Laufschuh des Monats: adidas Ultra Boost

Beim Hineingleiten in die festvernähte Zunge des anschmiegsamen Primeknit Upper und nach den ersten Schritten weiß ich, welches Adjektiv diesen Schuh am besten beschreibt: weich, weich und nochmal weich!

Der erste Eindruck am Fuß: Passform
Der Ultra Boostder bis auf Schnürsystem und Fersenkappe ähnlich dem Nike Flyknit Lunar aus einem Garn gemacht ist, sitzt bequem am Fuß, fühlt sich aber im ersten Moment etwas schwammig an. Die Schnürung bietet nur 4 Lochreihen, ohne Option für die Marathonschnürung. Egal wie fest man ihn bindet, es ist jederzeit möglich ihn über die Ferse abzustreifen ohne die Schnürung zu lösen. Obwohl ich keine klassischen Neutralschuhe wie den Gel-Cumulus mehr gewöhnt bin und von der Pure-Serie von Brooks, über den Asics Gel Lyte 33 bis zum Energy-Boost  so einiges laufe, bin ich zunächst skeptisch. Kann so wenig Festigkeit funktionieren?

Der erste Lauf
Am 3. Sonntag im April teste ich nun endlich meinen lang erwarteten neuen adidas Ultra Boost in freier Wildbahn. Das Knatschen der rutschfesten Außensohle auf dem Parkett im Laden ist auf Asphalt schon nach wenigen Metern nicht mehr zu hören. Ich spüre den Schuh kaum am Fuß, merke aber, wie die Sohle aus 100% Boost Material, auf besondere Weise den lockeren, federnden Lauf unterstützt.

Ich bin bereits seit meinem ersten Energy-Boost 
2013 überzeugter Anhänger der kleinen Kügelchen, die aussehen wie Styropor, aber wesentlich elastischer und stabiler sind. Das Boost-Material, auf unsexy ETPU, wurde übrigens hier in der Region von der BASF entwickelt. Es hat eine enorm hohe Rückstellkraft. Was die bewirkt, habe ich euch in „Die Beine schwingen“ über den Katapulteffekt erklärt.

Die Performance des Schuhs
Noch etwas unsicher ob des ausreichenden Halts starte ich gemächlich. Nach wenigen Laufschritten gewöhne ich mich an die Lockerheit des neuen Schuhs. Die Fersenkappe ist bewusst gespalten. Das soll eine natürliche Bewegung der Achillessehne gewährleisten. Das leichte Rutschen meiner rechten Ferse verschwindet schnell und mit ganz leicht unterstützenden Einlagen habe ich ein gutes Gefühl, was sich beim späteren Test durch unsere Laufanalyse auch so bestätigen wird.

Außenmaterial nicht unbedingt für Waldböden geeignet
Ich erreiche den Wald und auch hier macht der Schuh auf breiten Forstwegen eine durchaus gute Figur und übersteht sogar den ein oder anderen Trail. Vor allem bergab, fängt er die Stöße sanft ab. Dafür bietet er natürlich sehr wenig Stabilität. Man sollte daher die Kraft der Fußmuskeln berücksichtigen und auf unebenen Untergrund gut darauf achten, wo man aufkommt.

Auf der Straße macht der Ultra Boost 
sicherlich auch im Nassen eine gute Figur. Im Wald würde ich ihn dann nicht empfehlen, zumal ich nicht sicher bin, wie gut sich das sockenartige Obermaterial vom dicken Schlamm reinigen lässt. Apropos, so angenehm das Primeknit am Fuß anliegt, es könnte im Sommer an sehr heißen Tagen gut warm werden.

Die Boost-Technologie
Nachdem ich dieses Jahr noch nicht so viel Strecke laufend absolviert haben, muss ich nach gut 20km und ca. 1000hm bei aufkommenden starkem Gegenwind dann feststellen, dass auch ein Ultra Boost nur mit dem Antrieb des Läufers in Bewegung kommt. Aber „die Beine können, solange der Kopf will“ schreibt Norman Bücher in seinem Buch „Extrem“. Also verändere ich meine Gedanken und schaffe es dadurch und dank der effizienten Boost-Technlogie, nach 22km im federnden Lauf das Hoftor in Landau zu erreichen.

Mein Fazit
Ein sehr weicher Schuh mit toller reaktiver Dämpfung, ausreichend für einen Marathon. Vorwiegend geeignet für Neutralläufer mit guten Fußmuskeln oder als Trainer für solche. Dann aber nur für kurze Strecken oder für Lauf ABC-Übungen. Mein persönlicher Favorit für die Straße, ist und bleibt aber trotz noch mehr Kügelchen der Energy-Boost.
 
In diesem Sinne, Boost up your run!
Annabel Müller

Anabell ist Lauftrainerin beim wöchentlich stattfindenden engelhorn sports Lauftreff.
Anabell ist Lauftrainerin beim wöchentlich stattfindenden engelhorn sports Lauftreff.
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