Leichtathletik-WM mit Licht und Schatten – Mein WM-Fazit


Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Moskau ist Geschichte.
An die stimmungsvollen Olympischen Spiele von London oder die Leichtathletik-WM im Berliner Olympiastadion kommt die Veranstaltung längst nicht ran, wie ich finde. Das erfolgreiche Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft lässt dafür über manches hinwegsehen und macht Mut auf dem Weg zur Europameisterschaft in Zürich im kommenden Jahr.
Die Welt schaut nach Moskau, aber die Moskauer schauen weg
Schlapper Applaus, gelangweilte Zuschauer und halbleere Ränge sorgten bei vielen von uns Athleten für Frust. Verständlich, wenn man das ganze Jahr, wenn nicht jahrelang, für diesen einen Wettkampf trainiert hat und sich ein wenig Unterstützung von der Tribüne gewünscht hätte.
Selbst „Überläufer“ und Publikumsmagnet Usain Bolt konnte daran nichts ändern. Das 100m Finale, das Highlight jeder Weltmeisterschaft, bei dem in der Regel tausende Fans im Stadion und Millionen am TV die Luft für knapp zehn Sekunden anhalten, wurde gerade einmal von 20.000 Zuschauern live im Stadion verfolgt. Schade für eine Weltmeisterschaft, die zu diesem Zeitpunkt noch sieben Wettkampftage vor sich hatte.
Gemessen an der Medaillenausbeute dominierten Usain Bolt und seine jamaikanische Landsfrau Shelly-Ann Fraser-Pryce diese WM mit jeweils drei Goldmedaillen.
Highlights durch die Europäer
Dennoch setzten die Highlights der Veranstaltung meiner Meinung nach vor allem die Europäer: Sportlich gesehen natürlich der ukrainische Hochspringer Bogdan Bondarenko, der mit 2,41m so hoch sprang wie kein Mensch zuvor bei einer WM. Und natürlich der Franzose Teddy Tamgho, der im Dreisprung mit 18,04m als erst dritter Mensch überhaupt die magische Schallmauer von 18 Metern knackte.
Die vielleicht wertvollste Leistung dieser WM hat aber eine Athletin gebracht, die am Ende ohne Medaille geblieben ist. Die schwedische WM-Fünfte im Hochsprung Emma Green-Tregaro lackierte sich die Fingernägel in Regenbogenfarben und protestierte so gegen das umstrittene Anti-Homosexuellen-Gesetz in Russland.
Wer weiß, dass Schweden als eines der liberalsten Länder der Welt gilt, der versteht den stillen Protest der Hochspringerin. Auch wenn es Athleten laut Richtlinien untersagt ist, während eines Wettkampfes werbliche oder politische Aussagen zu machen, wünsche ich mir mehr Sportler, die ihre Meinung zum Ausdruck bringen!
Mit Beharrlichkeit und Mut zur Medaille
Nicht vergessen möchte ich die deutschen Athleten. Hinter jedem Einzelnen steht eine ganz eigene, persönliche Geschichte. So wie die von Zehnkämpfer Michael Schrader. Vier Jahre lang hatte er aufgrund diverser Verletzungen keinen Zehnkampf mehr beendet und dennoch immer an sich geglaubt und nie aufgegeben. In Moskau wurde er dafür mit der Silbermedaille im Zehnkampf belohnt. Oder Christina Obergföll, die sich nach vielen zweiten Plätzen bei großen Meisterschaften endlich ihren Traum erfüllen konnte und Gold im Speerwurf gewann.
Gerade die Geschichten hinter den Menschen machen ihre Erfolge noch wertvoller und zeigen, dass sich Beharrlichkeit und der Glaube an die eigene Leistungsfähigkeit am Ende auszahlen kann. Mit meiner eigenen Leistung bin ich zufrieden, wenn auch nicht vollständig. Klar, wenn am Ende fünf Zentimeter zur Bronzemedaille fehlen, ist dies schon ärgerlich. Fünf mickrige Zentimeter. Wer es nachmessen möchte: Das aktuelle iPhone misst in der Breite laut Herstellerangaben 5,8 Zentimeter. Das ist wirklich nicht viel und der Traum einer Medaille war zum Greifen nah.
Dennoch, das Weitsprungfinale war hochklassig. Nie zuvor wurde man mit 8,22m „nur“ Sechster. Ich habe einen starken Wettkampf gezeigt und bin viermal über die 8m-Marke geflogen. Am Ende hat mir vielleicht ein wenig Glück gefehlt.
Dies war meine dritte Weltmeisterschaft. Dreimal habe ich es ins Finale geschafft. Nach Platz neun in Osaka 2007 und Platz sieben in Daegu 2011, habe ich mich nun wieder verbessert. Das beste WM-Ergebnis macht Mut und wer weiß, vielleicht zahlt sich Beharrlichkeit und der Glaube an die eigene Leistungsfähigkeit am Ende aus.
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