Im Test: Thule Guidepost Trekking Rucksack

Den Thule Guidepost 65l Trekking-Rucksack habe ich auf einer 4-wöchigen Patagonien Reise auf Herz und Nieren getestet. Mein Freund hatte den 75l Thule Guidepost dabei. Ob Tagestouren, 5-Tages Trekking, Flugreisen, Regenschauer oder patagonischer Staub, der Rucksack hat alles super mitgemacht und war mir ein treuer Begleiter. Ich habe die Vor- und auch die Nachteile kennengelernt und will euch gerne ausführlich davon berichten. 


Größe und Gewicht

Für einen 65l Rucksack ist der Guidepost mit 2,7 kg etwas schwerer als andere Modelle in gleicher Größe, was vor allem am Tragesystem aus Aluminium, am Stahldraht-Flexirahmen und an den vielen durchdachten Extras liegt. Für die Trekkingtouren und die Reise insgesamt war es die perfekte Größe

Vollgepackt bis zum Rand wog er ca. 20kg und war damit ideal fürs Flugzeug, beim 5-Tages-Trekking war er mäßig voll und hatte ca. 12 kg, bei Tages- oder Übernachtungstouren habe ich ihn zusammengeschnürt und fand ihn auch mit 8kg noch sehr komfortabel und nicht zu überdimensioniert. 

Der Rucksack ist von der Form her eher schlank, was für mich persönlich etwas unpraktisch war. Ich habe keinen besonders langen Oberkörper, und wenn ich die 65l richtig ausreizen wollte, dann wuchs der Rucksack schon sehr in die Höhe. Ein paar mehr geräumige Taschen an den Seiten hätten da sicher geholfen, das Volumen mehr in die Breite zu verteilen - was mich zum nächsten Thema bringt:

1. Details 2. Henkel

Taschen und Stauraum

Fangen wir oben an: Der Rucksack verfügt über eine variable Deckeltasche, die auch zu einem Summitpack umfunktioniert werden kann, dazu später mehr. Die Deckeltasche kann also komplett entfernt werden und ist an den vier Gurten in der Höhe verstellbar. Sie bietet damit die nötige Flexibilität, um das Packmaß des Rucksackes anzupassen. 

Oben befindet sich ein größeres Reißverschlussfach, im Inneren ein kleineres Fach inklusive einem praktischen Schlüssel-Aufbewahrungs-Clip. Dort haben meine ganzen Wertsachen Platz gefunden und wenn es auf einen kurzen Trip ging, habe ich einfach die Deckeltasche abgemacht und mitgenommen. Leider bietet das obere Fach nicht ganz so viel Platz wie gewünscht, da die Bestandteile des integrierten Summitpacks doch auch Platz wegnehmen. 

Und ich hätte mir zusätzlich noch oben auf der Deckeltasche einen Gummizug gewünscht, um z.B. eine Jacke festspannen zu können. 

1. Seitentasche 2. Taschen am Hüftgurt


Vorne am Rucksack gibt es zwei längliche Taschen. Die größere ist von oben her offen, hier habe ich eine Plane für das Zelt untergebracht, die andere ist mit Reißverschluss ausgestattet, hier haben Karten und eine Sitzunterlage ihren Platz gefunden. In diese Taschen passen aber nur flache Gegenstände, ich hätte mir daher lieber noch an der Seite ein oder zwei Taschen mit etwas mehr Volumen gewünscht. Für Wasserflaschen gibt es unten an der Seite zwei kugelige Einschubtaschen, die an sich sehr nützlich sind, aber eben nicht verschließbar. 

1. Tasche vorne

Das Hauptfach kann entweder von oben oder von vorne mittels einem großen rundum-Reißverschluss geöffnet werden. Ich hätte mir unten im Hauptfach noch ein Einschubfach gewünscht, ebenfalls für Wertsachen, Unterlagen etc., die nicht einfach im großen Hauptfach verschwinden sollen. 

Man kann im Rucksack einen Zwischenboden befestigen, um das untere Fach abzutrennen und darunter z.B. den Schlafsack unterzubringen. Am Hüftgurt gibt es noch zwei recht große Taschen, die praktisch sind für Tempos, Bonbons und eine Kompaktkamera oder Handy.

Zwischenboden
Zwischenboden

Handling

Die Schnallen, Reißverschlüsse, Gurte und Gummizüge sind allesamt sehr gut verarbeitet. Die Kordel vom Hauptfach hat einen super Mechanismus zum Öffnen (an beiden Seiten ziehen) und Verschließen (Kordel einfach nur ziehen) und auch die anderen Details funktionieren sehr clever und machen echt Spaß - Funktionalität, die ich von anderen Rucksäcken bisher noch nicht kannte. 

Oben gibt es einen Gurt, den man über das Hauptfach spannen kann - so ist der Rucksack oben schön kompakt, auch wenn man nicht allzu viel drin hat. Einen Tragehenkel gibt es natürlich auch und die Reißverschlüsse haben ergonomisch geformte Schlaufen so dass man auch ordentlich dran ziehen kann ohne sich den Finger abzuklemmen. 

1. Verschluss Hauptfach 2. Kordel

Stöcke kann man an beiden Seiten mittels einer Schlaufe und einem Gummizug befestigen, dieselbe Aufhängung funktioniert auch für Eisgeräte oder ähnliches. Es gibt ein paar robuste Schlaufen, an denen man etwas befestigen kann und seitlich, sowie unten, gibt es Gurte, an denen man die üblichen Isomatten, Zelte etc. anbringen kann. 

