EXPEDITiON HAPPINESS: Wie ein schulbus dein zuhause wird

In unserem ersten Beitrag haben wir euch berichtet, wie es eigentlich zu unserer Reise gekommen ist. In diesem Beitrag geht es ans Eingemachte!

Vom Schulbus zum zu Hause auf Rädern

Der Abschied von Rudi, der in den Transportraum musste, war natürlich wahnsinnig schwer. Er ist sowieso schon sehr ängstlich, und ich konnte nicht verhindern dass mir die Tränen runterlaufen. Knapp 8 Stunden Flug und 30 Minuten Einreiseprozedere später durften wir ihn am Sperrgepäckschalter abholen - als wir seine Transportkiste sahen rannten wir beide los. Mit zwei vollen Gepäckwagen gar nicht so leicht! Vor der Tür konnten wir ihn endlich wieder in die Arme schließen und der Kleine hat den Flug besser überstanden, als wir dachten. Fröhlich schwanzwedelnd wartet er bis wir alles in den Mietwagen verfrachtet haben und hüpft bereitwillig hinterher.

Knapp 1000 Km trennen uns noch von unserem Bus, der bald unser neues Zuhause wird. Wir konnten es kaum erwarten endlich anzufangen! In Hot Springs angekommen brauchen wir aber erst mal einen Tag zum ankommen und organisieren. Wir sortieren unser Gepäck neu, sodass man eine Chance hat etwas wieder zu finden, denn für den Flug waren all unsere Sachen nach Gewicht auf die vielen Pacsafe Taschen und Koffer verteilt. Rudi ist außer sich vor Freude über den Schnee und die ganze Zeit draussen. Der Kerl ist einfach nicht für die Stadt gemacht - Berlin hat er gehasst. Am nächsten Tag geht es endlich zu unserem Bus.

 „Ach du Scheiße ist der lang!“ fällt uns beiden die Kinnlade runter, als wir vor ihm stehen. Der erste Schreck ist schnell vergangen - Gut sieht es aus, unser neuestes Familienmitglied! Äußerlich sind keine Macken zu sehen und auch innen ist er erstaunlich sauber und wirkt relativ neu, obwohl er von 1996 ist, unser Thomas International. 

Als wir drin stehen ist ziemlich schnell klar, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben einen großen Bus zu nehmen.

Wenn man auf und ab läuft und sich überlegt wo man Schlafzimmer, Küche, Bad etc. unterbringen will wirkt er plötzlich gar nicht mehr so riesig. Wir machen uns überhaupt kein Kopfweh, denn Felix ist ein sehr guter Autofahrer und sollten wir wirklich mal irgendwo nicht hinkommen wo wir unbedingt hinwollen, können wir immer noch parken und mit dem Rad hinfahren, ein Motorrad mieten, laufen, ein Taxi nehmen, trampen, die Möglichkeiten sind endlos... 

Home Sweet Home

Dieser Bus soll auf unbestimmte Zeit das zu Hause unserer kleinen Familie werden, also wollen wir uns so richtig wohl fühlen. Als erstes steht auf dem Programm sämtliche Sitze rauszureißen - 72 SchülerInnen hat unser Bus herumkutschiert! Dafür müssen wir mit einer Flex die eingerosteten Schrauben absägen, und die Sitze dann mit einem Brecheisen rausbrechen.

Am nächsten Morgen ist der Boden an der Reihe. Wir versuchen die Schrauben zu lösen, aber die meisten sind so verrostet, das wir sie abflexen müssen. Dann reißen wir mithilfe von Brecheisen den hässlichen Linoleumboden runter und brechen die Holzplatten darunter raus. Die körperliche Arbeit ist zwar anstrengend aber eine willkommene Abwechslung von unserem normalen Arbeitsalltag, den wir größtenteils hinter Bildschirmen zubringen. Nach ein paar Stunden wird unsere Freude jedoch schlagartig gedämpft. Irgendwie ist Feuchtigkeit unter den Holzboden gekommen und über die Jahre hat sich der Rost durch den Boden gefressen. 

