Digitale Kletterführer: Zukunft der Kletterszene?

Wer sich heute umschaut, der sieht viele Menschen, die auf ihrem Smartphone Bücher lesen, Spiele spielen oder Rezepte nachkochen. Sogar für die Freizeitgestaltung finden sich digitale Hilfsmittel aus der App-Welt und dem Netz. Dieser digitale Zeitgeist hat auch den Bergsport bereits erreicht. Von der privaten Homepage mit Toureninformationen, über die Topo-App bis hin zum Informationsportal im Netz – der Kletterer von heute ist immer digital, aktuell und allumfassend informiert.
Die Vorteile dieser digitalen Angebote habe ich bereits in diesem Artikel betrachtet und ebenfalls eine Liste von guten Angeboten zusammengestellt. Im Folgenden möchte ich nochmals die unterschiedlichen Angebote näher erläutern und der Frage auf die Spur gehen: Sind digitale Kletterführer die Zukunft der Kletterszene?
Topo-Apps als Alternativen zu den Buchversionen

Apps sind die Newcomer des digitalen Zeitalters. Sie sind Software-Anwendungen, die direkt auf dem Smartphone laufen und über das Internet aktualisiert werden können. Beim Klettern bieten diese Apps den Komfort eines kleinen und handlichen Kletterführers, der keinen Platz im Rucksack wegnimmt und noch dazu als Fotoapparat und Notrufmöglichkeit dient. Durch Such- und Filterfunktionen lässt sich relativ schnell die passende Route im Gebiet finden. Einige der Anwendungen bieten neben den Topos und Routenbewertungen auch die direkte Navigation „zum Fels“ an. Die meisten Apps fokussieren sich auf ein einzelnes Gebiet und liegen preislich leicht unter der Buchversion des Führers.
Topo-Apps eignen sich für alle Kletterer, die ein eigenes Smartphone besitzen und am liebsten spontan auf Tour gehen. Durch die App spart man sich die Recherche im Netz, den eigenen Ausdruck auf Papier oder gleich den Platz im Buchregal.
Webseiten und Portale zur Grundorientierung
Während auf privaten Webseiten schon seit langem Tourenberichte, kopierte Topos und Fotos veröffentlicht werden, haben sich größere Portale erst in den letzten Jahren etabliert. Der Kletterer kann dort in einer Übersicht an Touren und Kletterfelsen recherchieren, und sich allgemeine Informationen zum Hausberg oder dem nächsten Urlaubsort anschauen. Während die Felsinfo-Seiten von DAV und SAC keine Online-Topos bereitstellen, bieten andere Portale auch die Möglichkeit, direkt Topos herunterzuladen. Meist kaufen diese Portale die Rechte der Autoren ein und können die Inhalte so den Kletterern kostenfrei zur Verfügung stellen.


Wer als Kletterer nur Basis-Informationen sucht oder sich in einem Gebiet bewegt, für das öffentliche Topos zur Verfügung stehen, dem sind Webseiten dieser Art zu empfehlen. Oft helfen sie bei einer Grundorientierung im Gebiet oder liefern bereits die nötigen Informationen.
Wikibasierte Portale für zielflexible Kletterer
Eine weitere Kategorie sind die wikibasierten Webseiten, auf denen viele einzelne Kletterer und Hobby-Autoren ihr Wissen und ihre Topos kostenlos zur Verfügung stellen. Jeder Teilnehmer trägt seinen Teil zur Gemeinschaft bei und profitiert von der Arbeit der Anderen.
Wer die Enzyklopädie Wikipedia kennt, weiß auch um die Vor- und Nachteile eines solchen Prinzips. Hunderte von Menschen arbeiten gemeinsam an einer Idee: Das Wissen dieser Welt frei zugänglich zu machen, möglichst umfassend und möglichst kostenlos. Kritiker des Prinzips bemängeln die unregelmäßige und nicht prüfbare Qualität der Inhalte, während Befürworter den Gemeinschaftsgedanken und die kostenlosen Inhalte betonen. Da jeder Mitwirkende seine eigene Vorstellung von „Qualität“, „Vollständigkeit“ und „Detailgrad“ hat, führt dieser Fakt dazu, dass man als Kletterer sehr genau hinschauen muss, auf welche Information man sich am Ende verlässt.


Da wikibasierte Portale noch keine vollständige Abdeckung jedes Gebietes liefern können, eignet sich diese Art der Online-Recherche vor allem für Kletterer, die in ihrer Wahl des Ziels flexibel sind und sich an den verfügbaren Informationen orientieren können. Aufgrund der möglicherweise schwankenden Qualität sollte der Kletterer wichtige Angaben (z.B. die nötige Seillänge) zu seiner eigenen Sicherheit hinterfragen.

E-Books als Alternative mit Abstrichen
Bei der Möglichkeit, einen Kletterführer direkt als E-Book zu kaufen und ihn dann entweder auf dem Smartphone oder auf dem E-Reader anzuschauen, bekommt der Kletterer ein direktes digitales Abbild des gedruckten Führers. Die Vorteile liegen auf der Hand: eine enorme Gewichtsersparnis, qualitativ hochwertige Inhalte und trotzdem die Möglichkeit, jederzeit im Führer zu schmökern. Leider nutzt das E-Book die besten Möglichkeiten des digitalen Formats nicht aus. Eine Filterung nach Schwierigkeit oder aktueller Entfernung der Felsen fällt ebenso weg, wie die potentielle Möglichkeit eine eigene „Tickliste“ über gemachte Routen zu führen. E-Books eignen sich vor allem für die Kletterer, die sich den Gang in den Buchladen sparen, aber trotzdem die illustrierten Inhalte des Kletterführers nutzen möchten.



Hier findet ihr die umfangreiche Liste der verfügbaren Apps, Websites, Portale und eBooks.
Screenshots: iTunes, Deutscher Alpenverein, TopoDB, Rockfax

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