Die Vorbereitung der deutschen 7er Rugby-Nationalmannschaft

Zum ersten Mal darf ich euch heute einen Einblick in die Vorbereitung der deutschen 7er Rugby-Nationalmannschaft auf die kommende Saison geben. Um uns optimal vorbereiten zu können, trafen wir uns vergangene Woche im warmen Portugal zum Trainingslager, fernab von Matsch und Schnee. Eine Gelegenheit, die für eine Amateurmannschaft keine Selbstverständlichkeit ist.
Rugby goes Rio 2016
In Deutschland ist Rugby eine Randsportart. Einigen wird die traditionelle Variante mit 15 Spielern ein Begriff sein – nicht zuletzt dank der „All Blacks“ aus Neuseeland mit ihrem legendären Haka, den BVB Trainer Jürgen Klopp einst schon seinen Mainzer Fußballern beim Aufstieg als Motivationshilfe zeigte. Mit der Aufnahme des 7er Rugby ins olympische Programm wird Rugby aber hoffentlich spätestens 2016 auch in Deutschland an Bekanntheit gewinnen.
Unser Ziel
Das Ziel der ganzen Quälerei ist eine gute Platzierung in der Grand-Prix-Series, der EM im 7er Rugby. In 4 Turnieren wird durch ein Punktesystem, vergleichbar mit der Punktevergabe in der Formel 1, der neue Europameister gekürt. Nach Platz 10 im Vorjahr, haben wir uns dieses Mal einen Sprung nach vorne vorgenommen. An einem guten Tag sind wir bereits in der Lage, eine Top-Nation wie Schottland zu schlagen. Das haben wir letzte Saison mehrmals bewiesen und uns so Aufmerksamkeit in der Rugby-Welt gesichert. Wir erhalten mittlerweile so viel Respekt, dass wir zu einem hochkarätig besetzten Turnier im hochmodernen britischen Allianz-Park eingeladen wurden.


Ein Fitnesstest zur Begrüßung

Vergangene Woche traf sich dann der Kern der 7er Nationalmannschaft im portugiesischen Figueira da Foz zu einem fünftätigen Fitness- und Skillscamp. Bei täglich 4 Trainingseinheiten, die erste jeweils um 7.30 Uhr, wurde uns alles abverlangt. Bereits am Anreisetag stand ein Fitnesstest auf dem Programm, der sog. Sprint Repeat Test. In 5m Abständen ging es so schnell wie möglich zu den Hütchen und zurück. Sprich ihr sprintet 5m und zurück, dann 10m und zurück usw., bis 30 Sek vorbei sind. Dann habt ihr 30 Sekunden Pause, lauft zur Startposition zurück und wiederholt das ganze 6 Mal. Als Zielweite sind für uns 750m ausgegeben. Probiert es doch mal selbst aus wie fit ihr seid - danach werdet ihr wissen, wie lang sich 6 Minuten hinziehen können!


Skills & Fitness

Das Hauptaugenmerk des Trainingslagers lag auf Skills & Fitness, weshalb unsere täglichen Einheiten ein Turnier simulieren sollten, um uns besser an den Rhythmus zu gewöhnen. Da wir normalerweise 4 Spiele an einem Turniertag bestreiten, hatten wir somit auch 4 Trainingseinheiten am Tag geplant. Um 7.30 Uhr und 14.30 Uhr durften wir meist an unseren Skills arbeiten. Dazu zählen wir zum einen unsere Passtechnik, aber auch verschiedene Übungen in der Verteidigung, an den Kontaktpunkten oder Spielsimulationen gehören dazu.


Um 10.45 Uhr und 16.30 Uhr stand dann der Teil an, den wir am liebsten jedes Mal übersprungen hätten. Unser Fitness-Trainer Kobus Potgieter hatte kein Erbarmen und brachte uns mit seinen Einheiten, am Strand oder im Kraftraum, an unsere Grenzen und viele auch darüber hinaus. Es waren nicht wenige, die sich wünschten, das Mittagessen bei sich behalten zu können. Schnell entwickelte sich bei uns ein Running Gag. „Na wie war Portugal?“ „Keine Ahnung, mir war die ganze Zeit schwarz vor Augen…“
Regeneration
Bei solch einem Mammut-Programm war eine gute Regeneration natürlich unglaublich wichtig. Letzte Woche habe ich euch bereits Tipps zu einer besseren Regeneration gegeben – diese waren in Portugal Gold wert. Nach so gut wie jedem Training ging es für uns ab ins Eisbad und Entmüdungsbecken. Am Abend stand dazu zusätzlich noch eine Session im Pool, Whirlpool und Dampfbad an, bevor wir dann zum Abschluss von unserer Physio Lolo und Gast-Physio Piedro mit einer Massage auf den nächsten Tag vorbereitet wurden. Dazwischen verbrachten wir auch etliche Minuten auf der Blackroll, um die Muskeln zumindest notdürftig wieder einsatzfähig zu bekommen. Trotz aller Maßnahmen fühlten wir uns gegen Ende des Lehrgangs wie von mehreren Lastern überfahren und waren froh, als wir nach der letzten Einheit einfach mal auf dem Boden liegen bleiben konnten.
Das folgende kurze Highlight-Video vermittelt euch hoffentlich ein wenig, wie anstrengend das Trainingslager war.
P.S.: Wenn ihr Lust habt ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft live zu verfolgen, dann schaut doch einfach am 5. April im Fritz-Grunebaum-Sportpark in Heidelberg vorbei. Dort trifft Deutschland um 15 Uhr in der WM-Qualifikation auf Tschechien. Ich freue mich auf euch ;-) Bis dahin werde ich euch mit Fitness. bzw. Regenerationstipps versorgen, die nicht nur für Rugbyspieler interessant sind...
 

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