Grenzgang zwischen Alltag und Leistungssport


Ich bin Dominik Briselat, Student in den letzten Zügen. Nein, nicht Atemzügen. Umgebracht hat mich das Studium nicht. Gefordert, mich das ein oder andere Mal an den Rand meiner Kräfte gebracht: ja, zweifellos. Aber: Wie im Sport sind es auch in der Uni Herausforderungen, die bestanden werden wollen, irgendwann bestanden sind und dann ein Gefühl von Freude und Stolz aufkommen lassen. Sie vermitteln nicht zuletzt die Gewissheit, dass man mehr leisten kann, als man sich das vielleicht zunächst zugetraut hat.
Sport und Studium gehen bei mir seit nun mehr als vier Jahren miteinander einher. Erstaunlich gut sogar, trotz der nicht minder anspruchsvollen Fachrichtungen. Das mag wohl daran liegen wird, dass ich nicht, wie viele Leichtathleten in der Grundschule oder frühen Jugend den Weg ins Stadion gefunden habe, sondern im Grunde erst mit dem Umzug in den neuen Lebensabschnitt. Der Grenzgang, zwischen meinem Alltag und Leistungssport, ist für mich keine Überraschung, er ist selbst gewählt.
Raus aus dem behüteten Elternhaus bedeutete für mich auch: raus vor die Tür, auf Feld- und Waldwege, Straßen, Trampelpfade und schließlich auch ins Stadion. Zwar gehörte es für mich dazu, während meiner Zeit in der Oberstufe zweimal in der Woche die Schuhe zu schnüren und mit meinen Hund zu einem nahegelegenen Weiher zu laufen, aber dennoch habe ich damals weniger als eine Handvoll Volksläufe bestritten. Mehr Sport musste es seit meinem zwölften Lebensjahr und dem Abschied vom Fußball aber definitiv (noch) nicht sein.

Wurzeln in der Heimat
Im Laufe von neun Semestern entwickelte sich der Sport zu einem immer bedeutenderen Bestandteil meines Lebens: 2012 und 2013 war ich etwa bei Hessischen, Bayerischen und Deutschen Meisterschaften erfolgreich am Start. Auch wenn ich über 1500 und 3000 Meter sofort respektable Leistungen abrufen konnte, war von Anfang an der Crosslauf meine Lieblingsdisziplin. Wen wundert es auch, komme ich doch aus der schönen Hessischen Rhön.
Im April 2013 kam es dann zu einem unverschuldeten Radunfall, der mich so weit zurückwarf, dass an eine Bahnsaison im Sommer nicht mehr zu denken war. Sich einfach so dem Schicksal hinzugeben, ist aber noch nie meine Art gewesen. Wer mich besser kennt, der weiß, dass ich vor Ehrgeiz und Selbstanspruch nur so brenne. Folglich ließ ich mich spontan auf eine Idee von Freunden aus der Heimat ein, die meine sportliche Zukunft massiv verändern sollte. Kurzum: Zugspitz-Extremberglauf. …auch wenn Becken und Oberschenkel nicht sehr angetan davon waren und Trainingskilometer ein derzeitiges Fremdwort waren.
Bergfieber
Und so kam es, wie es kommen musste: Das Bergfieber ergriff mich. Die Tatsache, dass der Lauf aufgrund der instabilen Witterungsverhältnisse „nur“ bis zum Sonn-Alpin unterhalb des Gipfels durchgeführt werden konnte und ich physisch fernab jeder brauchbaren Wettkampfform war, änderte daran auch nichts mehr. Schließlich hatte ich anstrengende, aber begeisternde 1800 Höhenmeter in den Beinen. Das am und mit dem eigenen Körper erlebte Argument, war schlichtweg nicht zu entkräften.
Neue Wege gehen
Seit Jahresbeginn sind nun endlich alle größeren gesundheitlichen Übel und Rückschläge ad acta gelegt, das Training entwickelt sich wie geplant und der Fokus ist ganz und gar nach vorn gerichtet.
Mit meinem Team-Partner Tom Schlegel, der sich in einem folgenden Artikel über seine sportliche Geschichte und das, was ihn antreibt, äußern wird, werde ich mich im Rahmen des sogenannten „Project Edgewalk“ auf eine Reise zu zwei herausragenden Veranstaltungen dieses Sommers begeben: Zum einen sind dies die Skyrunning World Championships am Mont Blanc (Chamonix, Frankreich) und zum anderen steht die Jubiläumsaustragung des achttägigen Etappenrennens „Transalpine-Run“ von Ruhpolding (Deutschland) nach Sexten (Dolomiten, Italien) auf dem Plan.
Für mich bedeutet diese Neuausrichtung einen radikalen Einschnitt in meine bisherige Sportbiographie. Es ist jedoch ein bewusst gewählter Umbruch, denn wie ich zu Herausforderungen stehe, habe ich eingangs bereits beschrieben.
Unterstützt werden wir bei unseren Vorhaben u.a. von Polar Deutschland, in Form von neuester Ausrüstung zur Trainingsoptimierung und durch die Übernahme von Startgebühren.

Zum Mont Blanc Marathon werden wir sogar in den Genuss einer – man munkelt nicht nur zuverlässig fahrenden, sondern auch gut kochenden – persönlichen Begleitung aus dem Hause Polar kommen, um einige Erlebnisse zumindest ausschnittsweise in Bildern festhalten und mit euch teilen zu können.
In weiteren, regelmäßigen Beiträgen möchten wir euch Einblicke in Planung, Training und unsere sportliche Weiterentwicklung ermöglichen und so hoffentlich auch dem einen oder anderen Leser einen Anstoß zum Betreten neuer Pfade mitgeben. Bis dahin findet ihr uns irgendwo zwischen Schreibtisch und Trampelpfad.
 
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