Chamonix

Schneebedeckte Gipfel, Gletscher, die fast bis ins Tal reichen, 4000 m Höhenunterschied zwischen Gipfel und Tal und überall Bergsteiger. Aber auch: Liftstationen auf jedem Berg, Touristen, die einmal im Leben Höhenluft schnuppern wollen, aberwitzige Preise – und: 2 Mountainbiker. Wo? In Chamonix, am Fuße des Mont Blanc.
In 5 Tagen wollen Johannes und ich sehen, wie nah man dem höchsten Berg der Alpen mit dem Rad kommen kann und herausfinden, wo die Grenze zwischen Bike-Alpinismus und echtem Bergsteigen liegt.
Unser Roadtrip beginnt früh: um 9 Uhr morgens wollen wir in Chamonix sein. Von Garmisch aus bedeutet das gute 7 Stunden Autofahrt und eine kurze Nacht. Trotz einschläfernden 120 km/h auf der Schweizer Autobahn kommen wir pünktlich in Argentière, einem Bergsteigerdorf auf der östlichen Seite von Chamonix, an. Jetzt schnell bei der Pension einchecken, Räder fertigmachen und los geht’s! An der Talstation der Grands Montets Seilbahn treffen wir Hape, der hier jeden Trail in- und auswendig kennt. Für heute hat er uns gemütliche 4000 Tiefenmeter versprochen, bergauf nutzen wir die Gondeln.
Unglaublich beeindruckende Gletscher

Oben angekommen, machen wir erst einen kurzen Abstecher zum Glacier Argentière. Als wir oberhalb der Eiswände ankommen, trauen wir unseren Augen kaum: Die Eiswände sind gut und gerne 100 Meter hoch, hin und wieder lösen sich einzelne Blöcke und donnern in die Tiefe und die Spalten könnten problemlos ein Haus verschlucken. Unglaublich beeindruckend, absolut kein Vergleich mit den Gletscherchen in den bayerischen Alpen. Die Höhe der Seitenmoränen lässt erahnen, wie riesig dieser Gletscher einmal gewesen sein muss.


Aber zurück zum Trail, der uns nach Chamonix führt: unterwegs treffen wir in regelmäßigen Abständen auf gut gelaunte Wanderer, die von unserer Fahrerei durchaus begeistert sind und uns anfeuern. Zuhause haben wir das auch schon anders erlebt... Von Chamonix aus nehmen wir die Gondel nach Flégère und queren hinüber nach Le Tour. Vor einigen Jahren hat hier eine riesige Lawine das halbe Dorf unter sich begraben, auch jetzt noch erkennbar an einem breiten, unbebauten Streifen. Wieder laden wir die Räder in den Lift und freuen uns über den bequemen Aufstieg. Trotzdem lässt unsere Konzentration inzwischen spürbar nach und wir gehen die restlichen Abfahrten eher ruhig an.

Steile Herausforderungen
Für den nächsten Tag haben wir uns den Lac Blanc vorgenommen, einen wunderschönen Bergsee mit Blick auf das gesamte Mont Blanc-Massiv. Was wir nicht bedacht haben: der See ist nur knapp 2 Stunden von der nächsten Gondel entfernt, das Wetter ist ein Traum und es ist Sonntag. Ergebnis: ein Foto ohne Wanderer im Bild ist unmöglich, auch bei der Abfahrt bleiben wir regelmäßig stehen, um Wanderern den Vortritt zu lassen. An einer sensationell steilen Felsplatte halten wir an und überlegen, ob man hier fahren kann.
Für Fußgänger wurde mit Holzbalken eine Art Treppe errichtet, eventuell kann man daneben runterfahren? Wir gehen auf Nummer sicher, räumen alle größeren Steine aus der Ausfahrt, rollen an und... kein Problem! Ganz im Gegenteil, die Reifen bieten unglaublichen Halt auf der rauen Felsoberfläche und wir machen uns auf die Suche nach noch steileren Herausforderungen.
Ein wahrer Genuss

Während der nächsten Tage treiben wir uns weiter unterhalb der steilen Felswände der Aiguille du Midi herum. Eine Querung vom Grand Hotel de Montenvers zur Aiguille du Midi-Mittelstation scheitert leider an unserer völligen Fehleinschätzung der Dimensionen. Dumm gelaufen, aber am nächsten Tag geht es noch einmal hoch hinauf: zum Glacier des Bossons, der von der Nordflanke des Mont Blanc bis auf ca. 1.400 Meter hinabfließt. Noch einmal schnuppern wir Höhenluft und genießen den Ausblick auf die nahen Berge – es gibt noch viel zu tun!


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