Aller Anfang ist schwer

Wir stehen vor einem riesigen Loch und können das Gras unter unseren Füßen sehen. Super frustriert stehen wir vor dem Desaster und ärgern uns. „Haben wir einen schrottigen Bus gekauft?“ „War es dumm schon von Deutschland aus einen Bus zu kaufen?“ „Müssen wir uns nach einem neuen Bus umsehen?“  Wir lassen uns von ein bisschen Rost nicht unterkriegen - Rückschläge machen so ein Projekt erst zu einem Abenteuer! Man kann nie wissen in welchem Zustand der Boden ist, wenn man einen Bus kauft, und schließlich ist unser Bus 20 Jahre alt. Den Boden behandeln wir mit Rostumwandler und das Loch decken wir mit Metallplatten ab.

Tatsächlich liefen die ersten beiden Tage am Bus ziemlich gut! Natürlich hat uns der Rost, bzw. das Loch im Boden kurzzeitig in eine Schockstarre versetzt, aber laut Erfahrungsberichten von diversen Bus-Umbauern benötigt man im Durchschnitt um die 3-4 Tage, um den Bus komplett zu entkernen. Wir haben nach zwei harten Arbeitstagen schon alles Unnütze aus dem Schulbus geworfen, den Rost behandelt und können uns jetzt darum kümmern den Bus zu befüllen anstatt ihn leerzuräumen.

Wir fangen an Holzlatten für die Bodenisolierung zu schneiden. Jeden Meter ziehen wir eine Holzlatte quer durch den Bus und verkleben bzw. verschrauben diese am Metallboden. Zwischen zwei Latten kommt eine dicke Schickt Isolierung. Die Platten sind schon gepresst, ich muss sie nur noch zuschneiden und rein drücken. Das Fundament aus Spanplatten haben wir relativ schnell ausgelegt und auf die Holzlatten verschraubt. Auf diesen Unterboden verlegen wir ganz am Schluss den Laminat, aber eins nach dem anderen!

Die bereits vorhandene Isolierung in der Decke ist trocken und ausreichend dick, deswegen entscheiden wir uns nur die Seitenverkleidung zu isolieren. Ähnlich wie beim Boden bauen wir ein Gerüst aus Holzstreben und schneiden Styroporplatten für die Zwischenräume zurecht. Da die Fenster aus einfachem Glas bestehen bringt das eigentlich alles nicht besonders viel, aber da wir sowieso eine Seitenverkleidung aus Holz möchten schadet es auch nichts darunter eine Schicht Isolierung zu verbauen.


Wer ist hier der Boss?

Nach den ersten paar Tagen ist bereits klar, ich bin Chefhandwerkerin und kümmere mich darum, dass der Schulbusumbau rechtzeitig und vor allem qualitativ anständig fertig wird. Felix dokumentiert das große Ganze und assistiert mir wenn nötig. Spaß bei Seite, tatsächlich habe ich außer einem geschickteren Händchen beim Handwerken deutlich mehr Freude am Umbau während Felix Aufgaben übernimmt, wie den Bus zu streichen. Dafür hätte ich überhaupt keine Muse und so passt uns die Arbeitsteilung beiden gut. 

Um euch nicht mit endlosen Details über den Busumbau zu langweilen mache ich jetzt mal im Schnelldurchlauf weiter. Leider lässt uns schon nach 2 Wochen unser Schreiner im Stich und wir sind auf uns allein gestellt. Plötzlich sind Youtube Tutorials und kleine Nervenzusammenbrüche an der Tagesordnung, aber wir berappeln uns notgedrungenermaßen schnell und ziehen den Umbau weiter durch. Felix streicht mühsam per Hand jeden Zentimeter des Busses mit drei Schichten grau, während ich innen weiter baue. Nachdem Boden und Seitenverkleidung verlegt sind können wir mit den Möbeln und „Räumen“ beginnen. Tatsächlich sieht die Rohkonstruktion von beispielsweise unserem Schrank und unserem Badezimmer am Anfang genau gleich aus. Aus robusten Balken bauen wir den Umriss, den wir dann später mit verschiedenen Materialien verkleiden.

