Königsjodler: Der Klettersteig auf den Hochkönig


Mit Sascha und Christoph war ich schon etwas früher angereist, sodass wir am offiziellen Ankunftstag schon auf der Erichhütte erwachten und noch eine kleine morgendliche Klettersteigtour unternahmen. Am frühen Nachmittag waren wir in Dienten, um noch ein Eis zu essen.
Bei schwülheißem Wetter fuhren wir drei dann zum Treffpunktparkplatz. Hier warteten schon die anderen drei „normalen“ Bergsteiger, vier Bergführer, ein Filmproduzent nebst Kameramann, ein Journalist und ein Fotograf. Was für eine große Truppe! Irgendwie war ich plötzlich doch ein wenig nervös und zappelig. Nach einer kurzen Begrüßung durch Mammut-Alpine-School-Chef Reiner Taglinger wurde die restliche Ausrüstung ausgegeben. Das Filmteam ging schon fleißig seiner Arbeit nach und gab vor dem Aufstieg zur Hütte noch einige kurze Anweisungen. Und dann ging es endlich los: Der Traum „Königsjodler“ wurde endlich wahr!
Ankunft auf der Erichhütte
Durch die Film- und Fotoaufnahmen kamen wir erst nach einer gefühlten Ewigkeit an der Erichhütte an, aber für den genialen Film hat es sich gelohnt (unbedingt anschauen!). Dort angekommen, besprach Reiner die Wettervorhersage mit dem Hüttenwirt. Die Aussage des Wetterdienstes wurde verglichen und das Aufstehen für den nächsten Morgen, Entschuldigung: Nacht auf 03.30 Uhr angesetzt. Da am späten Vormittag ein Gewitter drohte, mussten wir so früh aus. Abends wurde natürlich noch lecker gespeist, geklönt, Bergsteigergeschichten erzählt und das ein oder andere Bierchen lief die Kehle hinunter.
Mitten in der Nacht dann: Kawumm! Ich werde wach von einem heftigen Donner. Draußen ist Weltuntergangsstimmung. „Besser jetzt als später.“, denke ich und schlafe kurz darauf wieder ein.
Aufbruch in der Dämmerung
Noch im Fast-Dunkeln, aber gut gestärkt, ziehen wir um etwa 04:20 Uhr los Richtung Königsjodler. Trotz der reichlich frühen Morgenstunde ist die Stimmung prächtig und das Wetter verheißungsvoll. Das Tempo wird von den Bergführern vorgegeben: Ruhig aber stetig. Fotograf und Filmteam huschen um uns herum.  Nur selten machen wir für eine bessere Szene oder das perfekte Foto halt. Heute haben wir schlicht weniger Zeit. Als wir aus dem langweiligen Almwiesenaufstieg in anspruchsvolleres Gelände kommen, ziehen wir zur Sicherheit gegen Steinschlag unsere Helme auf. Mittlerweile ist es deutlich heller geworden.
Jodelnd in den Einstieg
Um kurz vor 7 Uhr erreichen wir den Einstiegspunkt. Wir legen unsere Ausrüstung an und bringen uns mit einem Jodel-Lied in Top-Stimmung. Die letzte Müdigkeit ist verflogen! Die Sonne kommt sogar heraus. Nach einer Sicherheitsanweisung von Reiner und einem kurzen Interview steige ich endlich in den Königsjodler ein. Der Einstieg ist, wie so oft, knackig, um vermeintlich schlechten Klettersteiggehern das Vorhaben zu verwehren.
Ich genieße nach kurzer Zeit schon das tolle Gefühl des Klettersteigs: Gesichert und trotzdem in schwierigem Gelände unterwegs zu sein. Ein Geräusch, das man nie vergisst kommt dazu: Klick – klick – grrrrrrr. Nach der ersten Spitze blicke ich das erste Mal zurück und bin überwältigt: Die Aussicht in Kombination mit dem Mammut-Team! Was für ein Bild!
 
Safety first: Rückzug
Leider erfolgt kurz danach der Schock! Innerhalb von Minuten verschwindet die Sonne und ein Gewitter zieht auf. In einem Gewitter im Gebirge zu sein ist eh schon gefährlich. Sich an einem großen Blitzableiter festzuhalten, ist noch gefährlicher. Also kehren wir zügig um. Noch ist nicht klar, was nun passiert. Während des Rückzugs aus dem Klettersteig fängt es kräftig an zu regnen. Blitz und Donner sind ganz nah.
Nach kurzer Beratung am Einstieg steht fest: Das Risiko ist zu groß, die Wetterlage zu unbeständig. Wir brechen ab. Der Traum ist zerplatzt. Irgendwie sind alle konsterniert. Aber: Reiner hat in Absprache mit seinem Team das Richtige getan, das ist auch jedem klar.
Ich tapse zurück zur Hütte. Einerseits glücklich, dass im Gewitter nichts passiert ist, andererseits frustriert, weil wir den Königsjodler nicht durchsteigen konnten.
Zurück an der Hütte ist die Stimmung selbstverständlich verhalten. Irgendwie hoffe ich, dass wir doch noch mal losziehen. Die Sonne kommt nach einer Stunde wieder durch, aber es grummelt auch immer wieder mal. „Wahrscheinlich hätte es jetzt noch geklappt.“, denke ich, weiß aber auch, dass Sicherheit als Erstes kommt.
Das nächste Mal kommt bestimmt...
Am späten Vormittag steht die gesamte Gruppe wieder am Parkplatz. Reiner hält eine Abschlussrede und erklärt erneut die Entscheidung. Ich bedanke mich im Namen der Bergsteiger bei engelhorn sports und dem Mammut-Team und weiß: Der Königsjodler ist nächstes Jahr auch noch da. Vielleicht trifft man sich?!?
 
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