Mit dem Rennrad am Gardasee


„Seid ihr verrückt?! - Was wollt ihr denn ohne Mountainbikes am Gardasee?“, wurde ich entrüstet gefragt. Dass das felsige, meist sehr steile und technisch anspruchsvolle Terrain rund um den See ein Eldorado für die Vertreter der Offroad-Fraktion darstellt, ist kein Geheimnis. Aber nicht umsonst sind uns rund um den See gleich mehrere Profiteams beim Training begegnet, liegen nicht wenige legendäre Pässe ebenfalls in der unmittelbaren Umgebung. Der Gardasee ist nämlich mit Sicherheit auch ein wunderbares Reiseziel für Rennradbegeisterte.

Wo wohne ich am besten?

Der Norden:

Im Norden rund um die quirlige Stadt Riva gibt es auch in der Nebensaison geöffnete Restaurants, Bars und Cafés, viele Sport- und Radfachgeschäfte, große Supermärkte und natürlich Unterkünfte. Wer flach fahren möchte, kann über Torbole die Obsthaine im Norden oder das Etschtal im Osten erreichen. Auch knackige Anstiege sind kein Problem. In Richtung Süden muss man allerdings immer den See entlang.

Der Westen:

Der Westen gilt als für Radfahrer wenig geeignet: Nicht enden wollende Tunnel, die man entweder jedes Mal nach Norden oder Süden durchfahren muss oder aber eine der wenigen extrem steilen Aufstiege gen Westen wählen. Die Infrastruktur ist außerdem sehr begrenzt.


Der Osten:

Der Osten des Gardasees ist eher ruhiger. Am Ufer liegen Hotels; im Hinterland zwischen Olivenhainen hatten beispielsweise auch wir inmitten uralter Häuschen eine hübsche Ferienwohnung mit Blick auf den See gemietet. Man radelt jeweils ein ganzes Stück den See entlang, bevor man die hügeligen Weinberge in Richtung Verona, die Poebene im Süden beziehungsweise auf dem einen oder anderen Weg das Etschtal sowie die Berge hinter Arco und Rovereto erreichen kann. Es gibt jedoch nur wenige Tunnel kurz vor Torbole im Norden.


Der Süden:

Der Süden ist selbst in der Nebensaison sehr touristisch, die Preise hoch: Campingplätze, Hotels und Feriensiedlungen. Günstig ist die Lage jedoch für Rennradler, die lieber flach bzw. hügelig fahren möchten. Alternativ kann man eine Unterkunft etwas mehr im Hinterland wählen, wo einige hübsche Fleckchen zu finden sind.

Was muss man beachten?

Der Wind:

Morgens herrscht am Seeufer fast immer mittlerer bis (teilweise sehr) starker Nordwind. Der ist übrigens dafür verantwortlich, dass sich beispielsweise in Riva neben Mountainbikern auch massenweise Wind- und Kite-Surfer tummeln. Ab dem Nachmittag kann dieser Wind auch plötzlich drehen, so dass man immer damit rechnen muss, unter Umständen sowohl auf dem Hin- als auch dem Rückweg starken Gegenwind zu haben. Ein Bonus dagegen, wenn man ihn im Rücken hat: Dann kann man auch nach einer langen und harten Tour durch die Berge die Beine hochnehmen und kommt dennoch mühelos vorwärts.


Die Tunnel:

In der Region gibt es viele Tunnel, die teils schlecht ausgebaut, gelegentlich sehr dunkel und manchmal auch enorm lang sind. Darum ist es nützlich, auch tagsüber kleine Notlichter mit zu führen.


Infrastruktur

Straßen & Radwege:

Die Straßen sind meistens gut ausgebaut, es gibt viele neu asphaltierte Radwege. Beschilderung und Wegführung sind manchmal chaotisch. Die Italiener fahren rasant, rechnen aber mit Radfahrern und nehmen Rücksicht, was sie allerdings nicht von riskanten Überholmanövern abhält. Wer locker bleibt und mitdenkt, ist aber sicher unterwegs.


Einkaufen:

Am Ufer finden sich wenige, manchmal sehr teure Geschäfte mit oft nur kleiner Auswahl. Wer weiß, wann jeweils Markttag ist, kann sich auf dem Wochenmarkt versorgen. Ansonsten gibt es einen großen Supermarkt in Torbole, der eine sehr große Auswahl und auch viele ortstypische Spezialitäten anbietet. Außerdem findet sich auf dem Supermarktparkplatz eine komplette kostenlose „Bike-Service-Station“ mitsamt Montageständer, Pumpe und Werkzeug. Ein kleinerer Supermarkt befindet sich in Malcesine, weitere erst wieder auf der Höhe von Garda bzw. Lazise. Kleinere Radgeschäfte gibt es sowohl am See als auch jenseits viele; bei Bedarf kann man sich überall gut „durchfragen“.


Waschen:

Wer keinen Wäscheservice im Hotel, der Pension oder Ferienwohnung genießt, kann seine Radbekleidung sowohl im Norden von Brenzone (Lavasecco Giovanna) als auch in Riva in einen Waschsalon bringen.

Essen & Trinken:

Restaurants, Cafés und kleine Bars gibt es überall, wenn auch in der Nebensaison nicht alle geöffnet haben.


Internet:

In Riva gibt es eine Art öffentliches WLAN im Stadtgebiet. Ansonsten bieten manche Cafés, Geschäfte und Restaurants eine gratis Internetverbindung an.


Busverkehr:

Als einem unserer Mitfahrer 70 km nördlich des Sees unvermittelt der Rahmen brach, waren wir froh, herauszufinden, dass vom Nachbarort aus regelmäßig Busse nach Riva verkehren. Viele andere Orte sind ebenfalls gut angebunden; Räder werden gegen Gebühr im Gepäckraum mitgenommen. Hier hat sich auch bewährt, dass wir neben Minipumpe, Ersatzschlauch, Minitool, gut gefüllten Trinkflaschen und Riegel immer auch etwas Bargeld für den Notfall dabei haben.


Wetter:

Der März ist am Gardasee schon recht mild und großteils sonnig; die Klimadaten sind mit Südspanien oder den Balearen vergleichbar. Dennoch kann es durchaus regnen, der starke Wind und große Höhenunterschiede sorgen dafür, dass man auch an sonnigen Tagen meistens nicht ohne Arm- und Bein- oder Knielinge sowie eine gute Windjacke oder -weste unterwegs sein sollte.


Viel Spaß beim Ausprobieren,
Eure Arnhild vom Team Le-Reve! 

Newsletter