Schritt für Schritt...

Ohne vorher jemals einen genauen Plan gemacht zu haben fangen wir hinten im Bus an und arbeiten uns nach vorne. Als grobe Maße nehmen wir dabei Fensterlängen. Bett: Drei Fenster, Esstisch: 2 ½ und so weiter. Hinten beginnen wir mit einer Art Garage, für allerlei Krempel, den man nicht im Wohnzimmer stehen haben will, wie Propan-Flaschen, Solarbatterie und Campingstühle. Die Trennwand fungiert gleichzeitig als Kopfende unseres Bettes. Ich hatte die Idee in der Wand Schrankfächer zu verbauen, sogar eine Steckdose haben wir darin versteckt, um nachts unsere Handys laden zu können. Die Hälfte des Bettes kann man hochklappen und hat so Zugang zu jede Menge Stauraum. Außerdem bauen wir vier Schubladen ein, in denen unsere Klamotten Platz finden. Am Schluss verkleiden wir das Bett mit altem Palettenholz. Das ist mehr Arbeit als man denkt, da man jede Palette auseinander brechen und sägen, abschleifen und von rostigen Nägeln befreien muss, bevor man sie zuschneiden und befestigen kann. Als nächstes sind ein Schrank und eine Toilette an der Reihe. Die verkleiden wir innen mit der selben Landhausverkleidung, die auch schon die Seitenwände vom Bus schmückt. Außen kommt wieder Palettenholz dran. 

Das schöne daran, dass wir alles selbst bauen ist, dass wir den Bus genau auf unsere Wünsche anpassen können. 

So ist die Toilette winzig klein, dafür haben wir eine riesige Dusche. Am Ende kommt wirklich jedes Teil aus unserer Schmiede. IKEA Küche? Fehlanzeige, wir bauen sogar die Türen im Landhausstil und unsere Arbeitsplatte selbst. Dafür kaufen wir rohe Holzbalken, die wir zusammen leimen, zurecht sägen und abschleifen. Das Natur belassene Holz wird außerdem zu Sofalehnen und einem Esstisch und gibt unserem neuen Zuhause sofort ein wohnliches Gefühl. 

Immer wieder gibt es Rückschläge. Als der Schnee beginnt zu schmelzen entdecken wir den bisher größten Makel an unserem Youngtimer Bus. Die Decke hat ein Leck und das Schmelzwasser tropft ins Innere - wir versuchen schnellstmöglich Eimer unterzustellen, denn das Holzfundament würde sonst eventuell schimmeln oder aufquellen. Aber so etwas gehört einfach dazu. Anfangs hat uns so ein Ereignis noch deprimiert, aber es macht natürlich auch Spaß alle Probleme zu beheben, um dann eine möglichst sorgenfreie Reise in Nord- und Zentralamerika zu haben. Die Arbeitstage sind lang und die ungewohnt körperliche Arbeit macht uns zu schaffen. Felix kümmert sich um die gesamte Elektrik und schließt das Wasser an. 4 komplette Tage brauche ich um die Dusche zu fliesen, aber das Ergebnis ist einfach traumhaft und immer wieder gucken wir uns im Bus um und wissen, dass sich die Schufterei lohnt. 

Unsere fertige Küche ist größer als die Loft Küche in Berlin und hat bis ins kleinste Detail alles was man sich wünschen könnte: Über Knoblauchpressen und Kaffeemaschine zu einem Mixer. Ein Ofen und großer Kühlschrank mit Gefrierschrank sind auch mit an Bord. Unsere selbstentworfene Couch kann man zu einem Doppelbett für Gäste ausziehen und der Esstisch lässt sich einklappen, damit Rudi während der Fahrt Platz für seine langen Beine hat. In den drei Monaten des Umbaus hat er schon ordentlich zugelegt. Die letzten Tage machen Spaß, wir können endlich dekorieren und unsere Sachen einladen bevor es endlich los geht. 

Erstes Ziel: Die Niagara Fälle in Kanada!
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