Ich nehme zusätzlich immer noch ein paar kleine Karabiner mit, die ich an den Rucksack hänge und die oft sehr praktisch werden, um etwas einzuklinken oder aufzuhängen. Was ein bisschen hinderlich beim Einladen ins Auto, in den Flieger, Bus etc. ist, ist der rigide Hüftgurt. Aber da muss man wohl dann in den sauren Apfel beißen, denn dafür bietet er dann beim Wandern die nötige Stabilität. 

1. Schultergurt Summitpack 2. Schultergurt

Mein größtes Problem hatte ich mit der Aufbewahrung meiner Trinkblase. Zuerst habe ich mich gefreut, dass es dafür ein extra Fach an der Rückseite gibt, inklusive einer kleinen Schnalle, die meine Trinkblase an Ort und Stelle hält. Aber man muss die Trinkblase auffüllen und ins Fach quetschen, bevor man den Rucksack befüllt. 

Als ich auf einer Wanderung zwischen durch die Blase auffüllen und wieder verstauen wollte, habe ich es nicht mehr geschafft, sie dort hineinzupressen, da der Inhalt des Rucksacks auf der einen und der rigide Rückenteil auf der anderen, welches sich nach innen wölbt, zu sehr aufeinanderdrückten.

Trinksystem
Trinksystem

Tragekomfort

Zugegeben, am Anfang fand ich es etwas gewöhnungsbedürftig, dass der Hüftgurt und die Schultergurte recht wenig gepolstert sind. Vor allem an den Schlüsselbeinen hatte ich Druckstellen. Aber ich muss gestehen, dass ich eigentlich kaum Rücken- oder Schulterprobleme mit dem Rucksack hatte, obwohl er teilweise recht schwer war. Genial ist, dass der Hüftgurt mitrotiert beim Gehen. Dadurch versteift man im Rücken nicht und das Gewicht wird immer gleichmäßig auf die Hüften verteilt. 

Ich denke das mit der Polsterung ist Geschmacksache und muss einfach jeder für sich ausprobieren. 

rotierender Hüftgurt
rotierender Hüftgurt

Das Rückenteil kann man komplett variabel verstellen, je nach Körpergröße. Das Ganze funktioniert mittels eines komfortablen Slide und Klettverschluss-Systems, wo ich bei anderen Rucksäcken mit irgendwelchen Gurten rumhantieren musste, die oft nur in Stufen verstellbar waren. 

Den Brustgurt kann man in der Höhe auf- und abschieben, er läuft wie auf einer kleinen Schiene entlang der Schultergurte - super praktisch. Auch der Hüftgurt lässt sich leicht verstellen, ich wusste nur nicht so recht wohin mit den langen Enden des Gurtes. An den Schultergurten hätte ich mir noch kleine Laschen gewünscht, wo man zwischendurch mal seine Hände einhaken kann. Wenn ich keine Stöcke nutze mache ich das sehr gern.   

Aluminiumschiene
Aluminiumschiene

Der Summitpack

Wie schon erwähnt, kann man die Deckeltasche zum 24l Daypack, bzw. Summitpack umbauen. Dazu öffnet man den blauen Reißverschluss und im Deckelfach die graue Lasche und stülpt das Ganze von innen nach außen. Den Inhalt der Innentasche kann man dabei an Ort und Stelle lassen. Zum Vorschein kommen zwei Schultergurte, die noch per Klettverschluss unten befestigt werden müssen, inklusive Brustgurt. Oben verschließt man den Rucksack mit einem Kordelzug. 

Mit dem Summitpack an den Torres del Paine
Mit dem Summitpack an den Torres del Paine

Meine Meinung zu diesem Summitpack ist zwiegespalten - auf der einen Seite ist es definitiv sehr praktisch, die Möglichkeit zu haben, die Deckeltasche als Daypack zu nutzen. Allerdings kann man nicht allzu viel reinpacken, da er sonst sehr unförmig und unbequem wird. Meine Spiegelreflex und eine Flasche Wasser waren schon sehr unpraktisch. Eine Fleecejacke und eine Flasche Wasser gehen schon eher. 

Wenn man schon dem Anspruch gerecht werden will, einen richtigen kleinen Rucksack zu bieten, dann hätte ich mir zum Brustgurt noch einen simplen Hüftgurt gewünscht, damit der Sack beim Wandern nicht so sehr rumbaumelt. Ansonsten habe ich die Deckeltasche auch des Öfteren zur Umhängetasche umfunktioniert, dazu habe ich einfach einen der Gurte rausgewurstelt und mit dem Kletterschluss am Clip montiert und so hatte ich eine unkomplizierte Handtasche ohne alles umzubauen.   

1. Umbau zum Summitpack

Fazit

Insgesamt ist der Guidepost ein robuster und solider Rucksack mit gut durchdachten, funktionellen Mechanismen, die Spaß machen und qualitativ hochwertiger Verarbeitung. Ein paar mehr Seitentaschen und eine bessere Aufbewahrung für das Trinksystem fände ich wünschenswert. Beim Wandern ist der rotierende Hüftgurt Extraklasse. Und was man natürlich auch nicht vergessen darf: der Rucksack sieht in den verfügbaren Farben einfach top aus, ist auch auf jedem Foto ein Highlight!

1. Herren Trekkingrucksack Guidepost 75L 2. Damen Trekkingrucksack Guidepost 65L
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