Im Test: Die SUUNTO TRAVERSE

Männer, die im Alltag große, schwere Uhren tragen, sind ja eigentlich Fälle für die Couch. Küchenpsychologen sehen in den Kompensationsgeräten am Handgelenk eine zivilisierte Facette des Schwanzvergleichs. Marketingmenschen sprechen lieber vom einzigen Schmuck, den echte Männer öffentlich tragen können. Beides lächerlich irgendwie. Also habe ich es immer vermieden, Uhren eines bestimmten Kalibers zu tragen. 

Bis ich die Suunto Traverse auf einem DAV-Hochtourenkurs entdeckte – und mich seitdem schwer tue, sie auch im Alltag abzulegen. Warum?

Die Traverse bietet alle grundlegenden Features einer Outdoor-Uhr für Berg- und Tourengeher und für alle, die sonst noch gerne draußen aktiv sind und dabei sportlichen Ehrgeiz mitbringen. 

Die wichtigsten Funktionen 

Für mich am wichtigsten sind GPS-Tracking, Höhenmesser und Kompass, außerdem gibt es einen eingebauten Schritt- und Kalorienzähler. In Kombination mit dem Suunto-Movescout Brustgurt lässt sich auch die Herzfrequenz messen und via Bluetooth-Verbindung anzeigen. Darüber hinaus hat die Traverse rudimentäre Smartwatch-Fähigkeiten und kann eingehende Anrufe, Textnachrichten und News Alerts anzeigen. Habe ich aber gleich wieder deaktiviert. 

Ich will ja draußen meine Ruhe haben.

Die Suunto Traverse ist aber keine hochgezüchtete Trainingsuhr für Athleten, die ihre Performance mit sehr speziellen Trainingsprogrammen fine-tunen wollen. Da bieten andere Modelle von Suunto und alternativen Herstellern mehr Möglichkeiten. Aber die Traverse will ja auch keine eierlegende Wollmilchsau sein, sondern sich auf spezifische Anwendungen konzentrieren. Und für mich reichen diese Optionen vollkommen aus.

Nerds wie ich werden diese Uhr lieben...

Ich benutze sie regelmäßig beim Laufen in der Stadt und am Berg als Performance-Monitor, bei abseitigeren Touren auch als praktische Navigationshilfe – bisweilen in Verbindung mit den GPS-Tracks, die sich aus der Suunto Online-Community auf die Uhr laden lassen. Und tatsächlich habe ich sie sogar beim Fliegenfischen dabei. 

Zuletzt habe ich an der slowenischen Soca ein paar forellenträchtige Gumpen markiert, die sich mit einem vorinstallierten Angelhaken-Icon auf der Traverse als so genannten POI (point of interest) abspeichern lassen. Okay, das ist ziemlich nerdy, aber,... 

... es lassen sich auch alle möglichen anderen Orte samt GPS-Koordinaten abspeichern und entsprechenden Icons versehen, die an Computerspiele der ersten Generation erinnern. 

Intuitive Bedienung: Bye bye langes Gebrauchsanleitung lesen

Dass ich die Traverse nach wenigen Tagen bedienen konnte, ohne jegliche Anleitungen zu lesen oder mir Online-Tutorials reinzuziehen, spricht für die Programmierer von Suunto. Die Menü-Strukturen sind übersichtlich und nachvollziehbar angelegt, mit den fünf Knöpfen am Gehäuse der Uhr lässt sich zwischen den Menüebenen ohne zu viel Geklicke hin- und herwechseln. 

Natürlich mutet das zu Zeiten von bunten Touchscreens etwas unmodern an, aber der Marketingmensch in mir würde eher von „klassisch“ oder „zeitlos funktional“ sprechen. 

Individuelles Home-Display

Das Display der Traverse lässt sich individuell konfigurieren, je nach Wunsch zeigt es unterschiedliche Informationen einzeln oder in Kombination an. Dabei bleibt die Darstellung immer sehr gut ablesbar, auch wenn man gerade in Aktion ist und die Hand nicht ruhig vor sein Gesicht hält. Nur der zuschaltbare Vibrationsmodus könnte gerne etwas heftiger rütteln.

 Mit voll aufgeladenem Akku hält die Uhr gut zwei Wochen im Normalbetrieb ohne GPS. Aber bei aktiviertem GPS im genauesten Ortungsmodus ist nach knapp 15 Stunden Dauerbetrieb der Saft alle. Bei längeren Touren jenseits der Zivilisation also nicht die Powerbank vergessen!

Größter Minuspunkt der Suunto Traverse ist aus meiner Sicht, dass man die Uhr nur in vollem Umfang nutzen kann, wenn man sie am Rechner mit dem Online-Portal Moveslink verbindet. Dort lassen sich alle gesammelten Daten auslesen und – zugegeben – grafisch sehr schön aufbereitet auswerten. 

Aber wie gesagt: nur online. Auf diese Weise kann Suunto jede Menge Daten sammeln, um die eignen Maps und Angebote zu optimieren, von denen die User natürlich profitieren. Aber abgesehen vom immerhin anonymisierten Aushebeln des Datenschutzes ist das bei längeren Touren ohne Netz und Rechner einfach unpraktisch.

Abgesehen davon ist die Suunto Traverse eine super Uhr, die extrem wertig und solide verarbeitet ist. Das sieht und fühlt man ihr bei aller Schlichtheit an. 

Und deswegen lege ich sie auch im Alltag nicht mehr ab – den sporadischen Spott meiner Freunde über das Tragen dicker Armbanduhren ertrage ich gerne. Wahrscheinlich sind sie eh nur neidisch.
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