Expedition Happiness: Quer durch Kanada zum Banff-Nationalpark

Der Weg nach Kanada  

Der Start unserer großen Reise ist ein bisschen unentspannt, denn unser 90 Tagesvisum für Amerika läuft aus und wir müssen die mehr als 1000 Kilometer von North Carolina (wo wir den Bus umgebaut haben) an die kanadische Grenze in zwei Tagen fahren, um rechtzeitig aus den USA zu sein. Felix sitzt zum ersten Mal am Steuer und rangiert, als hätte er sein ganzes Leben nichts anderes gemacht. Trotzdem sind 500 Km am Tag in unserem Schlachtschiff anstrengend und mit durchschnittlich 90 Km/h auch ziemlich langwierig. Da wir an den Niagara Fällen die Grenze überqueren, werden wir wenigstens sofort belohnt. Die tosenden Wasserfälle sind ein schöner Auftakt für die Reise.

Als nächstes steht der erste Campingplatzbesuch und damit der Moment der Wahrheit an. Werden unsere Elektrik und Wasseranschlüsse funktionieren?

Stromkabel eingesteckt – Licht geht – Test bestanden.

Schlauch angeschlossen – Wasserhahn geht – Es tropft aus dem Boiler.

Misst. Nach 3 langen Umbau Monaten haben wir keine Lust mehr auf Handwerken und schon gar nicht auf unerwartet auftauchende Probleme. Nach der ersten Nacht im Bus ist nämlich klar, auch die Decke ist leider nicht dicht und der Regen tropft fröhlich auf unser Bett.

Uns bleibt nichts anderes übrig als mal wieder den Baumarkt aufzusuchen und uns an die Reparatur zu machen. Während ich versuche, die Wasseranschlüsse dicht zu bekommen, turnt Felix auf dem Dach rum und sprüht erneut alle Schrauben und Kanten mit einer Art Silikon ein.

Er ist erfolgreich, in der nächsten Regennacht bleiben wir trocken. Ich dagegen gebe nach ein paar Stunden auf und rufe einen Handwerker an. Der repariert letztendlich nicht nur unsere undichte Wasserleitung, sondern wird zu unserer ersten schönen Reisebegegnung. Abends gehen wir mit ihm und seinen Kindern essen.

Transcanadian Highway  

Dann geht es endlich so richtig los. Unser erster Streckenabschnitt führt uns immer geradeaus über den Transcanadian Highway einmal quer durch Kanada bis in den Westen. Da uns geradeaus fahren und Highway auf Dauer zu langweilig ist fahren wir alle Stunde in eine Seitenstraße rein und werden jedes mal überrascht. Strände mit Blick über das Wasser bis rüber in die USA, versteckte Wasserfälle und mystische Wälder erkunden in unseren Fahrpausen mit Rudi. 


Auch die Schlafplatzsuche gestaltet sich ähnlich. Wild campen ist in Canada erlaubt, solange es nicht ausdrücklich verboten ist. Wir werden aber jeden Abend fündig. Ohne Campingplatz ist unsere Solaranlage unentbehrlich und es macht Spaß, mitten in der Wildnis gemütlich in unserem Bus zu sitzen. 



Draußen sind die Geräusche des Waldes unheimlich laut und Rudi hat auf unseren Spaziergängen Millionen Fährten. Kein Wunder, hier gibt es wilde Wölfe, Bären, Elche, Bisons und mehr. Das ein oder andere Mal wartet am Ende einer Seitenstraße auch eine Dosis Kultur auf uns.

An einem See lernen wir ein älteres Paar kennen, die nach uralter Tradition im Winter Eisfischen gehen. Sie zeigen uns ihre Hütten, die sie mit Jetskis oder auch normalen Pick-Up Trucks auf den gefrorenen See hinaus ziehen, wo sie dann den Winter verbringen und durch ein Loch im Boden der Hütte fischen. Gemeinsam mit ihnen machen das bis zu 100 andere, sodass sich die Hütten nur so auf dem See tummeln. 

Die Kultur der Ureinwohner Kanadas können wir leider nicht erleben. Wir fahren zwar durch einige indianische Reservate durch, die wenigen Anlaufstellen, die es gibt, sind  jedoch sehr touristisch. An Raststätten gibt es Tipis und Traumfänger zu kaufen und es stehen ein paar “Plastikindianer” herum. Wir können uns kein Bild darüber machen, ob der Alltag der hier lebenden Ureinwohner traditionell oder modern ist, denn er passiert hinter verschlossenen Türen in abgelegenen Dörfern und Kommunen. Das ist natürlich ein bisschen schade, aber sehr verständlich.

Nachdem wir von Erlebnissen und toller Natur verwöhnt wurden, ist der letzte Abschnitt der Transcanada ziemlich öde. Im gesamten Staat Manitoba und Saskatchewan sind auf beiden Seiten des Highways nur Äcker, Felder und endloses Flachland. Auch Städte und Menschen sind eher selten also machen wir Meter um ins schöne Alberta zu kommen. Denn dort wartet der berühmte Banff Nationalpark auf uns. 

Banff Nationalpark  

Unsere Erwartungen sind dementsprechend hoch und werden noch übertroffen. Imposante Bergketten, Flüsse, die sich durch saftig grüne Wiesenlandschaften schlängeln und Bergseen in den schillerndsten Türkis, Blau und Grüntönen, Hirsche und Sonnenuntergänge vom Feinsten. 


Wir entscheiden, eine Woche zu bleiben, machen Wanderungen und Ausflüge durch die Natur mit dem Bus. Auf dem Heimweg zum Campingplatz von einem Tagesausflug entdecken wir am Straßenrand plötzlich einen Grizzly. Felix tritt auf die Bremse und kommt direkt neben dem riesigen Bär zu stehen. Der lässt sich von uns nicht weiter stören und kaut genüsslich 5 Meter von uns entfernt Gras. Wir können es kaum fassen und beobachten das wilde Tier eine halbe Stunde, bis es im Wald verschwindet. Auch Rudi guckt gebannt aus dem Fenster und macht keinen Mucks. Wir sind noch den ganzen Abend zittrig vor lauter Freude über diesen besonderen Moment.

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