Im Test: Der Traillaufschuh Brooks Cascadia 8


Anfänger und Profis schwärmen vom Traillaufschuh Brooks Cascadia. Ich wollte es wissen und testete das neu überarbeitete Modell Nr. 8.
Der Cascadia hat mich seit meinem ersten Arbeitstag bei engelhorn sports gereizt und spätestens nach der Brooks-Schulung, in der uns die Neuerungen der aktuellen Modelle erklärt wurden, wusste ich, dass ich ihn unbedingt laufen muss.
Das erste Gefühl am Fuß
Am liebsten würde ich ihn gleich anbehalten, so bequem ist der Schuh. Die asymmetrische Schnürung passt sich optimal an meine mittelbreite Fußform an.
Das neue adaptive Dämpfungssystem von Brooks, DNA, und BIO-MoGo sowie ein erweitertes Crash Pad.
Nur Marketing oder echte Neuheit?

DNA, so wurde mir erklärt, besteht aus einer zähen Flüssigkeit, die sich auf molekularer Ebene wie Millionen kleiner Sprungfedern verhält. Wer möchte, kann sich das Video dazu ansehen. Dort wird veranschaulicht, wie sich die Masse verhält, wenn Personen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit darüber laufen. DNA passt sich somit den individuellen Bedürfnissen wie Gewicht und Geschwindigkeit des Läufers an. Im Cascadia 8 wurde dieses Material zudem mit dem neuen Zwischensohlenmaterial der Pure-Serie, Bio-MoGo, kombiniert. Dabei benutzt Brooks eine ausgeklügelte Polymerstruktur, die haltbarer ist als EVA und dabei weniger temperaturanfällig. Zugleich ist die Kombination mit MoGo weicher, angenehmer und flexibler. Bio- besagt, dass das Material langlebig und biologisch abbaubar ist.
Caterpillar Crash Pad
Außerdem wurde das Caterpillar Crash Pad (CCP) erweitert. Das CCP sorgt für die Reduzierung der Pronationswinkelgeschwindigkeit und ein natürliches sanftes Abrollverhalten. Bisher nur im Rückfuß, kann man den Genuss des Pads im Cascadia 8 von den Fersen bis vorne zu den Zehen hin spüren, so der Hersteller.
Um einen Vergleich zu haben, begab ich mich sogleich mit beiden Modellen auf unsere Laufstrecke. Auch der Vorgänger trägt sich angenehm, aber ich spüre den Unterschied sofort. Der Neue ist etwas weniger direkt, hat eine sanftere Dämpfung und ist flexibler beim Abrollen. Letzteres wird zusätzlich unterstützt, indem die Außensohle im äußeren Bereich an mehreren Stellen unterbrochen ist.
Wie verhält er sich aber nun im Gelände? Bietet er trotz Komfort genug Griffigkeit und Schutz?
Hier setzt Brooks als weiteres Element zwei unabhängig voneinander arbeitende Pivot-Posts in die Sohle. Diese verwinden den Schuh, so dass die nicht von der Unebenheit betroffenen Teile weiterhin Bodenkontakt halten. Durch diese Eigenschaft ist die Gefahr umzuknicken, bedeutend geringer und der Läufer behält mehr Grip. Dazu reduziert das Ballistic Rock Shield die Aufprallenergie bei Kollision mit spitzen Gegenständen, wie sie auf Trails öfter vorkommen. Der Aufprall erzeugt Schmerzen, wenn er ungefiltert an den Fuß weitergegeben wird. Das Ballistic Rock Shield verteilt diese Energie über eine möglichst große Fläche undschützt so im Vorfuß vor Schmerzen.
Das ließ sich nun wirklich nicht mehr im Laden testen, also raus mit dem Schuh auf den Trail.
Zuerst wollte ich abwarten, bis es etwas weniger Schnee hat, nachdem der Cascadia kein Gore-Tex hat und laut unseres Trailrunningexperten Achim auch kein Schneeschuh ist. Da der Winter aber nicht enden zu wollen schien, nutzte ich die ersten Sonnenstrahlen und konnte den Cascadia somit auf nahezu allen Untergründen ausgiebig testen. Unten im Wald war der Schnee geschmolzen, dafür war es nass und matschig, womit der Schuh wirklich sehr gut klar kam. Der Schutz im Vorfuß funktionierte prima und auch die ausgleichende Pivot-Technologie begeisterte mich. Weiter oben lag noch Altschnee, der je nach Sonneneinstrahlung und Weg aus Matsch, Harsch oder Eis bestand.
Die steileren Passagen wurden somit zum Techniktraining, wobei hier maximal der Speedcross oder der Spikecross von Salomon noch besser hätten mithalten können. Zu meiner Überraschung war der Halt dafür auf den, zugegeben nicht ganz so steilen, Bergabpassagen auch auf Schnee erstaunlich gut. Und auch ohne Gore-Tex hatte ich bei diesem langen Lauf keinerlei Probleme mit nassen Füßen. Da es nahezu unmöglich ist, den Bus mit dem ich die 6km zum Waldrand gefahren bin, genau abzupassen, nun zum Ende des Laufs noch der Test auf Asphalt. Hier zeigt der Cascadia sein Allroundtalent. Das Modell, das ursprünglich zusammen mit dem Ultraläufer Scott Jurek entwickelt wurde, der auch immer wieder härtere Untergründe mit auf der Strecke hatte, läuft sich hier äußerst angenehm und eignet sich damit für mich ideal um von der Haustüre zum Trail zu kommen.
Sprengung, Gewicht und Zehenschutz
Im neuen Modell wurde die Sprengung um 2 mm (auf 10 mm) reduziert. Zudem ist er ein wenig leichter geworden und wiegt jetzt noch 263g (Damen Gr. 39), was mir für den Komfort, den er bietet, sehr angemessen erscheint. Nicht wirklich getestet habe ich zum Glück die Zehenkappe, die mir trotz bereits erweiterter Variante, nur mäßig starken Schutz zu bieten scheint. Das ist aber auch das Einzige, was ich noch für verbesserungswürdig halte.
Fazit
Ein sehr komfortabler neutraler, also ungestützter, Trailrunningschuh, der sich auf allen Untergründen wohl fühlt und seine Stärken im nassen, matschigen Gelände ausspielt. Die neu überarbeiteten Details und die bewährten Technologien der bisherigen Cascadia harmonieren bestens und machen richtig Spaß, ob auf technisch anspruchsvollen Trails oder hiesigen Wald- und Feldwegen.
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