Golf up your life


Es wird Zeit, mit dem Testen anzufangen! Für den Anfang möchte ich mich jedoch nicht gleich übernehmen. Am besten etwas im Freien, ruhig und doch mit ein bisschen „Action“?! Da bietet sich etwas bestens an:
Golf!
Praktisch eine Voraussetzung für eine Jurastudentin, diesen Sport mindestens einmal ausprobiert zu haben. Also gleich ins 3. OG geflitzt zu Conny. Conny arbeitet neben ihrem Politik- und Sozialwirtschafts-Studium als Verkäuferin in der Golfabteilung. Sie freut sich sofort darüber, dass jemand Interesse für Golf zeigt. Ihre Augen fangen an zu leuchten, wenn sie über „ihren“ Sport erzählt und so lässt sie mich gleich auf der „engelhorn sports Fitting Station“ meinen Abschlag üben.
Auf zum Platz
Sonntag, 13:19 Uhr. Ich komme in Biblis an und es regnet, das fängt ja gut an. In meiner Tasche befinden sich Stoffhose und Sportpolo, denn in Jeans und T-Shirt darf man weder auf die Bahnen noch auf die Driving Range. Die Driving Range ist der Abschlagübungsplatz, also gut um Aggressionen zu verarbeiten. Die Übungsbälle sind vor mir ausgeschüttet. Conny drückt mir ein Sandwedge in die Hand und sagt „los!“. Also nein, kein richtiges Sandwich, einen Golfschläger. Die Schlägerart wurde so benannt, da er ein Schläger ist, welcher im Sandbunker geschlagen wird, so der Ursprung. Heute wird er natürlich auch meistens ausserhalb des Bunkers d.h. zur Annäherung ans Grün benutzt - wenn ich Conny richtig verstanden habe.
Also Ball vor mir auf den (Kunst-) Rasen, ich gehe leicht in die Knie, ins leichte Hohlkreuz, Augen auf den Ball gerichtet, den Schläger an ihn, zum Schwung ausholen, Augen weiter auf den Ball (!) und durchziehen! Der Ball ist tatsächlich beim ersten Versuch getroffen, meine Schulter jedoch auch. Der Abschluss sollte noch geübt werden, dafür fliegt der Ball schon recht gut, wenn auch noch mit ein bisschen Rechtsdrang. Rechts von mir steht aber auch eine rote Fahne, auf diese hatte ich schließlich gezielt…!

Das Ego hebt mit ab
Der nächste Schläger wird ausprobiert. Der Driver! Der eigentliche Schläger den man für den Abschlag nutzt.Zuerst den „weichen“ Flex. Der Flex zeichnet sich dadurch aus, dass der Schaft relativ weich ist. Damit fliegt der Ball auch schon wesentlich weiter (wenn ich ihn denn treffe). Der Wechsel fällt mir erst ein wenig schwer, da der Ball jetzt aufgeteet ist, also auf diesem kleinen weißen Teil liegt, das ins Gras gesteckt wird. Der Ball liegt also höher als zuvor.
Mein Schlag ist praktisch perfektioniert, denke ich mir und nehme den „stiff“ – also den harten Schaft. Der Ball fliegt dadurch immer weiter, und so auch mein Ego. Das scheint Conny nicht zu gefallen und sie drückt mir ein 7er Eisen in die Hand. Eisen sind eigentlich nicht für den Abschlag gedacht, sondern als Zwischenschläger, damit der Ball auf’s Grün kommt. Je niedriger die Eisenzahl, je weiter die Entfernung, die man schlagen kann. Darum werden die Eisen auch wieder vom Rasen gespielt, man darf sie aber auch aufteen. Aber wo wäre da die Herausforderung? Diese hat mich gleich gefunden und schon war ich wieder auf der Fehlschlagquote vom Anfang. So schnell hat mich der Boden der Tatsachen wieder. Lieber zum nächsten Übungsteil.
Vom Putten zum Bunker
Das Putten ist so eine Sache, dort können die Minigolfer unter euch wirklich punkten! Denn dabei geht es darum, den Ball aus kurzer Entfernung in das Loch zu bekommen. Meine Minigolf-Statistik darf ich wirklich niemandem zeigen, und somit ist es klar, bei mir wird ein Spiel an den letzten fünf Metern scheitern. Das sagt auch Conny von sich selbst, aber davon lassen wir uns nicht aufhalten und putten so lange, bis auch mal ein Ball eingelocht ist. Nach unzähligen Fehlversuchen ist das tatsächlich der Fall und wir gehen zehn Meter weiter zum Bunker. Als Bunker werden die kleinen Sanddünen genannt, die ihr bestimmt alle schon mal gesehen habt, wenn auch nur in Filmen. Das sind immer die lustigsten Szenen, denn dort trifft man immer etwas, wenn es auch nur der Sand ist.
Ein richtiger Golfer spielt bei jedem Wetter
Trotz immer stärker werdendem Regen geht es auf die Bahn. Loch 19. Aus 225m soll dieser kleine Ball ins Loch? Klingt machbar, mir fällt wieder ein, wie gut ich doch mit dem Driver umgehen konnte und schon schwebt der Begriff „Hole-in-One“ durch meinen Kopf – ganz klar mein Ziel! Bei Conny ist der Ball in zwei Schlägen auf dem Grün und mit dem dritten versenkt. Mein „Hole-in-One“ hat auch funktioniert, wenn auch mit vier „Vorschlägen“.
Auf dem Weg von Ball zu Ball und Bahn zu Bahn hat man viel Zeit zum Reden und Geschichten erzählen. Das ist einer der vielen Gründe, warum Conny vom Golf fasziniert ist. Es ist ein Ausgleich zum Alltag. Die Hochs und Tiefs des Spiels, das Verhalten der Spieler untereinander, gekoppelt mit der schönen Umgebung im Freien hat sie begeistert. Golf ist für sie ein besonderer Sport mit Charme und Prestige, bei dem man Kontakte knüpfen und vertiefen kann.

Augen auf den Ball!
Jedoch spätestens beim Abschlag sollte man aufhören zu reden. Denn einmal beim Abschlag nicht richtig aufgepasst und schwupps ist der Ball weg. Gut, dass es ein orangefarbener Ball war, obwohl mit den ganzen blühenden Blumen um einen eher doch nicht. Schöne Natur kann auch tückisch sein.
Beim dritten Loch treffe ich meinen neuen Erzfeind! Den See! Nichts gegen Seen im allgemeinen, ich bin am See aufgewachsen, doch dieser hier ernährt sich von Golfbällen. Nach drei verschluckten Bällen gebe ich im Sinne von Connys Golfbällen auf und schaue ihr lieber beim Putten zu. Dieses Mal braucht auch sie ein bisschen länger, was mir irgendwie gut tut. Schadenfreude ist auch im Golf zu finden. In diesem Moment wird der Regen noch stärker – war wohl zu viel Schadenfreude für Mutter Natur. Wir müssen uns nach dem vierten Loch geschlagen geben. Doch auch mit Regen hat das Golfen Spaß gemacht und mein erster Tag als sportliches Versuchskaninchen geht mehr oder weniger erfolgreich zu Ende.
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