inov-8 Road-X Lite 155: Ein Schuh, der dich herausfordert!


Ich muss zugeben: manchmal höre ich Stimmen. Aber dieses Mal... redet der Schuh gerade mit mir?? Was höre ich ihn aus dem Schuhregal flüstern?  "Na los. Oder traust du dich nicht? Bin ich dir zu schnell? Versuch es doch! Finde heraus, ob du mit mir mithalten kannst." Redet der tatsächlich mit mir? Will der mich ärgern? Was soll das?  Ich bin skeptisch. Nicht des Schuhs wegen, sondern meinetwegen. Könnte er Recht haben? Kann ich so eine Rakete laufen? Einen Schuh, der wie der inov-8 Road-X-Lite 155, eben nur genau 155 Gramm in Größe 42 auf die Waage bringt! Das ist verdammt wenig Schuh unterm Fuss! Selbst wenn es "nur" für Intervalle sein sollte.
Er mustert mich! ER mustert MICH! Ich fühle mich in meiner Läuferehre angegriffen! Und ich kann der Herausforderung nicht widerstehen. Ich muss es ausprobieren. Also wage ich mich an dieses extrem flache, leichte Renngerät heran.
Leicht ist er. Unfassbar leicht. Ein schönes Gefühl, am Fuss fast nichts zu spüren. Der Road X-Lite 155 sitzt sehr gut am Fuss, und auch die Sohle fühlt sich extrem flexibel an. Bei den ersten Schritten merke ich, dass er sich gar nicht so hart läuft, wie vermutet. Klar, es soll ja auch kein Sofakissen sein, sondern ein Wettkampfschuh, aber ich hatte es mir fordernder vorgestellt.
Auf der Bahn ist der Road X-Lite 155 in seinem Element. Schnelle, harte Intervalle. Die Flexibilität der Sohle wird voll ausgekostet. Auf jeden "unsauber" gelaufenen Schritt  macht mich der Schuh freundlich aufmerksam, aber ohne dass es gleich schmerzhaft ist. Man merkt nur, dass man vielleicht doch wieder ein bißchen auf die Technik achten sollte. Hinsichtlich der Passform fällt mir eines auf: beim Gehen drückt der Schuh an meiner rechten Ferse ein wenig an der Außenseite. Da wurde auf das Gewicht geachtet. Auch die Polsterung ist minimalistisch. Beim Laufen/Rennen hingegen merke ich davon nichts. Auch so kann ein Schuh zum Laufen bewegen.
Der Schuh macht auf der Bahn richtig Laune. Ich höre ihn, wie er mich auf den letzten Metern der Intervalle antreibt. "SCHNELLLER!!" Läufer und Schuh geben alles.
Der „Grip“ ist gut. Angesichts der aber doch sehr glatten Sohle kann ich mir vorstellen, dass der Gute auf nassem Asphalt oder nassem Tartan doch ein wenig zu rutschen beginnen wird.
Erschöpft krieche ich von der Bahn. "Beim nächsten Mal geben wir richtig Gas!", höre ich meinen Begleiter. Manchmal muss man sich an neue Dinge einfach herantrauen. Muskelkater, müde Waden und Schenkel hin oder her. Es schadet langfristig nie, wenn man dem läuferischen Horizont auch mal einen Schuh hinzufügt, der auf den ersten Blick "zu wenig" Schuh zu sein scheint. Wie heißt es so richtig: „Wer schnell laufen können will, muss schnell laufen.“ Ich kann mich die nächsten Tage kaum rühren. Aber dann höre ich dieses Prachtstück wieder flüstern: "Du traust dich doch nicht! Du kannst mich nicht laufen!!" Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen.
In diesem Sinne: Keep on running!
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