Everest Base Camp Trekking: Ein Erfahrungsbericht


Bei Nepal denkt man an hohe Berge, buddhistische Mönche und freundliche Menschen, aber nicht daran, dass es das zehntärmste Land der Welt ist.
Als ich nach Kathmandu kam, war ich zunächst einmal geschockt – Chaos auf den Straßen, überall Müll und Dreck, die Luft stinkt, es gibt weder Straßennamen noch Bushaltestellen noch einen McDonalds. Die Welt des Himalaya ist ein krasser Gegensatz dazu.
Ich hatte eigentlich vor, den Annapurna zu umrunden, doch dann ergab sich die Gelegenheit, mich einer Gruppe zum EBC – Everest Base Camp Trekking anzuschließen. Und da wollte ich dann doch gerne den höchsten Berg der Welt einmal mit eigenen Augen sehen!
Landung auf dem gefährlichsten Flughafen der Welt
Der Flug nach Lukla mit dem gefühlt kleinsten Flugzeug der Welt und der Landung auf dem gefährlichsten Flughafen der Welt war wohl der nervenaufreibendste Teil der ganzen Reise. Danach ging es weiter von 2.500 auf 3.500m, nach Namche Bazaar, quasi der Hauptstadt der Sherpas. Hier kann man noch die restlichen Vorräte – vor allem Snickers, Klopapier und Müsliriegel  - einkaufen, zu relativ humanen Preisen. Denn je weiter hoch man kommt, desto teurer wird alles. Auf 4.500m musste ich das schmerzlich erfahren, als mich eine kleine Cola 4,50 € kostete! Aber dieser Umstand kommt nicht von ungefähr, denn alles, was man auf dem Everest Base Camp Trekking konsumiert, wird von Trägern in die verschiedenen Dörfer getragen.
Damit ihr eine Ahnung davon bekommt, was man alles für ca. 2 Wochen Everest Base Camp Trekking an Gepack benötigt, habe ich Euch eine Packliste zum Trekking im Hochgebirge zusammengestellt.


Wir mussten genau überlegen, was wir wirklich auf der Reise brauchten, da unser Gepäck von Trägern getragen wurde. Zunächst war es ein seltsames Gefühl zu sehen, wie die jungen Träger jeweils zwei unserer Rucksäcke auf dem Rücken hatten. Und trotzdem rannten sie quasi den Berg hoch, während wir hinterherkeuchten. Dieses Thema wird viel diskutiert und man kann es so oder so sehen – ich jedenfalls war schon bei den ersten 1.000 Höhenmetern heilfroh, dass ich nur meine 3 Liter Wasser und ein paar Snickers tragen musste.
5.300m: Aussichtshügel im Himalaya
Anstatt von Namche aus direkt das Khumbu Tal Richtung Everest zu gehen, wanderten wir 5 Tage ein Nebental nach Gokyo hinauf, wo wir den Gokyo Ri, 5.300m – ein lächerlicher Aussichtshügel für himalayische Verhältnisse – bestiegen. Was für uns allerdings wirklich eine Herausforderung war. Belohnt wurden wir durch den ersten tollen Blick auf Everest, Lhotse, Nuptse, Makalu, Cho Oyu und noch ein paar andere Gipfel, die keinen Namen haben, weil sie nicht höher als 6.000 m sind :)


Die zweite Herausforderung war der Cho La Pass, den wir buchstäblich hinaufkraxeln mussten, um dann hinüber ins Khumbu Tal zu kommen und unseren Weg weiter zum Everest fortsetzen zu können. Der Blick von dort oben auf die Ama Dablam – für viele der schönste Berg dieser Region - ist unbeschreiblich.


Ankunft im Everest Base Camp
Als wir nach weiteren 3 Tagen endlich im Everest Base Camp angelangten, waren wir alle schon ziemlich fertig. Eigentlich war fast jeder unserer 10-köpfigen Truppe irgendwie krank, von Durchfall über chronischen Husten, höhenbedingtes Kopfweh und schlimmer Grippe war alles dabei, sogar unser Guide war ein paar Tage nicht richtig fit. Das scheint aber normal zu sein, was man am allabendlichen Hustenkonzert in den Hütten hören konnte.
Da die Hütten jeweils nur für ein paar Stunden geheizt wurden (Ofen mit Yakdung), es jedoch nachdem die Sonne unterging, ziemlich kalt wurde, fror man ständig. Schon beim Abendessen legten wir uns einen Plan zurecht, was genau passieren musste, wenn man ins eiskalte Zimmer kam, um sich schnellstmöglich umzuziehen, Zähne zu putzen und dann in den – noch eiskalten – Schlafsack kriechen zu können. Ein paar Abende füllten wir unsere Wasserflaschen sogar mit heißem Wasser und legten sie in die Schlafsäcke.


Aber die Strapazen waren immer vergessen, wenn man am nächsten Morgen einen Pfannkuchen mit Honig und den unvergesslichen Anblick der 8.000er vor einem strahlendblauen Himmel vor sich hatte.
Mein persönlicher Tief- und Höhepunkt
Mein persönlicher Tief- und Höhepunkt war der Tag, an dem wir Kala Patthar, einen weiteren lächerlichen Aussichtshügel, aber mit 5.555m der höchste Punkt unseres Everest Base Camp Trekkings, um 4:30 morgens bestiegen, um den Sonnenaufgang zu sehen. Bei minus 15° froren uns die Füße und Hände ein und wir schleppten uns regelrecht den Berg hoch. Ich glaube, das waren drei der längsten Stunden meines Lebens! Dann aber kam die Sonne langsam hinter Nuptse und Everest hervorgekrochen und tauchte alles in strahlendes, frisches Morgenlicht. Das sind so Momente, wo man sich mal kurz in den Arm kneifen muss, um sich bewusst zu machen, dass man tatsächlich vor dem höchsten Berg der Welt steht und ein neuer Tag in dieser irren Welt beginnt… und dann will man nur noch runter zu einer heißen Tasse Tee :-)

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