Lavasand und Regenwald: Saisonauftakt in La Palma

Ganz ehrlich: Sobald der Winter seine Vorboten schickt, der erste Schnee die Trails unter sich begräbt und die Weihnachtsmarktsaison beginnt, bin ich eigentlich ganz froh, das Rad in die Ecke zu stellen und die Ski herauszuholen. Aber spätestens im Februar, wenn die Tage wieder länger und die Sonne wärmer wird, juckt es schon wieder in den Fingern! Pläne werden geschmiedet, das Rad durchgecheckt und sobald der erste Trail vom Schnee befreit ist, muss ich einfach raus!
La Palma: Top-Ziel für Mountainbiker
Leider bleiben die hohen Berge noch den Skitourengehern vorbehalten, wer auf der Suche nach langen Auf- und Abfahrten ist muss sich also zwangsläufig in den Süden absetzen. Letztes Jahr führte mich mein Saisonauftakt nach La Palma. Die Kanareninsel hat sich in den vergangenen Jahren als Top-Ziel für Mountainbiker etabliert. Kein Wunder, mit einer Länge von 42 km, einer Breite von 28 km und einer maximalen Erhebung von über 2.400 m ist die Insel eine der steilsten der Welt. Dazu gesellen sich ganzjährig angenehme Temperaturen und ein dichtes Netz aus Wanderwegen, auf denen auch Mountainbiker gern gesehene Gäste sind. Das Wegenetz ist dabei so umfangreich, dass man sich wochenlang auf den Trails herumtreiben kann, und trotzdem nur einen Bruchteil der Möglichkeiten kennenlernt.
Lavasand und Regenwald: Vielseitige Trails
Für 2 Wochen war also das urgemütliche El Porvenir in Los Llanos auf der Westseite der Insel Dreh-

und Angelpunkt meiner Ausflüge. Sigi, der Inhaber, leitet nebenbei noch eine Bikestation und bietet geführte Touren sowie Shuttleservices zu den verschiedenen Trails an. Auch wenn ich eigentlich kein Fan von Shuttles bin: wenn man am Ende einer langen Tour am Meer ankommt und merkt, dass man noch ca. 30 Kilometer und 700 Höhenmeter Rückweg vor sich hat, lohnt es sich durchaus über eine solche Mitfahrgelegenheit nachzudenken! Die Trails selbst sind äußerst vielseitig und es ist für jede Könnerstufe etwas dabei. Die Touren im Süden verlaufen dabei großteils auf flowigem Lavasand, im Osten geht es durch rutschigen Regenwald; richtig anspruchsvoll sind dann die Abfahrten vom höchsten Berg der Insel, dem Roque de los Muchachos. Diese sind auch konditionell nicht zu unterschätzen, je nach Route ist man locker 3–4 Stunden unterwegs – also genug Proviant einpacken!
Mein Highlight: Die Cumbre
Bei meinem persönlichen Highlight während dieser 2 Wochen habe ich versucht, die gesamte Vielfalt der Insel an einem Tag zu erleben. Das bedeutet: Start um 4 Uhr morgens, um pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Roque zu sein. Dort ein Frühstück und der Start zur längsten Abfahrt, die La Palma zu bieten hat: über die komplette Cumbre – die Hügelkette, die die Insel in Ost und West teilt – bis hin zur Südspitze! Ein

e nicht enden wollende Abfahrt auf den verschiedensten Untergründen, durch alle Vegetationszonen und Wetterarten – außer Schnee. Allerdings ist die Abfahrt gespickt mit unzähligen Gegenanstiegen, so dass hier noch weitere 1.000 Höhenmeter Uphill dazukamen – das Feierabendbier hat auf jeden Fall geschmeckt!
Dieses Jahr wird es etwas länger dauern, bis ich hohe Berge unter die Stollen nehmen darf. Statt nach La Palma geht es jetzt Anfang Mai in die Seealpen, auf den Spuren des legendären Endurorennens Trans-Provence. Ich freu mich!

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