Klettern für Anfänger: das erste Mal am Fels


Klettern ist ein absoluter Trendsport geworden und immer mehr finden Gefallen an dieser spannenden

und abwechslungsreichen Sportart. Im Gegensatz zu früher beginnen heute viele damit, in der Halle zu klettern, was sicherlich nicht die schlechteste Idee ist. Denn hier hängen oftmals schon Seile als Toprope oder zumindest gibt es fest installierte Expressschlingen und Umlenker am Ende der Route. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zum Klettern am Fels, wozu ich euch heute ein paar Tipps geben will.
Falls euch das Klettern in der Halle gefällt, habt ihr euch sicher schon vorgenommen, auch mal an den Fels zu gehen, vielleicht ist ja 2013 eure erste Saison! Es gibt ein paar Dinge, die ihr dabei unbedingt beachten müsst, und einiges mehr an Material, welches ihr mitnehmen müsst.
Zustieg und Drumherum

Wenn ihr euch ein geeignetes Klettergebiet ausgesucht habt, müsst ihr zunächst auch dort hinkommen. Gutes Schuhwerk ist dabei zu empfehlen, da es oft über Stock und Stein und durch Gestrüpp, über Bäche etc. geht. Auch beim Sichern vor Ort tendiere ich eher zu festem Schuhwerk als zu Flipflops oder gar barfuß, auch im Hochsommer. Man muss in der Lage dazu sein, schnell zu reagieren und muss auch mal einen Sturz mit den Füßen gegen die Wand abfangen können.
Oft verbringt man einen ganzen Tag am Fels beim Klettern. Interessant ist daher schon bei der Auswahl des Klettergebiets, ob dies im Schatten liegt oder volle Sonne bekommt, ob der Bereich am Wandfuß eben ist, so dass man auch eine Decke ausbreiten kann, oder ob man sich im abschüssigen Gelände die Füße platt steht. Nehmt alles mit, um auch ein paar Stunden relaxen zu können, Sonnencreme, Sonnenbrille und ausreichend Wasser im Sommer sind immer wichtige Bestandteile der Ausrüstung.
Routenplanung


Seid ihr am Klettergebiet angelangt, geht es darum, sich geeignete Routen auszusuchen. Hierzu braucht ihr ein Topo der diversen verfügbaren Routen. Manchmal steht am Fels der Schwierigkeitsgrad angeschrieben, öfters jedoch nicht. Ein Topo ist auch wichtig, um abzuschätzen, wieviel Material man braucht. Geht man von einer modernen Sportkletterroute aus, so ist diese mit Bohrhaken abgesichert und man erfährt aus dem Topo, wieviele Bohrhaken eine Route hat sowie wie viele Exen man dementsprechend braucht. Ebenso verrät einem das Topo, wie lange eine Route ist. Das Seil sollte also mindestens doppelt so lang sein. Ein simpler Trick ist, die Mitte des Seiles mit einem Stück Tape zu markieren, damit man sofort merkt, wenn der Vorsteiger über die Mitte hinausklettern sollte. Man sollte vor allem als Anfänger auch darauf achten, dass der Abstand der Haken nicht allzu groß ist, denn wenn der nächste Bohrhaken 2m über einem liegt und die Beine zittern, ist das keine angenehme Erfahrung.

Schaltet auch euren gesunden Menschenverstand ein, wenn ihr euch eine Route aussucht. Moderne Routen verlaufen oft geradlinig und der Fels ist frei von Gebüsch, das Gestein ist fest und bröckelt nicht. Oft jedoch kommt es vor, dass besonders ältere Routen einen weniger geradlinigen Verlauf haben, und Absätze, Büsche oder ähnliches im Fels zum Beispiel das Abseilen erschweren. Generell ist immer zu empfehlen, eine Route dann anzugehen, wenn sie oft begangen wird, der Verlauf deutlich sichtbar ist und man sicher sein kann, dass die Bohrhaken sowie die Verankerungen gepflegt sind und das Gestein nicht bröckelig, nass oder überwachsen ist. Finger weg von Routen, die selbst von Kennern nie begangen werden!
Sicherung
Am Ende der Route gibt es nicht wie in der Halle einen Umlenker, wo ihr einfach das Seil einhaken könnt, sondern meistens eine Kombination aus zwei nahe beieinanderliegenden Bohrhaken. Falls die Einrichtung eines Topropes gewünscht ist, muss der Vorsteigende etwas zusätzliches Material mitnehmen, um einen Anker für das Toprope zu bauen.
Ist man „fertig“ mit der Route, muss oben die Verankerung wieder „umgebaut“ werden, denn man möchte ja sein ganzes Material im Idealfall wieder mitnehmen. Hierzu sichert man sich selbst mit einer Bandschlinge an einem der Bohrhaken, um das Seil vom Gurt lösen und durch die beiden Bohrhaken fädeln zu können. ACHTUNG: das Seil in diesem Moment bloß nicht fallen lassen :) am besten mit einem einfachen Knoten zusätzlich am Gurt oder an einer Exe befestigen und diese erst lösen, wenn das Seil durchgefädelt ist und wieder am Gurt festgeknotet ist.
Das Abseilen kann entweder durch den Sichernden vorgenommen werden – wie in der Halle – oder,

und diese Variante lohnt sich vor allem dann, wenn die Route einen unübersichtlichen Verlauf hat oder vom Sichernden nicht gut eingesehen werden kann, der Kletternde lässt sich selbst wieder ab. Der Vorteil dabei ist, dass man selbst das Tempo bestimmen kann, denn man muss ja regelmäßig anhalten, um die eingesetzten Exen wieder abzubauen und mitzunehmen. Dazu braucht es ein Sicherungsgerät, durch welches beide Enden des Seils laufen.
Falls es sich um eine Mehrseillängenroute handelt, lohnt sich die Überlegung, ein Zwillings- oder Doppelseil zu verwenden, um später schneller Abseilen zu können.
Auch bei der Wahl des Sicherungsgerätes ist zu überlegen, dass das Erklettern von Routen am Fels oft ein längeres Unterfangen ist und ggf. ein halbautomatisches Sicherungsgerät wie das GriGri etwas mehr Komfort bietet als der Tube oder der HMS.
Fazit
Das Allerwichtigste – neben dem Spaßfaktor – ist, dass man das Klettern am Fels nicht unterschätzt

und seine Hausaufgaben gemacht hat, was das benötigte Material und die verschiedenen Sicherungsmöglichkeiten anbelangt. Am besten geht ihr mit jemandem mit, der das Klettergebiet schon kennt und schon mehrmals am Fels klettern war – oder ihr macht einen Kurs, zum Beispiel beim DAV. Ein Buch zur Theorie ist keine schlechte Idee, um ggf. nochmal nachzuschlagen, wie man perfekt sichert oder einen korrekten Standplatz baut. Ein Topo der Kletterrouten ist ein Muss!
Überfordert euch nicht, und macht nur das, wobei ihr euch wirklich wohl fühlt, dann wird das erste Mal am Fels auch ein tolles Erlebnis werden.
Für das Klettern am Fels braucht man einiges mehr an Ausrüstung als beim Klettern in der Halle. Damit ihr nichts vergesst, hier eine Packliste für euch!
P.S.: von eurem üblichen Schwierigkeitsgrad in der Halle könnt ihr am Fels mal locker einen Grad abziehen  – wenn ihr in der Halle also eine 6+ vorsteigt, würde ich euch am Fels zunächst einmal eine 5+ empfehlen, steigern kann man sich immer :)

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