Kalter Basketballentzug

Das Leben ist derzeit nicht leicht. Während die einen Menschen Nacht für Nacht ruhig schlafen, wälze ich mich in meinem Bett und kriege kein Auge zu. Wir haben November und mein Biorhythmus ist außer Takt. Normalerweise müsste ich zu dieser Zeit doch nachts, mit Energieriegeln ausgestattet, vor meinem Fernseher sitzen und mir anschauen, wie NBA-Champion Dirk Nowitzki den entscheidenden Buzzer-Beater trifft, MVP Derrick Rose mit Lichtgeschwindigkeit über den Basketballcourt läuft und LeBron James mit seiner geballten Power den Korb penetriert. Doch nichts ist. Ich liege im Bett.
 
Die neue Saison der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA, in der Dirk Nowitzki in diesem Frühling mit seinen Dallas Mavericks den so lang ersehnten Titel holte, sollte nun eigentlich schon wieder im Gange sein. Die Hallen müssten gefüllt sein, die Spieler wieder auf dem Feld stehen. In diesem Herbst ist aber nichts gewöhnlich.
In der NBA herrscht Eiszeit und das schon im Oktober. Die Spieler sitzen stunden-, manchmal auch tagelang an Verhandlungstischen und feilschen mit den Teambesitzern der NBA um jeden Penny. Der Grund? Im Sommer dieses Jahres lief der Tarifvertrag zwischen Spielergewerkschaft und Liga aus, der genau definiert, wie viel Geld die Spieler verdienen dürfen und wie viel die Teambesitzer mindestens zahlen müssen. Dieser wird nun neu verhandelt.
 
Seit mehreren Monaten bereits zerfleischen sich die Teambesitzer und deren Spieler dabei, verhandeln völlig ergebnislos. Sie denken an ihr eigenes Geld, an den Gewinn und ihre Lebensabsicherung – nicht aber an uns Fans. Gerade im Jahr eins nach Dirk Nowitzkis Triumph in den NBA-Finals war ich so ungeheuer heiß, wieder NBA-Action zu sehen. Begnügen muss ich mich mit alten Highlight-Videos, Artikeln über NBA-Legenden und saftigen Partien auf meinem örtlichen Streetball-Court. Alles nur Ersatzdrogen. Ich will die NBA zurück!
 
Bis Dezember wurden nun aber zunächst einmal alle Spiele abgesagt, die Saison wird nicht komplett gespielt, wir können froh sein, wenn wir in diesem Jahr überhaupt noch irgendein Spiel sehen – zu weit scheinen die Seiten auseinander. Dabei profitiert niemand vom sogenannten NBA-Lockout. Den Teambesitzern gehen Millionen-Einnahmen durch den Verkauf von Tickets verloren, die Spieler verdienen kein Geld mehr und Fans wie ich sitzen völlig auf dem Trockenen.
Mein Weihnachtswunsch ist also ein ganz einfacher: Schenkt mir die NBA zurück!
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