Frühlingssuche - Radreise in Italien

Schnee, Schnee, immer nur Schnee - abgesehen von ein paar Tagen im März hat uns der Winter seit inzwischen 4 Monaten fest im Griff. Nach einer finalen Skitour auf die Alpspitze beschließe ich, meine Ski einzusommern und das Rad wieder herauszuholen.
Das Problem dabei ist nur, dass bei maximal 5 Grad, Wolken und Schneeregen keine wirkliche Radellaune aufkommen will. Zudem pfeift mir ein eisiger Ostwind um die Ohren und die Trails auf meiner Hausrunde sind entweder tief verschneit, oder man versinkt im Matsch.

Bleibt also nur die Flucht nach Süden. Am Osterwochenende machen wir uns auf den Weg nach Finale Ligure; der Trip ist schon länger geplant und so lassen wir uns auch von der mittelprächtigen Wettervorhersage nicht abschrecken. Bei der Abfahrt in München regnet es. Bei der Fahrt durch die Schweiz senkt ein Schneesturm unsere Durchschnittsgeschwindigkeit. Je näher wir aber dem Meer kommen, desto höher steigen die Temperaturen, bis wir schließlich bei sagenhaften 7 Grad Plus aus dem Auto steigen – morgens um 2:30 Uhr, nach 8 Stunden Fahrt.
Der Karfreitag beginnt verhalten. Wolken ziehen vorüber und die Sonne lässt sich wenn überhaupt nur kurz blicken. Die Trails sind vom Regen der vergangenen Tage so aufgeweicht, dass die Reifen nach 10 Metern völlig mit Schlamm zugesetzt sind und der Grip stark zu wünschen übrig lässt. Trotzdem fühlt es sich fantastisch an, nach 4 Monaten Winterpause endlich wieder auf dem Rad zu sitzen. Leider macht der Ostersamstag unseren weiteren Plänen einen Strich durch die Rechnung: es schüttet in Strömen und wir machen uns in den Cafés in Finalborgo auf die Suche nach dem besten Cappuccino.


Die nächsten Tage stimmen uns aber doch noch versöhnlich: die Sonne kann sich endlich durchsetzen und dank des (eisigen) Windes sind auch die Trails schnell trocken, so dass wir noch einige Touren fahren können. Weit hinauf in die Berge kommt man leider nicht, ab ca. 800 m liegt Schnee, so dass wir uns auf die Hügel direkt an der Küste konzentrieren. Aber auch hier lassen die Trails nichts zu wünschen übrig, von steinig und steil bis flach und flowig ist alles dabei – und am Strand locken die Restaurants mit leckerer Pasta.
Ruckzuck haben wir uns an das schöne Wetter gewöhnt, so dass es schwer fällt, die Rückfahrt anzutreten. Insbesondere der frische Neuschnee und die gefühlt arktischen Temperaturen an der Alpennordseite treiben uns schnell wieder in den Süden, so dass wir uns nach einer kurzen Arbeitswoche gleich wieder auf den Weg nach Italien machen. Dieses Mal aber nur bis nach Latsch im Vinschgau. Trotzdem fühlt man sich nach nur knapp 2 Stunden Autofahrt wie in einer anderen Welt: die Sonne scheint, die Trails sind staubtrocken und die Jacke bleibt meistens im Rucksack. Offenbar haben einige befreundete Biker den gleichen Entschluss gefasst und die Atmosphäre ist entspannt wie bei einem großen Klassentreffen.

Die beste Nachrichten erreichen mich dann auf der Rückfahrt nach Garmisch: der Wetterbericht verkündet das Ende der Eiszeit und den Frühlingsanfang in dieser Woche. Ich kann’s kaum erwarten, ihr auch?

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