Im Test: Scheibenbremsen am Rennrad


Seit den letzten beiden Saison sind bei den großen Radherstellern an immer mehr Rennrädern Scheibenbremsen zu entdecken. Nicht nur bei den Sportlern gehen die Meinungen über die neue Bremsen-Philosophie weit auseinander. Während Specialized und Trek einige Modelle, wie das Tarmac oder das Domane, auch als Disc-Version anbieten, hat z.B. Cube aktuell noch kein Racebike mit Scheibenbremsen auf den Markt gebracht.

Um euch bei der Suche nach dem perfekten Bike zu unterstützen, habe ich meine Trainings-Kilometer in letzter Zeit mit dem „Specialized Tarmac Pro Disc Race“ abgespult.



Optik

Wenn wir ehrlich sind, sollte der erste Eindruck von seinem zukünftigen Renner sein: „WOW! Sieht der Hammer aus!!!“. Leider war die Reaktion in den meisten Fällen: „WOW! Sieht das komisch aus!!!“.
Die kritischsten Stimmen gehen gegen die Optik der großen Scheiben. In diesem Punkt muss ich ihnen auch Recht geben. Für mich bekommt ein Rennrad gerade durch die filigranen Laufräder seine edle Optik. Beim Hinterrad fällt die Bremsscheibe durch die Kassette allerdings gar nicht so stark ins Auge. Dafür wirkt gerade das Vorderrad durch die große Scheibe sehr schwer und träge.

Gewicht und Bremskräfte

Es lässt sich nicht leugnen, die klassischen Bremsen sind zwischen 200g und 500g leichter als Scheibenbremsen. Das Gewicht kommt allerdings nicht allein von der Bremse.
Beim Bremsen an der Laufradflanke treten die Bremskräfte symmetrisch an beiden Seiten auf. Wenn man sich den Aufbau der Scheibenbremse anschaut, stellt man fest, dass die Bremskräfte hier asymmetrisch auf einer Seite auftreten. 

Das verändert die Anforderungen an das Laufrad total. 

Um die auftretenden Kräfte zu kompensieren, ist eine stabilere Auslegung von Bauteilen, wie der Gabel, des Laufrads und der Achse nicht zu vermeiden.

Hier haben sich die meisten Hersteller Abhilfe aus dem MTB-Bereich verschafft: Die Steckachse. Sie trägt nicht nur zum Erreichen der nötigen Stabilität bei, sondern hat noch den positiven Nebeneffekt, dass sie die Fahreigenschaften durch eine hohe Verwindungssteifigkeit verbessert.

Klar sind gerade die Laufräder als rotierende Teile gewichtstechnisch am entscheidendsten. Alles in allem sehe ich das Thema Gewicht für die meisten Rennradler aber nicht als einen großen Nachteil. Der größte Anteil des Mehrgewichts lässt sich mit den aktuell sehr leichten Rahmen und Komponenten gut kompensieren.

Gewicht mit Scheibenbremsen
Gewicht mit Scheibenbremsen

Großer Vorteil: Fahren bei Nässe

Das Feeling mit Scheibenbremsen
Das Feeling mit Scheibenbremsen

Laufen die Bremsscheiben heiß?

„Bei langen Abfahrten werden die Scheibenbremsen zu heiß!“ Eine Aussage, die mir in einigen Gesprächen begegnet ist. Darauf kann ich antworten: 

Richtig, sie können gerade bei langen Abfahrten unter permanentem Bremsen sogar sehr heiß werden.

ABER: Der entscheidende Faktor ist der Wärmeabtransport! Dieser ist bei der Disc dank einer größeren Oberfläche und einer optimierten Luftströmung wesentlich effektiver. Bei der Bremsscheibe gilt deshalb auch, anders als beim Gewicht: 

Viel hilft viel!

Mit der Disc könnt ihr also entspannt die nächste Abfahrt genießen, ohne euch Gedanken über lästige Reifenplatzer wegen einer zu heiß gelaufenen Felge machen zu müssen.


Mein Fazit

Ich sehe die Scheibenbremsen für den Großteil der Rennradfahrer als eine gute Variante und absolut nicht als einen neuen Trend ohne Zukunft. Wenn ihr nicht auf jedes Gramm achten müsst, ist eine Disc am Rad die perfekte Wahl führ euch.
Man hat ein sicheres Fahrgefühl bei Abfahrten und kann präziser und besser dosiert bremsen. Damit macht sich in meinen Augen auch der etwas höhere Wartungsaufwand bezahlt. Abschließend lässt sich also sagen:
Rennräder mit Scheibenbremsen haben ihre Berechtigung!

In diesem Sinne: Ab aufs Rad und bis zum nächsten Mal.
Euer Steven

Steven
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