Kompressionsstrumpf im Test: CEP


So schnell kann es gehen. 8 Sekunden und eine Wade von Timo Bracht verschwindet in der weißen Socke. Wechseln will gelernt sein im Triathlon. Wer denkt, hier kann man nur beim Schwimmen, Radfahren oder Laufen schneller werden und Zeit sparen, der irrt. Bei Profis sind oftmals die Wechsel am spektakulärsten. Alles (r)eine Übungssache.
 
Der Sockenwechsel ist einen YouTube-Clip wert
 
Okay, denkt sich der geneigte Leser und fragt sich, warum es eine bewundernswerte Leistung ist, einen Kniestrumpf in 8 Sekunden anzuziehen. Bei einem gewöhnlichen Kniestrumpf würde ich antworten: Ist es nicht. Allerdings zieht sich Timo - ein YouTube-Video belegt die Zeit - bei weitem keinen „gewöhnlichen“ Kniestrumpf an. Es sind die „Running Compression Socks“ der Firma CEP, welche da als Brachts Beinkleid fungieren. Diese Socken aus einem Polyamid-Elasthan-Gemisch sollen für eine Leistungssteigerung durch eine Verbesserung der Durchblutung der Wadenmuskulatur sorgen.
Aber was habe ich als Hobbyläufer eigentlich von diesen meist bunten kniehohen Socken?
 
 
Meine Erfahrung
 
Passform: Die Socke sitzt – straff!
Zum einen erst einmal die Erkenntnis, dass ich von jenen 8 Sekunden, die der Meister braucht, um den Socken an sein Bein wandern zu lassen, Lichtjahre entfernt bin. Ich schaffe es kaum, den Socken überhaupt über den Knöchel zu bugsieren. Auch nach richtiger Vermessung des Wadenumfangs und der daraus resultierenden Größe, bin ich der festen Überzeugung, die Socke müsse die falsche Größe haben. Als dann nach scheinbar ewigem Kampf die Socke da sitzt, wo sie hingehört, merke ich: Die sitzt ziemlich straff! Nachdem ich auch das zweite Exemplar an sein Ziel gebracht habe, kann es losgehen.

Tragekomfort: top
Ein interessantes Gefühl. Zunächst fühlt es sich an, als säße jemand auf meiner Wade. Doch bei den ersten Schritten merke ich, dass ich die Bewegung der Muskulatur viel stärker wahrnehme. Das ist nicht unangenehm, nur ungewohnt. Durch den Druck auf der Wadenmuskulatur merke ich bei jedem Schritt, wie die Wade arbeitet. Das ist es dann wohl, was die Kollegen von CEP mit Propriorezeption meinen: Selbstwahrnehmung. Die ersten Laufschritte fallen leicht und sind - mit einem Wort - unauffällig. Und diese Socken sollen mich jetzt zu einem schnelleren Läufer machen? Ich bin skeptisch und laufe weiter. Doch je weiter mich die Füße tragen, umso mehr merke ich eines: Ich merke nichts. Kein Spannen in den Waden, kein Ziehen, kein gar nichts. Es läuft alles ziemlich rund.
Trotz des engen Sitzes und des festen Stoffes drückt die Socke zu keiner Zeit und stört auch nicht am Bund oder ähnliches. Da merkt man, dass die Firma medi, die hinter CEP steht, schon jahrelange Erfahrung mit Kompressionssocken hat und diese gnadenlos ausspielt. Zugunsten der Waden ihrer Kunden.
 
Nach dem Laufen
Als ich durch die Tür komme, ahne ich noch nicht, was für ein Kampf auf mich wartet. Die Einzelheiten erspare ich euch. Im Ergebnis konnte ich meine Waden wieder befreien.
Am nächsten Tag zeigen sich meine Waden erstaunlich unbeeindruckt von der gestrigen Laufeinheit. Im Rahmen meiner Testläufe fällt mir weiter positiv auf, dass die Waden auch bei kühleren Temperaturen dank der Compression Socks nicht zu kalt werden. Es wird gerade bei Läufern mit anfälligen Achillessehnen hilfreich sein, wenn diese warm gehalten werden.
Zudem merke ich, dass meine Waden den allsonntäglichen langen Lauf deutlich besser verkraften. So kann ich den Ruhe-Montag genießen, ohne dass mich meine quiekenden Waden bei jeder Stufe an den Lauf von gestern erinnern.
Alternative Einsatzbereiche
Noch ein Praxistipp für alle Berufstätigen, die ihre Dienste stehend verrichten: Abgesehen von der Einsatzmöglichkeit im sportlichen Bereich, kann die Socke auch nach dem Training getragen werden oder hilft, die bei einem 8-Stunden-Tag doch recht schweren Beine ein wenig zu entlasten.
 
Pflege
Regelmäßig gewaschen werden sollte die Socke aus zweierlei Gründen: Einmal, um die Kompressionswirkung der Fasern aufzufrischen und zweitens, um etwaigen Konflikten mit geruchsempfindlichen Mitmenschen zu entgehen. Denn auch wenn die Socke nur nach der Trainingseinheit getragen wird, nimmt sie doch ein wenig Schweißgeruch auf.
Mein Fazit:
Ob ich durch die Socke nun Minuten über Minuten auf meinen Trainingsstrecken schneller bin, habe ich nicht nachgemessen. Was ich aber sagen kann, ist, dass ich dank der Socken doch die eine oder andere lange Einheit zusätzlich in den Plan einbauen kann, weil die Beine sich einfach frischer anfühlen. Ob das medizinisch zu belegen oder Einbildung ist, kann für mich dahinstehen. Ich fühle mich lockerer und wenn ein Produkt das bewerkstelligt, dann erfüllt es seinen Zweck absolut.
Die  CEP „Compression Running Socks“ sind für mich ein fester Teil meines Kleiderschranks geworden. Interessant ist hierbei, dass die Socken in sehr grellen und auffälligen Farben daherkommen. So kann man jedes Outfit um ein weiteres Schmankerl erweitern. Und da ich trotz des langen Laufs gestern so lockere Waden habe, gehe ich jetzt noch `ne Runde drehen.
Ich bin wahrscheinlich langsamer als Timo beim Anziehen der Socken. Und beim Schwimmen. Und beim Radfahren. Und beim Laufen. Aber das ist ja die Herausforderung. Eines Tages schlage ich ihn sicher: Beim Anziehen der Socken!
In diesem Sinne: Keep on running!
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