Klettersteigausrüstung: Das Klettersteigset

Klettersteige sind bei Bergsportlern beliebt, Tendenz: steigend. Die italienische Bezeichnung ‚Via Ferrata‘, die wörtlich übersetzt ‚Eisenweg‘ bedeutet, beschreibt die Kletterrouten anschaulich: Eisenleitern, Tritte und Drahtseile geben den Weg am Felsen vor und bieten Sicherungsvorrichtungen an. Klettersteige ermöglichen Bergsportlern, sich in die Vertikale zu begeben und die Erfahrung am Felsen zu genießen. Neben der Faszination, die die Klettersteige bereithalten, birgt der Gang in die Eisen jedoch auch Gefahren, denen man mit der richtigen Ausrüstung und dem nötigen Know-how begegnen kann. Welche Ausrüstungsgegenstände man benötigt, wie man sich auf einen Klettersteig vorbereitet und was es zu beachten gibt, wenn man im Eisenweg unterwegs ist, möchte ich Euch in den kommenden Wochen näherbringen.
Doppelt gesichert und im Ernstfall weich gebremst
Herzstück der Ausrüstung ist das Klettersteigset. Es verbindet den Körper mit dem Sicherungsdrahtseil, das am Felsen angebracht ist, und es dämpft den Fall des Klettersteiggehers, wenn es nötig werden sollte. Mit einem Ankerstich wird das Klettersteigset am Klettergurt befestigt. Aktuelle Klettersteigsets in Y-Form verfügen meist über einen Bandfalldämpfer – und nur diese sollten verwendet werden: Zwei Bänder mit jeweils einem speziellen Karabiner mit Verschlusssicherung sind mit diesem Bremselement verbunden. Muss ein Karabiner umgehängt und gelöst werden, etwa an einem Verankerungspunkt, verbleibt der zweite am Drahtseil des Klettersteigs – so ist man immer gesichert.
Besonders wichtig: Der Bandfalldämpfer
Der Bandfalldämpfer des Klettersteigsets nimmt eine besonders wichtige Funktion ein: Er muss die Fallenergie bei einem Sturz möglichst stark abbauen. Die Kräfte, die hierbei wirken, können enorm sein: Ein einfaches Seil, das die gesamte Wucht eines Absturzes ungebremst auffangen würde, könnte reißen oder den Klettersteiggeher verletzen, da sein Fall abrupt und hart gestoppt werden würde. Der Bandfalldämpfer eines modernen Klettersteigsets hingegen baut die Fallenergie durch Reibung ab, bevor er den Sturz stoppt: Sollte man sich am Klettersteig einen Fehltritt erlauben oder abrutschen, sorgt der Dämpfer dafür, dass der sogenannte ‚Fangstoß‘ beim Fallen in das Klettersteigset für seinen Träger weich, für das Material schonend und damit glimpflich verläuft.
 


Auf der sicheren Seite, aber nur für den Notfall
Obwohl das System ein hohes Maß an Sicherheit bietet, sind Konzentration und Vorsicht geboten: Das Klettersteigset ist ein Notfallsystem und nur für alle Fälle gedacht, um einen kompletten Absturz zu verhindern. Um sich am Klettersteig auszuruhen, kann man sich problemlos in das Sicherungsset hängen. Stürze sollten aber unbedingt vermieden werden: Auch wenn der Bandfalldämpfer des Klettersteigsets gute Arbeit dabei leistet, den Fall zu bremsen und die wirkenden Kräfte zu reduzieren, ist der Fangstoß nicht angenehm, und die Gefahr, bei einem Sturz am Felsen oder den Eisenteilen des Klettersteigs anzuschlagen und sich zu verletzen, bleibt bestehen.
Das Klettersteigset kann seine Wirkung als Sicherung außerdem nur einmal voll entfalten: Wenn der Fall der Fälle doch eingetreten ist und der Bandfalldämpfer ausgelöst wurde, muss das Klettersteigset ausgetauscht werden. Am Klettersteigset sollte außerdem nicht gespart werden: Es sichert im Notfall das Überleben. Selbstgebastelte Sicherungen, ein Seil ohne Bremse oder qualitativ minderwertige Klettersteigsets können das nicht leisten. Oder würdet ihr euch mit einem Auto auf die Straße wagen, von dem ihr wüsstet, dass die Bremsen nicht funktionieren...?

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